"In aller Welt isst man Haller-Schokolade
aus Obertürkeim, weil sie erstklassig ist", warb die Firma 1957
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Später mit Moser-Roth unter einem Dach
OBERTÜRKHEIM - 8.2.2007 - Stuttgarter Wochenblatt - von Tina
Bauer
Zart schmilzt die braune Masse auf der Zunge. Schokolade macht
glücklich! Demnach müssten die Stuttgarter früher die
glücklichsten Menschen gewesen sein. Stuttgart war ein Zentrum
der Schokoladenindustrie. Das größte hier ansässige
Unternehmen der Branche war die Schokoladenfabrik Moser-Roth in der
Räpplenstraße. Auch die Schweizer Firmen Tobler und Suchard
hatten in Stuttgart ihre deutsche Dependance. Älteren fallen noch
Namen wie Staengel & Ziller oder "Eszet" ein - gegründet vor
150 Jahren -, Haller, Schoko-Buck oder der Eiskonfektproduzent Friedel.
Zu den jüngsten Firmen gehört Ritter. Das Neckartal ist die
Schokoladen-Seite Stuttgarts. Süßen Lesegenuss verspricht
im dritten Teil unserer Serie auch der Blick auf Haller nach Obertürkheim.
OBERTÜRKHEIM
- "In aller Welt isst man Haller-Schokolade aus Obertürkeim, weil
sie erstklassig ist", warb die Firma 1957. Karl Haller hatte 1921 in
gemieteten Räumen in Stuttgart eine Schokoladenherstellung gegründet.
Nachdem er einige Jahre später ein Grundstück in Obertürkheim
erwerben konnte, baute Haller 1926 in der Augsburger Straße 554
ein neues Firmengebäude (heutiges Nanz-Areal) und verlegte seinen
Betrieb dorthin.
Kakaopulver, Schokolade, Pralinen und Bonbons stellte Haller her.
In Zeiten bester Konjunktur waren 400 Mitarbeiter, einschließlich
90 Außendienstmitarbeiter, beschäftigt.
Während des Krieges musste auch Haller wegen Kakao- und Zuckermangels
die Produktion auf andere Dinge wie Kräutertee umstellen. Nach
dem Zweiten Weltkrieg und in den ersten Nachkriegsjahren gab es wenig
zu essen, die Bürger sammelten gerne und viel Bucheckern. Daraus
wurde in der Firma Haller Öl gepresst. Nachdem 1949 wieder Zucker
und Kakao zu haben waren, ging die Schokoladenherstellung weiter.
1948 erwarb Haller die Firma Moser-Roth. Die einst größte
Schokoladenfabrik in Stuttgart war 1942, nur ein Jahr nach deren 100.
Geburtstag, von der Reichsregierung aus politischen Gründen geschlossen
und nur ein weiteres Jahr später nach einem Luftangriff vollständig
niedergebrannt. Nach der Wiederaufnahme durch Haller schrieb dieser
sich den bekannten Namen auf die Fahnen. Seit 1948 gab es also die beiden
Firmen Karl Haller und Moser-Roth. Außerdem stellte Haller für
die Firma Chocolat-Tobler deren Schokoladensorten her.

Spektakulär und werbewirksam war die Zusammenarbeit mit der Ballonsportgruppe
Stuttgart (siehe Foto). Deren Mitglied Hugo Greiner, einem bekannten
Stuttgart Gastronom, war es gelungen, Karl Haller dafür zu begeistern,
einen Ballon zu stiften. Immerhin kostete dieser damals rund 20 000
Mark.
Der 17. Mai 1953 war der große Tag: der erste Ballon der
Ballonsportgruppe Stuttgart wurde im Hof der Ruine des Neuen Schlosses
vom Ersten Bürgermeister Hirn auf den Namen D-Haller getauft. D-Haller
war der siebte Ballon, der in der Bundesrepublik zugelassen werden konnte.
Karl Haller starb 1958. Nach seinem Tod führte zunächst seine
Frau, ab 1960 die Melitta-Gruppe die Firma Haller weiter. 1967 jedoch
wird die Produktion eingestellt.
Auch Moser-Roth muss gegen Ende der 1960er Jahre aufgeben.
Danach wurde die Marke Moser-Roth von verschiedenen Firmen auf- und
weiterverkauft, zuletzt an Storck. Sie verschwand in der Versenkung,
bis Storck die Marke für den Discounter Aldi wieder hervor holte.
tb