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Das neue Mercedes-Benz Museum in Stuttgart öffnet am 19. Mai 2006

Computerbild der fertigen Mercedes-Benz Welt (DaimlerChrysler)
Stuttgarter Zeitung 4.4.2006

Kanzlerin atmet Hauch der Automobilgeschichte

Feierliche Eröffnung des Mercedes-Museums am 19. Mai durch Angela Merkel - Besucher müssen sich auf Wartezeiten einstellen
 
Der berühmteste Gast steht seit gestern fest: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird das Mercedes-Museum, das 150 Millionen Euro gekostet hat, am 19. Mai eröffnen. Der Star sei aber der Fuhrpark, sagte der Hausherr, der mit 750 000 Besuchern im Jahr rechnet.

Von Jörg Nauke

Noch wird in dem futuristischen Gebäude, das das niederländische Büro UN studio van Breukel und Bos zwei verschlungenen Spiralen nachempfunden hat, poliert und installiert. Die 160 Fahrzeuge - 80 Autos, 40 Lastwagen und 40 Rennwagen - und weitere rund 1500 Exponate (Ersatzteile, Komponenten, Rennanzüge, Pokale) sind bereits an ihrem Platz; Licht und Ton werden derzeit auf die Exponate abgestimmt. Der Tragwerksplaner Walter Sobek hat errechnet, dass die Decken dick wie sechsspurige Autobahnbrücken sein müssen, damit erstmals historische Nutzfahrzeuge präsentiert werden können.

Der Museumsbesuch beginnt mit einer Aufzugfahrt in die Vergangenheit. Es geht in 45 Sekunden zurück zu den Ursprüngen der mobilen Gesellschaft, akustisch dargestellt durch Verkehrslärm von der benachbarten B 14 beim Einstieg und dem Geräusch trappelnder Hufe beim Ausstieg im achten Stock. Im obersten Präsentationsraum kann man den ersten schnell laufenden Motor, die erste Motorkutsche und den Benz-Patent-Motorwagen aber nicht nur bestaunen - man kann sie auch riechen.

Nachdem sie die Mercedes-Welt am Nachmittag des 19. Mai eingeweiht hat, darf als eine der Ersten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Schnupperkurs teilnehmen und (das kostet normal vier Euro) den Rennsimulator nutzen, der sich auf der als Steilkurve ausgestalteten Präsentationsfläche namens "Rennen & Rekorde" befindet. Das ist aber nicht irgendein Simulator - er lässt den Fahrer spüren, wie sich Sitzposition und Lenkradgröße im Laufe der langen Firmengeschichte verändert haben. Am Abend findet eine Eröffnungsgala mit 1500 Gästen statt. Am Samstag und Sonntag ist das Museum für alle geöffnet, montags ist das Gebäude geschlossen, weil man die vielen Computer und Bildschirme warten müsse, mit deren Hilfe die Exponate erklärt würden, sagt Museumschef Max-Gerrit von Pein. Das Angebot reicht vom SSB-Bus bis zum Dienstwagen des japanischen Kaisers, vom Papamobil des Papstes bis zum Cabrio von Lady Di.

Das 150 Millionen Euro teure Museum ist durch einen unterirdischen Verbindungsgang mit Shops und Restaurants mit dem neuen Verkaufszentrum verbunden. Dort werden ständig rund 130 Neufahrzeuge präsentiert. Unterirdisch ist der Gang freilich nur, weil die Gebäude auf einer rund sechs Meter hohen Aufschüttung thronen. Wegen des Mineralwassers im Untergrund hat man die Gebäude auf mehr als 1350 Pfähle gestellt.

Das Unternehmen erwartet einen Riesenansturm aufs Museum - nicht nur am ersten Wochenende. Man rechnet mit 750.000 Besuchern pro Jahr. Bereits das kleinere alte Gebäude innerhalb des Werks Untertürkheim, das zwischen 1200 und 3200 Besucher pro Tag zählte, war mit einer halben Million Gästen das am stärksten frequentierte Firmenmuseum der Welt. Und sein Nachfolger wird mit bis zu einer Million Besucher gehandelt. Die Organisatoren befürchten deshalb längere Wartezeiten. Weil die Etagen ineinander übergehen, ist das Museum als Hochhaus mit einer Zugangsbeschränkung von 1200 Personen für die Ausstellung belegt. Wenn diese Zahl erreicht ist, heißt es warten, bis Besucher das Gebäude wieder verlassen. Durchschnittlich werden etwa 2,5 Stunden für einen Rundgang angesetzt.

Der Eintritt ins Mercedes-Museum
kostet
für Erwachsene acht Euro,
ermäßigt vier Euro,
für Kinder bis 15 Jahre ist er gratis.

Geöffnet:
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen
von 9.00–18.00 Uhr – montags geschlossen.

Kontakt
:
Hotline +49 (0) 711-17 30 000
per Fax +49 (0) 711-17 30 400

oder per E-Mail:

mercedes-benz-museum@daimlerchrysler.com

Anschrift:
Mercedes-Benz Museum GmbH
Mercedesstraße 100
70372 Stuttgart (Bad Cannstatt)

Weitere Informationen unter:

www.mercedes-benz.com/museum

2002
Das DaimlerChrysler-Werk Untertürkheim 2002
Simulation 2006
2006: Computersimulation mit neuem Museum und Mercedes-Benz Center

Neues Mercedes-Benz Museum in Stuttgart

Zahlen, Fakten, Öffnungszeiten

Öffnungszeiten: Ab dem 20. Mai 2006 täglich, außer montags, von 9.00 bis 18.00 Uhr. Zu Beginn und während der Fußball-Weltmeisterschaft will die Museumsleitung flexibel auf den Besucherandrang reagieren.

Eintrittspreise: Während das alte Werksmuseum kostenlos zu besichtigen war, wird der Besuch des neuen Museums regulär acht Euro kosten. Senioren, Schüler und Studenten zahlen die Hälfte. Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre haben freien Eintritt, ebenso Schulklassen nach Voranmeldung.

Anfahrt: Das Mercedes-Benz Museum befindet sich in Stuttgart-Bad Cannstatt in der Mercedesstraße 100 und ist mit dem Auto gut zu erreichen. Es gibt einen eigenen Museumsparkplatz, die Parkkosten sind im Eintrittspreis enthalten. Mit dem öffentlichen Nahverkehr benutzt man die S-Bahn Linie S1 bis zur Haltestelle Daimler-Stadion Der Fußweg beträgt dann 5 Minuten. Dazu gibt es auch die neue Buslinie 51 vom Bahnhof in Stuttgart-Bad Cannstatt bis zum Museum.

Ausgestellt werden: auf neun Ebenen und 16.500 Quadratmetern Fläche 160 Fahrzeuge und 1.500 weitere Exponate.

Erwartete Besucher: Museumschef Max-Gerrit von der Pein erwartet jährlich etwa 750.000 Besucher. Ins alte Museum kamen im Jahr 2005 rund 500.000 Gäste. Damit zählt das Mercedes-Benz Museum zu den meistbesuchten Firmenmuseum der Welt.

Link im www

Homepage des Mercedes-Benz Museums: www.mercedes-benz.com/museum

Am Rande notiert ...

Kosten: Der Bau und die museale Ausgestaltung des Projektes verschlangen rund 150 Millionen Euro.

Pläne: Bis heute wurden für den Bau des Museums 35.000 Pläne erstellt. Während der Rohbauphase waren es täglich bis zu 250, die an die ausführenden Unternehmen verteilt werden mussten.

Fenster: In der Fassade gleicht keine der 1.800 Einzelscheiben der anderen.

Dreidimensionales Denken: Die Schlosser mussten die meisten Geländer mit Hilfe von 3-D-Datenmodellen des Architekten anfertigen.

Von Stuttgart nach Paris: 630.000 Meter Elektro- und Datenkabel mussten unsichtbar untergebracht werden, dies entspricht etwa der Strecke von Stuttgart bis Paris. Die Kabel wurden in Beton gegossen. Außer den 12.000 Leuchten gibt es keine sichtbare Gebäudetechnik.

Schwergewicht: 120.000 Tonnen Beton wurden verbaut. Darin versteckt sind auch 100 Kilometer Rohre, durch die 33.000 Liter Wasser fließen, um das Gebäude zu kühlen und zu beheizen.

Autorin: Susan Pfahlbusch - SWR - http://www.swr.de/regionen/stuttgart/mercedes-benz-museum/-/id=3398/nid=3398/did=1188966/mpdid=1189884/ttx3dh/index.html

Beton tanzt Twist Biotop des Automobils: Im neuen Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum legt sich die Architektur in die Kurve

Von Martin Mezger - Untertürkheimer Zeitung 13.5.2006

Man würde sich nicht wundern, wenn das Ding plötzlich weg wäre; wenn es sich wie ein Ufo vom Boden heben würde oder - gelassener und gemessener - das Weite suchen wie ein Ozeandampfer, den der erste Blick ohnehin assoziieren mag. Dabei hat das neue Mercedes-Benz-Museum imposant Platz genommen und Stadtraum gestaltet, wo er ziemlich gestaltlos ausfranst: im Niemandsland zwischen Cannstatt und Untertürkheim, Daimler-Stadion und -Werksgelände, Sportplätzen und Verkehrsschneisen, die sich gierig in die Fläche fräsen. Eine von ihnen, die B 14, schneidet die Grenzkerbe zwischen Werk und Museum.

Unendliche Statistenschar

Als künstlicher Strom gehört die mehrspurige Bundesstraße zur architektonischen Inszenierung wie der Rhein zum Kölner Dom. Der rollende Verkehr wird zur unendlichen Statistenschar im Schauspiel der Mobilität und ihres musealen Monuments, dem so gar nichts Museales eignet. Futuristisch blitzt die Aluminiumhülle wie eine blank polierte Autokarosserie und formt die gewundene Baukörpergestalt. Sie wirkt, als habe man das benachbarte Stadion in einen gigantischen Ofen geschoben, wo es zur Torte aufging.

Die lichten Schichten der Fensterbänder blecken Zähne, wie sie der Haifisch im Gesicht trägt. Nur hätte sie ihm der Architekt gern gezogen: Die Stützpfeiler hinterm Glas, verantwortlich für die Fischmaul-Optik, sind ein Notbehelf. Die Statik forderte ihren Tribut, auch wenn Ben van Berkel, Caroline Bos, Tobias Walliser und ihr Amsterdamer UN Studio die Gravitation ansonsten noch so virtuos überlisteten.

MB Museum Foto: Enslin
Foto: Klaus Enslin - Januar 2006

Um Spektakuläres und Sensationelles sind die Architekten in ihrem jüngsten Werk wahrlich nicht verlegen. Wie ihr Möbius-Haus im niederländischen Het Gooi gründet auch das Mercedes-Benz-Museum auf dem Prinzip geometrischer Unendlichkeit: Drei endlos in sich selbst geschlungene Schlaufen bilden die Form eines dreiblättrigen Kleeblatts. Dieser zweidimensionale Grundriss wurde ins Dreidimensionale projiziert, so dass eine sich in die Höhe windende Doppelhelix entstand: zwei in sich geschraubte Spiralen im Inneren, die Aluplanke und Fensterband auf der Fassade nachzeichnen.

Der doppelte Korkenzieher bahnt die doppelten Wege der Besucher durchs Museum, zunächst aber war Beziehungsreichtum der Vater des Gestaltungsgedankens. Der Entwurf, so Ben van Berkel, spiele auf die Topographie Stuttgarts mit ihren Hügeln und Tälern an, denen die Verkehrswege windungs- und kurvenreich folgen. Solcher Herleitung aus dem kinetischen Impuls im Statischen - kurz: aus der Mobilität - verdankt sich die Dynamik des Gebäudes: die Paradoxie eines beschleunigten Stillstands oder einer quasi eingefrorenen Bewegung. Womit die Architektur in wahrscheinlich unfreiwilliger Ironie den Verkehrsinfarkt beschwört, in sinnträchtiger Absicht aber ein Verkehrsbauwerk zitiert. Das Museum gleicht einem in Aluminium eingeschweißten, vielfach verschlungenen Autobahnknoten. Schließlich wird ja nichts anderes als das heilix Blechle zum Altar der Museumsehre erhoben - das aber mit gebührendem ästhetischen Mehrwert: Gestalterisches Raffinement bindet die angedeuteten Fahrbahn-Bänder nicht an schnöden Straßenbau, sondern an die unendlichen Illusionsräume Eschers oder die labyrinthischen Innenwelten von Piranesis "Carceri".

Die Assimilation von Entwurf und Exponat bringt die komplexe Konzeption auf einen recht einfachen Nenner: Ein Auto fährt keine Ecken, sondern Kurven. Also gibt es im neuen Mercedes-Museum keine geraden Wände und rechten Winkel, sondern Wölbungen, Krümmungen, gleitende Formen. Die Architektur legt sich in die Kurve, und das tut sie mit einer Balance wie ein Motorrad-Champion.

Nachahmung der Natur

Die wahre Meisterschaft des Baus ist jedoch mit Metaphern der Mobilität allein nicht zu beschreiben. Van Berkel und seinem Team ist es tatsächlich gelungen, Naturhaft-Topographisches und Technisch-Bewegtes aufeinander zu beziehen. Bereits im Atrium, dem bis unter die Decke des 47,5 Meter hohen Baus offenen Eingangsraum, nimmt der Sichtbeton organische Form an. Körperhaft gerundet lässt er Lebendiges ahnen und ahmt Natürliches nach: den Leib, der Fließendes und Festes verbindet, die Felsformation, die wie eine urzeitlich erstarrte Welle wogt.

In die Urgeschichte des Automobils taucht das Publikum denn auch mit den drei U-Boot-artigen Liftkabinen ab - oder besser: auf. Die Zeitreise in die Vergangenheit führt zur obersten der neun Geschossebenen - und zum Pferd, das alsbald von der motorisierten Pferdestärke abgelöst wurde. Mit der so genannten Standuhr, dem ersten für Fahrzeuge geeigneten Benzinmotor, schlug seine Stunde als Verkehrs- und Transportmittel, auch wenn Kaiser Wilhelm II. noch 1905 das Automobil zur "vorübergehenden Erscheinung" erklärte. Wie er sich täuschen sollte, zeigt nicht nur die eigene Nobelkarosse des exilierten Monarchen, ein Mercedes-Benz 770 Cabriolet F, sondern die ganze Ausstellung. Zwei Wege folgen der Doppelhelix hinab auf den Boden gegenwärtiger automobiler Tatsachen und ihrer weiteren Aussichten in der abschließenden Zukunftsabteilung "Faszination Technik".

Dem Besucher gibt Museumsgestalter HG Merz die Wahl zwischen den Pfaden durch den "Mythos Mercedes" oder die "Collection", zwischen Inszenierung der Markengeschichte oder Dokumentation der Produktpalette, zwischen Autostars und Starautos (von Lady Dianas SL 500 bis zum Papamobil) oder nüchterner Präsentation. Damit die Wahl nicht zur Qual wird, ist auf jeder Ebene ein Wegwechsel möglich.

Wie es sich für einen Mythos gehört, wird er im Kunstlicht-Halo hinter dem Fassaden-Alu erzählt: abgeschottet von der Gegenwart, die durch die Fensterfront ihren glasklaren Kontrapunkt zum Collectionsweg setzt. In der Mythos-Spirale beleuchten Schaukästen die Kultur-, Sozial- und Weltgeschichte - eine Art Zwischenaktmusik, während man auf den Rampen zur nächsten Ebene eher hinabschwebt denn -geht und die illustren Modelle von den ersten Motorkutschen bis zu den Prunkstücken der 120-jährigen Mercedes-Story wie im Landeanflug umkreist, bevor man vor ihnen steht.

Überdimensionale Carrera-Bahn

Die Wege treffen sich in der Rennwagen-Abteilung, wo die berühmten Silberpfeile und andere Flitzer wie auf einer überdimensionalen Carrera-Bahn effektvoll in die Steilwandkurve geschraubt sind. Vor diesem Höhepunkt der Inszenierung passiert man die noch effektvollere Selbstinszenierung der Architektur: Sie lehrt den Beton tanzen. "Twist" nennen sich die zunächst senkrechten Wände, die sich in leichter Windung und nach außen gewölbtem Bogen doppelt verdrehen, bis sie beinahe zum Fußboden werden. Sie gelten als spektakulärste Innovation des Gebäudes, waren sie doch in dieser Größe zuvor noch nie gebaut worden. Aber sie streben nicht nur nach dem Ruhm des Sensationellen und der statischen Trickserei, sondern stützen das organoide Gestaltungskonzept.

Im Inneren der Auto-Erotik

In kurviger Eleganz bewegt sich der lebendig anmutende Bau-Körper ins Innere der Auto-Erotik, als werde man in die geheimsten Seelentiefen ihrer Faszination geführt. Dass die Katharsis ausbleibt, dass keine läuternde Kehrseite der massenautomobilen Medaille aufscheint, wird man einem Firmenmuseum nicht verargen können. Es zieht einen hinein ins bewegte Lebensmilieu jener Gattung, die der Menschheit zur zweiten Natur wurde: Dem Automobil wurde ein Biotop errichtet.

Dessen Schöpfung ist so neuartig, dass sogar die Software für den Architektur gewordenen Karossen-Cyberspace eigens geschrieben werden musste. 35 000 Baupläne verließen den Drucker, bis das Spiel der Gestaltung für den funktionalen Ernst- und nicht zuletzt den Brandfall gewappnet war: Im Passagenwerk des 16 500 Quadratmeter großen Ausstellungsbereichs bremsen weder Türen noch Brandschutzwände die Bewegung. Also faucht bei Feueralarm ein künstlicher Tornado den Rauch aus Spiralparcours und Eingangshalle.

Die gesamte Haustechnik - unter anderem 100 Kilometer Heizungsrohre und 630 Kilometer Kabelstränge - birgt der Sichtbeton unsichtbar in seinen Innereien. Und zugleich wird seine Masse gedreht und gewendet, als gäbe es keine Schwerkraft mehr. Decken und frei schwebende Flächen von gigantischer Spannung und Größe fügen sich zum statischen Wunder, das auch schwere Brummer erträgt. Anders als im alten Daimler-Benz-Museum können auch Nutzfahrzeuge gezeigt werden - 40 unter den insgesamt 160 Automobil-Exponaten.

500 000 Besucher im Jahr zählte der Altbau und war damit das meistbesuchte Firmenmuseum der Welt. Man muss kein Prophet sein, um dem neuen, weltweit wirksamen Magnet der Region noch ganz andere Besucherströme vorherzusagen.

Das neue Mercedes-Benz-Museum wird am kommenden Freitag eröffnet. Am 20. und 21. Mai 2006 finden Tage der offenen Tür für die Öffentlichkeit statt, am 23. Mai beginnt der Normalbetrieb.

Stuttgarter Zeitung vom 18.9.2003

Autolegenden erhalten ein neues Zuhause

Im Frühjahr 2006 sollen das neue Mercedes-Benz-Museum
und das Verkaufscenter zum Preis von 100 Millionen Euro fertig sein


"An der Wiege der Mobilität", nur wenig entfernt von dem Gewächshaus, in dem Gottlieb Daimler vor 120 Jahren den schnelllaufenden Motor entwickelt hat, ist der Grundstein für die Mercedes-Benz-Welt gelegt worden - ein Bekenntnis zu Stuttgart.

Von Jörg Nauke

Noch knirscht der Kies unter den Sohlen an der Stelle, wo bis zum Anpfiff der Fußball-WM im Jahr 2006 "das modernste Automobilmuseum der Welt" entstehen soll. Weniger komme für das älteste und nach eigener Überzeugung bedeutendste Mobilitätsunternehmen nicht in Frage. Das 100-Millionen-Euro-Projekt Mercedes-Benz-Welt umfasst mehr als den Bau eines neunstöckigen, fast fünfzig Meter hohen, postmodernen Gebäudes mit 17.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche, für das gestern in Beisein von Prominenz aus Wirtschaft (Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt), Motorsport (Jochen Maas, Bernd Schneider, Norbert Haug, Hans Hermann) und Politik (Ministerpräsident Erwin Teufel, Oberbürgermeister Wolfgang Schuster) ein aus Plexiglas bestehender Grundstein gelegt wurde. Darin wurden neben der Nachbildung des ersten schnelllaufenden Motors von 1883 die Stuttgarter Zeitung, Euromünzen und Automodelle deponiert.

Daimler-Chrysler wertet mit den Neubauten seinen Haupteingang, das Cannstatter Tor, deutlich auf. Davor wird ein Kreisverkehr eingerichtet; unter der B-14-Brücke entstehen zwei Parkhäuser mit 900 Parkplätzen. Gleich neben dem Automobilmuseum, ebenfalls auf einem vier Meter hoch aufgeschütteten Gelände an der Mercedesstraße, entsteht ein Verkaufszentrum mit 35.000 Quadratmetern Fläche. Dort wird die Marke in ihrer ganzen Bandbreite präsentiert. Das ist bisher in der Niederlassung in der Türlenstraße "mehr schlecht als recht möglich", sagte Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert. Die neue Mercedes-Benz-Welt sei hingegen so etwas wie eine "kontinuierliche IAA". In ihr findet der Neuwagenverkauf statt, 330 Ausstellungsfahrzeuge finden Platz; vorgesehen ist auch ein Servicestützpunkt. Der Neubau beginnt im nächsten Juni, die Fertigstellung ist zeitgleich mit dem Museum geplant.

Derartige Präsentations- und Verkaufsräume gibt es bereits in Berlin und München, geplant sind weitere in Paris, London sowie in Rom oder Mailand. Dank Mercedes-Benz werde Stuttgart "von 2006 an in einem Atemzug mit diesen Metropolen genannt", sagte Jürgen Hubbert.

Im Museum werden in verschiedenen Ausstellungsformen 180 Personenwagen, Nutz-, Rennsport- und Rekordfahrzeuge präsentiert, die den Mythos Mercedes begreifbar machen: ein auf zwei Zufälligkeiten gegründeter Mythos - daran erinnerte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp. Zum Glück habe die Namensgeberin Mercedes Jelinek einen wohlklingenden Vornamen getragen - "es hätte auch schlimmer kommen können", witzelte Schrempp. Der berühmte Stern sei nicht mehr gewesen, als ein Kringel, den der Firmengründer auf eine Postkarte gemalt habe, um für Freunde den Standort seines Hauses zu markieren.

Schrempp möchte die neue Mercedes-Benz-Welt nicht nur als Brückenschlag zwischen Tradition und Gegenwart verstanden wissen, sondern als Bekenntnis zum Standort Baden-Württemberg und als "klare Botschaft von Daimler-Chrysler an Stuttgart und die Geburtsregion", in der 115.000 Mitarbeiter, ein Drittel der gesamten Belegschaft, arbeiteten. Schrempp sagte erneut, man werde hier in den nächsten drei Jahren sechs Milliarden Euro investieren.

Der Vorstandsvorsitzende lobte die Politik von Ministerpräsident Erwin Teufel, "deren langfristige Ausrichtung wir sehr schätzen". Teufel selbst betonte, dass es - siehe Ausbau des Motorenwerks sowie den Bau des Schulungszentrums in Vaihingen und der Daimler-Chrysler-Bank - nicht bei Ankündigungen geblieben sei. "Sie wissen uns an Ihrer Seite", sagte der Ministerpräsident. Er freue sich, "dass die Tradition hier ein neues Zuhause bekommt, schließlich ist der Mythos Mercedes ein Teil unseres Lebens".

Aktualisiert: 17.09.2003

Grundsteinlegung am 17. September 2003
Aus: >> http://www.stuttgart-baut.de/bauprojekte.cgi?a=projekt_uebersicht&id=55 <<

Auf einem 60 000 Quadratmeter großen Areal vor dem Haupttor des DaimlerChrysler-Werks
in Stuttgart-Untertürkheim entsteht die neue "Mercedes-Benz Welt".

Am 17. September 2003 wird der Grundstein für das neue Mercedes-Benz Museum gelegt und im Mai des kommenden Jahres fällt der Startschuss für den Neubau des Mercedes-Benz Centers Stuttgart. Rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 findet die Eröffnung der Mercedes-Benz Welt statt. Vor dem Gelände haben bereits im Mai dieses Jahres die Arbeiten zur Neugestaltung der Mercedesstraße begonnen und werden Mitte Oktober 2003 abgeschlossen sein.
Bereits 1999 erhielt der Bereich "DaimlerChrysler Communications" den Auftrag für die Entwicklung einer Neukonzeption des Mercedes-Benz Museums. Ein Jahr später fiel die Entscheidung für den geschichtsträchtigen Standort Stuttgart-Bad Cannstatt, direkt neben dem Stammwerk, das im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag feiern wird. Im Jahr 2001 startete ein Architekturwettbewerb, der Ende Januar 2002 abgeschlossen war. Die Teilnehmer standen vor zwei Herausforderungen: Im Ideenteil stand die Entwicklung von städtebaulichen Lösungsansätzen für das Gelände vor dem Werkstor im Mittelpunkt -- einschließlich einer Neuordnung der Verkehrssituation entlang der Mercedesstraße. Den Hauptteil des Wettbewerbs bildete der Entwurf des eigentlichen Museumsgebäudes und der dazugehörigen Freiflächen. Das holländische Büro "UN Studio van Berkel & Bos" ging schließlich mit seinem Vorschlag als Gewinner hervor. Im März 2002 entschied der Vorstand der DaimlerChrysler AG, das Projekt zu realisieren.

Das neue Mercedes-Benz Museum

Als Erfinder des Automobils hat DaimlerChrysler die Verpflichtung, der Kommunikation der Automobilgeschichte ein adäquates Forum zu schaffen und der einzigartigen Tradition der Marke Mercedes-Benz ein entsprechendes Zuhause zu geben. Von den Anfängen der individuellen Mobilisierung, über die Geschichte der Fahrzeuge bis hin zur Zukunft des Automobils werden im neuen Mercedes-Benz Museum alle Epochen und Meilensteine der Marke sowie der Unternehmensgeschichte reflektiert. Das architektonisch herausragende Gebäude mit einer Gesamthöhe von über 47 Metern, errichtet auf einem knapp sechs Meter hohen Hügel, wird zum natürlichen Mittelpunkt der neuen "Mercedes-Benz Welt" und repräsentiert in einzigartiger Form die Faszination Mercedes. Am 17. September dieses Jahres findet die Grundsteinlegung statt. Nach einer Bauzeit von rund drei Jahren wird das neue Mercedes-Benz Museum im Frühjahr 2006 eröffnet werden.

Seinen Besuchern wird das neue Mercedes-Benz Museum ein unvergessliches Markenerlebnis bieten, bei dem die Tradition von Mercedes-Personenwagen und -Nutzfahrzeugen sowie die Faszination Motorsport ein zentrales Element bilden und damit zu einer weltweit einzigartigen Kommunikations- plattform der Marke Mercedes-Benz beitragen.

Die Einbindung von neuesten Medien, Informations- und Kommunikationssystemen sowie die klassische, zielgruppenorientierte Besucherbetreuung ermöglichen den Besuchern einen spannenden und kompakten Weg durch die rund 17 000 Quadrat-meter große Ausstellung. Chronologisch geordnete Inszenierungen machen den gesamten "Mythos Mercedes" -- von den Anfängen der Automobilgeschichte bis hin zu einem Ausblick in die Zukunft -- erlebbar. Parallel dazu werden Sammlungen gezeigt, die in einem thematischen Zusammenhang stehen. Sie ermöglichen den Besuchern -- je nach persönlichen Wünschen -- noch tiefer in die faszinierende Vielfalt der Marke Mercedes-Benz einzusteigen. Neben den 100 ausgestellten Personenwagen rundet eine große Anzahl von Schnittmodellen, Motoren und anderen Exponaten das Angebot ab. Als weltweit einzige Marke kann Mercedes-Benz auch seiner Nutzfahrzeug-Geschich-te mit der Ausstellung von rund 40 Exponaten eine adäquate Plattform bieten und wird so der einmaligen Tradition des ältesten und größten Nutzfahrzeugherstellers der Welt gerecht. Ein ganz besonderes Highlight ist die Ebene "Rennen und Rekorde", die auf einer Ausstellungsfläche von knapp 1200 Quadratmetern Platz für 40 Renn- und Rekordfahrzeuge von Mercedes-Benz bietet. Die gesamte Faszination "Motorsport" -- von den Anfängen des Rennsports, über die legendären Silberpfeile bis zum jeweils aktuellen Motorsportprogramm -- ist mit einem Blick erfassbar.

Simulation 2006
2006: Computersimulation mit neuem Museum und Mercedes-Benz Center

Das neue Mercedes-Benz Museum und das benachbarte Mercedes-Benz Center sind durch einen Zwischenbau miteinander verbunden. Auf einer Länge von etwa 80 Metern finden die Besucher dort ein Kindermuseum, eine Erfinderwerkstatt, Gastronomie, Shops und Fahrzeug-Sonderpräsenta- tionen. Der gesamte Außenbereich des Geländes eröffnet völlig neue und äußerst flexible Nutzungs- möglichkeiten für unterschiedlichste Open-Air-Veranstaltungen. Den Höhepunkt bildet eine Freiluft-Arena mit rund 300 Sitzplätzen, die groß genug für Produktpräsentationen und Veranstaltungen ist.

Das Mercedes-Benz Center

Im Mai 2004 beginnt der Neubau des Mercedes- Benz Centers, das ebenfalls im Frühjahr 2006 eröffnet wird. Damit wird das Konzept, die Marke in den Metropolen in ihrer ganzen Bandbreite erlebbar zu machen, konsequent fortgesetzt. Künftig findet dort der Neuwagenverkauf statt, der heute noch in der Mercedes-Benz Niederlassung, in der Stuttgarter Türlenstraße angesiedelt ist. Das Mercedes-Benz Center stellt mit einer Gesamtfläche von knapp 35 000 Quadratmetern die Gegenwart der Marke Mercedes-Benz dar. Das breite Angebot der Marke Mercedes-Benz kann hier gezeigt werden, was in einem traditionellen Showroom so nicht darstellbar ist. Damit wird dem Kunden in Zukunft die optimale Voraussetzung geboten, sich umfassend zu informieren. Weiterhin befindet sich im Center eine Markengalerie, in der ständig wechselnde Ausstellungen zu den Themen Sicherheitsforschung, Designentwicklung oder Motorsport stattfinden werden. Darüber hinaus gibt es einem Bereich für Accessoires, einen Pkw-Servicestützpunkt und eine exklusive Pkw-Auslieferung.

Neue Verkehrsführung entlang der Mercedesstraße

Bereits seit Anfang dieses Jahres herrscht entlang der Mercedesstraße in Stuttgart-Bad Cannstatt reger Baubetrieb. Die vorbereitenden Maßnahmen wurden pünktlich abgeschlossen, sodass Anfang Mai mit den eigentlichen Arbeiten zur Verbesserung der Verkehrssituation begonnen werden konnte. Im weiteren Umfeld des Haupttors des Werks in Stuttgart-Bad Cannstatt entsteht eine komplett umgestaltete Verkehrsführung, welche die derzeitigen Verkehrsflüsse neu organisiert. Der Zugang zum Werk Untertürkheim wird durch eine vorgelagerte Besucheranmeldung und durch einen vorgezogenen Kreisverkehr neu gestaltet und damit deutlich aufgewertet. Der Martin-Schrenk-Weg, der zwischen der Hochstraße und dem Werkgelände verlief, wurde vor die Hochstraße B14 verlegt. Diese wurde darüber hinaus mit zwei Parkhäusern unterbaut, die mit mehr als 900 Plätzen genügend neue Stellfläche für Besucher bieten. Da bereits während der Planungsphase darauf geachtet wurde, die notwendigen Bauarbeiten für die Anwohner und den laufenden Verkehr so störungsfrei und zügig wie möglich zu gestalten, wird dieser erste Bauabschnitt bereits im Oktober dieses Jahres abgeschlossen sein.

Stuttgarter Nachrichten vom 17.2.2004

Mercedes-Benz-Museum wächst

Komplizierte Architektur lässt Ingenieure schwitzen -
Erster Meilenstein im März


Für die Baustellentour der Stuttgart-Marketing GmbH gibt das Gelände des neuen Mercedes-Benz-Museums im Moment noch nicht allzu viel her. Für den Bauherrn, die Architekten und die beteiligten Bauunternehmen aber ist das hypermoderne Gebäude von Anfang an die größtmögliche Herausforderung.

VON ALEXIA ANGELOPOULOU

Schon der Beginn der Bauarbeiten hatte es in sich. Spezialisten für Kampfmittelsondierung mussten das Gelände nach Blindgängern durchforsten, weil das nebenan gelegene Mercedes-Werk Untertürkheim im Zweiten Weltkrieg als wichtiges Ziel der Kampfflieger galt. Die Tatsache, dass die Fläche nach dem Krieg zunächst als Mülldeponie genutzt wurde, machte den Kampfmittelmeistern die Arbeit nicht leichter: Etliche Male legten sie unter höchsten Vorsichtsmaßnahmen verrostete Heizkörper und Blecheimer frei, die bei den Metallsonden Alarm ausgelöst hatten.

Dann aber konnte es losgehen. Zunächst wurden rund 1000 Betonpfähle in den Boden unter dem künftigen Museum gesetzt. "Ein normales Fundament könnte den Bau nicht tragen", erklärt Hugo Daiber, Geschäftsführer der DaimlerChrysler Immobilien GmbH. Weitere 3000 Pfähle werden später als Fundament für die angrenzende Mercedes-Benz-Welt und das Mercedes-Benz-Center dienen. "Wie Venedig", sagt Daiber - nur dass das Vorhaben nicht über Jahrhunderte wächst, sondern rechtzeitig zur WM 2006 fertig sein soll.

Die Pfähle sind dabei das geringste Problem. Nun da sie gesetzt sind, dreht sich alles um den so genannten Twist, der wohl bald in den Stuttgarter Sprachgebrauch übergehen wird. Der Twist, englisch für Spirale oder auch Verdrehung, ist die Grundform für jene Betonelemente, aus denen sich später die imposante Architektur des Mercedes-Benz-Museums zusammenfügen wird: Das Gebäude ist einer Doppelhelix nachgebildet, und die hat bekanntlich keine Ecken und Kanten, sondern besteht aus zwei elegant umeinander schlängelnden Spiralen.

Statt also einfach Ziegel im Kreis zu stapeln, konstruieren die Bauarbeiter derzeit eine riesige Schale. Wie eine Kuchenform ist sie der negative Abdruck eines Twists und wird später mit Beton ausgefüllt. Allerdings handelt es sich bei der ersten Schale um einen Testlauf. Während ein vollständiger Twist später aussieht wie eine 90 Meter lange, geschwungene Brücke, wird in der ersten Schalung lediglich ein acht Meter langes Teilstück gefertigt. Anhand dieses Musters können die Ingenieure erkennen, welche Schwierigkeiten die Konstruktion birgt und wie sie sich verhält. Zwar wurden alle Berechnungen bereits mit speziellen 3-D-Programmen durchgeführt, doch die Umsetzung ist eine andere Sache. "Es ist ein teurer Testlauf, aber absolut nötig", sagt Hugo Daiber - das Teilstück findet später keine Verwendung, sondern wird nach den Tests entsorgt.

Auf den ersten Twist-Teil, der im März fertig gestellt werden soll, warten alle Beteiligten mit Spannung. Und wenn das geschwungene Gebäude dann endlich in die Höhe wächst, lassen bestimmt auch die Busse voller Baustellentouristen nicht lange auf sich warten.

17.02.2004

Aus sueddeutsche.de 07.02.2004

Neues Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart

Die Zeit, in der sie lebten

Auf 17 000 Quadratmetern spiralförmig angelegter Ausstellungsfläche werden von 2006 an nicht nur die Wunderjahre des Automobils nacherzählt

Die jüngste Spur führt in die Türkei. Dort soll er irgendwann gestrandet sein, der Mannschaftsbus, mit dem die deutsche Fußballelf von 1974 der Weltmeisterschaft entgegenfuhr. Natürlich trägt er nicht mehr die zweifarbige WM-Lackierung mit den Weltmeisterschafts-Maskottchen Tipp und Tapp an den Flanken, die Vollrestaurierung steht also noch ins Haus, aber wenn alles klappt, dann parkt er zum Beginn der Fußball-WM 2006 in direkter Nachbarschaft zum Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion. Nur wenige Schritte entfernt, in der Mercedesstraße 100, direkt gegenüber dem Haupttor des Daimler-Chrysler-Werks Untertürkheim: Dort wird pünktlich zum Anpfiff das neue Mercedes-Benz-Museum entstanden sein.

Vor 80 Jahren schon richteten die Stuttgarter ihre erste öffentliche Ruhmeshalle ein, das letzte Museums-Update stammt von 1986. In zwei Jahren will man nun das nächste Kapitel aufschlagen: Auf 17 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll die Firmen-Historie bis in die Neuzeit zu sehen sein. Im Baustellen-Stadium befindet sich nicht nur das Museum selbst, auch an der Exponatenliste feilt das Team um Projektleiter Max-Gerrit von Pein noch. Ein schwarzes, original erhaltenes Mercedes-Taxi aus den 50ern soll beispielsweise zu den 180 Ausstellungsstücken gehören. „Es fehlt uns noch“, sagt von Pein. Andere Fahrzeuge stehen bereits im Fundus, ein 500 SL aus dem Jahr 1989 etwa, wenig gelaufen und aus erster Hand. Lady Di hat ihn persönlich chauffiert. Wahrscheinlich wird er im selben Stockwerk ausgestellt wie der einstmals päpstliche Mercedes-Benz 600 mit dem Kennzeichen SCV-1. Auch Nutzfahrzeuge ziehen in die Stern-Walhalla ein, zudem schreiben die Museumsplaner ihre Geschichte bis in die Gegenwart fort: Das Sortiment des derzeitigen Firmenmuseums, fast unverändert seit dem 100. Automobil-Geburtstag im Jahr 1986, tröpfelt auf dem Stand der Mittfünfziger aus.

neues AutomuseumNeben den Heckflossen-Typen der frühen 60er wird mit dem sachlichen /8 auch der erste Mercedes-Millionenseller in die neue Ausstellung einziehen. Und weil sich Automobil- Euphoriker am liebsten an die Modelle der eigenen Jugend erinnern, darf sich die Playstation-Generation in den schrägen Lacktönen der späten 70er Jahre spiegeln: Auch ein W 123, wie er vor 15 Jahren noch in jedem Besserverdiener-Wohngebiet parkte, ist mittlerweile ein Markstein der Mercedes-Geschichte.

Zum ersten Mal will Mercedes-Benz nicht nur die eigenen Automobile zeigen, sondern auch typische Accessoires jener Zeit, in der sie lebten: Die Firmengeschichte wird sich in so genannten Mythos-Räumen entfalten, mit der authentischen Inszenierung von Schlüsselszenen der jeweiligen Epoche. Der Begriff „Wunderjahre“ zählt zu den Arbeitstiteln – dazu passt das Wunder von Bern ebenso wie Ludwig Erhard mit seinem Credo „Wohlstand für alle“, und ein Flügeltürer harmoniert mit dem Ponton-Mercedes, jenem Erfolgsmodell der 50er, mit dem der Luxus-Hersteller zum Massenproduzenten avancierte.

Sensibel geführtes Kunstlicht soll auf den sieben Mythos-Ebenen dafür sorgen, dass jeder Schimmer der Gegenwart draußen bleibt und „wir allen Sinnen entsprechen können“, wie Max-Gerrit von Pein sagt. Auf ausgedehnten Studienreisen haben die Museums-Planer bereits vom Gefühl des Atmosphärischen gekostet: Ein Besuch im Rock-Museum von Seattle (von Pein: „Das Beste, was es in diesem Bereich gibt“) gehörte ebenso dazu wie eine Visite von Disney World in Florida. Vor allem aber haben sich die Mercedes-Planer mit Hans-Günter Merz, der seinen Vornamen aus Prinzip mit den Buchstaben HG angibt, einen Großmeister der Ausstellungskonzeption gesichert. Merz plante schon das Innenleben des heutigen Museums, aber auch das Jüdische Museum im KZ Sachsenhausen und das Friedrichshafener Zeppelin-Museum. Emotion und Reduktion schließen sich in seiner Arbeit ebenso wenig aus wie die Lust am herzhaften Statement: „Geschmacksverstärker soll man nur dann anwenden, wenn die Zutaten kaum Eigengeschmack haben.“ Punkt. Das, was er gerne als „visuelle Gerümpeltotale“ geißelt, wird sich in Untertürkheim also nicht auftun.

Stattdessen plant er fünf zusätzliche, sachlich gegliederte Ausstellungszonen, die sich der Chronologie entziehen und die Phantasie der Betrachter auf eigene Weise beschleunigen sollen: Die Sammlung von 40 Epoche machenden Renn- und Rekordfahrzeugen wird hier ebenso zu sehen sein wie Fahrzeuge aus prominentem Vorbesitz – der Diana-SL, auch Konrad Adenauers 300er – oder die „Galerie der schnellen Hilfe“, zu deren Einfahrtsberechtigung die blaue oder gelbe Rundumleuchte auf dem Dach zählt. Und unter dem Titel „Mercedes-Benz in aller Welt“ will der Hersteller dem Konzept des musealen Topzustands entsagen und stattdessen den rauen Charme der Patina konservieren: „Einem original erhaltenen Nutzfahrzeug, das 40 Jahre orientalischen Straßen-Alltag hinter sich hat, wollen wir seine Gebrauchsspuren nicht nehmen“, sagt von Pein.

Es werden also Skulpturen der besonderen Art sein, denen der holländische Architekt Ben van Berkel eine bauliche Heimat geben will. Der Mann aus Rotterdam und sein Team sind vor allem durch ihre Kunstmuseen berühmt geworden, deren Architektur sie fast ausschließlich am Computer entwerfen. Daher kommt der Name ihres Büros, UN-Studio für United Networks, und auch ihre Passion für präzise, organisierte Bewegungsabläufe: Als van Berkel etwa das Wohnhaus eines Künstlerehepaars im holländischen Naarden plante, organisierte er die Wohn- und Arbeitsräume anhand von Bewegungsdiagrammen der künftigen Bewohner. Die Endlosschleife nach Vorbild des mathematischen Möbius-Bandes war das Ergebnis.

Seine Stuttgarter Pläne sehen ähnlich aus und erinnern in ihrem Layout an die Spiralidee des Guggenheim-Museums. Die Museumsbesucher inmitten stillstehender Exponate für den Charme der Bewegung zu sensibilsieren, das gehört zu den hintersinnigen Gedanken des Meisters, der das Credo „Less is more“ verachtet. „More is more“, antwortet er dann gerne. Von Frühjahr 2006 an wird es zu entdecken sein.

Christian Steiger
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Stuttgarte Zeitung vom 14.4.2004

Spannende Großbaustellen als Publikumsmagneten

Stuttgart Marketing erweitert das Angebot an Rundfahrten -
Mercedes-Museum und Daimler-Stadion als neue Ziele

Die Stuttgarter sind schaulustiger als erwartet: Mehrere tausend Interessenten haben sich in den vergangenen Monaten durch die Baustellen des Kunstmuseums, der Schwaben-Galerie und des Stadtbahntunnels führen lassen. Jetzt wird das Angebot erweitert.

Von Hildegund Oßwald

Touristikchef Klaus Lindemann ist für seinen unerschütterlichen Optimismus bekannt, beim Thema „Baustellen-Marketing" aber legt er jetzt noch mal eins drauf. „Die Leute sind richtig begeistert, das Programm wird ganz stark angenommen", gerät er ob der
Bilanz der sechsmonatigen Probephase seines jüngsten Projekts ins Schwärmen. Mehrere tausend Interessierte haben sich bisher an den Rundfahrten und Einzelbesichtigungen beteiligt - so viele, dass die Stuttgart Marketing jetzt das Tourenprogramm um weitere interessante Routen erweitert.

Bisher war die Baustelle der Städtischen Galerie am Kleinen Schlossplatz, des neuen Kunstmuseums, der größte Publikumshit. Da demnächst der Innenausbau beginnt, findet die letzte Baustellenführung am 1. Mai statt. Von Juni an werden jedoch zwei neue Baustellenführungen angeboten, die beide das Zeug zu Publikumsmagneten haben: das Gottlieb-Daimler-Stadion, dessen Tribünen für die Fußball-WM 2006 modernisiert werden, und das neue Mercedes-Museum in Bad Cannstatt, das ebenfalls bis zur WM fertig gestellt sein wird. „Das wird das Vorzeigeobjekt der Stadt überhaupt werden", sagt Klaus Lindemann. Er rechnet damit, dass sich die Zahl der Museumsbesucher von bisher einer halben Million im Jahr mindestens verdoppeln wird.
Neues Museum
Der Rohbau des neuen Mercedes-Museums in Bad Cannstatt kann von Ende Juni an besichtigt werden.
Foto Rudel/Hass

Mit diesem und anderen Pfunden will der Touristikchef bereits in der Bauphase wuchern. Nachdem in der Pilotphase der Baustellenvermarktung sich vor allem Leute aus der Region zu den Führungen angemeldet haben, will die Stuttgart Marketing jetzt international Fachpublikum wie Ingenieure und Architekten sowie neugierige Laien dafür gewinnen. Und andere Städte schielen bereits nach Stuttgart, um ein eigenes Baustellenprogramm auf die Beine zu stellen. Beim nächsten Städteforum des Deutschen Tourismusverbandes, das demnächst in Stuttgart stattfindet, steht das Thema Baustellen-Marketing auf der Tagesordnung - der Referent heißt Klaus Lindemann.

Weitere Besichtigungen werden auf der Baustelle des B-10-Tunnels am Pragsattel angeboten, hinzu kommen in der zweiten Jahreshälfte das Haus des Sports unweit des Daimler-Stadions und die Königsbau-Passagen am Schlossplatz. Für alle, die sich weniger für eine Baustelle im Detail, sondern für die großen Baustellen in der Stadt insgesamt interessieren, wurden die bisherigen Baustellenrundfahrten neu konzipiert. Sie konzentrieren sich jetzt auf eine Nordroute und eine Südroute, die jeden Samstag im Wechsel angefahren werden.

Außerdem gibt es jetzt regelmäßig gebündelte Informationen über den aktuellen Stand der großen Baustellen der Stadt in der dicken Broschüre „Stuttgart baut". „Wir hatten immer wieder Nachfragen nach gedrucktem Informationsmaterial über den Internetauftritt hinaus, jetzt bieten wir alle zwei, drei Monate eine neue Ausgabe an", sagt Lindemann. Finanziert werde die im Rathaus und im i-Punkt kostenlos verteilte Broschüre über Werbeeinnahmen.

Das Tourenprogramm

Immer wieder samstags lädt die Stuttgart Marketing zur Baustellenführung. Einzelbesichtigungen finden von 14 bis 16 Uhr statt und kosten sechs Euro (ermäßigt drei Euro); Baustellenrundfahrten dauern eine Stunde länger und kosten 17 Euro (ermäßigt 13,50 Euro oder 8,50 Euro für Kinder bis zwölf Jahre). Info und Reservierung unter Telefon 22 28-0, Fax 22 28-253.


Baustellenrundfahrten: jeden Samstag.

Im Internet sind Fotos der imposanten Baustelle zu finden:

Straße in Bad Cannstatt nach Mercedes Jellinek benannt

Der Erste Bürgermeister der Landeshauptstadt, Michael Föll, hat am Donnerstag, 15. April, in Bad Cannstatt die Ringstraße um das Gelände der "Mercedes-Benz-Welt" gemeinsam mit Professor Jürgen Hubbert, Mitglied des Vorstands der DaimlerChrysler AG, eingeweiht, die jetzt Mercedes-Jellinek-Straße heißt.

Nach ihrem Vornamen wurde vor rund 100 Jahren das erste moderne Auto benannt.

Mercedes

EmilDer Verwaltungsausschuss hat der Straßen- benennung bereits im Oktober vergangenen Jahres zugestimmt. Die Ringstraße führt um das Gelände der "Mercedes-Benz-Welt", auf dem künftig das neue Mercedes-Benz-Museum und das neue Mercedes-Benz-Center stehen werden. Die Mercedes-Jellinek-Straße führt über öffentliches und privates Gebiet, letzteres ist öffentlich befahrbar.

Mercédès Jellinek wurde 1889 als Tochter des Geschäftsmann Emil Jellinek in Wien geboren und starb dort im Alter von 39 Jahren. Emil Jellinek vertrieb Daimler-Automobile und meldete sie, um den Verkauf anzukurbeln, auch bei Autorennen an. Dabei trat er unter dem Pseudonym "Monsieur Mercédès", inspiriert durch den Rufnamen seiner Tochter, in Erscheinung. Dadurch war der Vorname seiner Tochter bald bekannt.

Im April 1900 wurde "Mercedes" dann zur Produktbezeichnung für eine neue Motorform, die den Namen Daimler-Mercedes führte. Im Juni 1902 wurde "Mercedes" dann als Warenzeichen angemeldet und drei Monate später auch gesetzlich geschützt.

Mercédès Jellinek, deren Name eine der bekanntesten Automarken geprägt hat, hatte selbst nie ein Auto besessen.

15. April 2004 © Landeshauptstadt Stuttgart

Mercedes-Benz Welt eröffnet zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006

Auf dem 60.000 Quadratmeter großen Areal vor dem Werk in Stuttgart-Bad Cannstatt entsteht bis 2006 die Mercedes-Benz Welt. Am 17. September 2003 wurde der Grundstein für das Neue Mercedes-Benz Museum gelegt und im Sommer dieses Jahres fällt der Startschuss für den Neubau des Mercedes-Benz Centers Stuttgart. Rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wird dann die Eröffnung der Mercedes-Benz Welt stattfinden.

 
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