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1. Vom armen Hirtenknaben zum malenden Millionär

2. Maler Mali - vom Waisenknaben zum Millionär

RaffStuttgarter Zeitung, 13.01.2005

Gerhard Raff: Vom armen Hirtenknaben zum malenden Millionär
Unser Kolumnist erinnert heute an den Tiermaler Anton Braith. Der erfolgreiche und angesehene Künstler ist vor 100 Jahren in seine Vaterstadt Biberach an der Riß gestorben.

Seine Leut send bettelarm gwä, aber kenderreich, der Taglöhner Anton Braith (1799 bis 1881) ond sei Weib Maria Anna, geborene Härle (1805 bis 1880), ond dui hat am 2. September 1836 en Biberach den kleine Anton uff d'Welt bracht. Ond der "entfaltete sein Zeichentalent schon als Kind beim Viehhüten''. Ond er fällt dem Genremaler Johann Baptist Pflug (1785 bis 1866) uff, ond der fördert des jonge Talent ond schickt ihn scho mit fuffzehn uff dui Kunstakademie en Stuegert zu dem Professer Heinrich Franz Gaudenz von Rustige (1810 bis 1900). Ond vor lauter Honger bricht'r ame scheene Tag vorem Marstall zamme, ond no hat ihm dui Keenigin Olga aus Mitleid a Bild teuer abkauft, ond er hat für a Weile ausgsorgt ghet.

Ond mit fenfazwanzich Johr goht'r uff dui Münchner Akademie zu dem seinerzeit ganz berühmte Professer Karl Theodor von Piloty (1826 bis 1886) ond malt Seite an Seite mit dem seine andre Lehrleng: Franz von Defregger (1835 bis 1921), Franz von Lenbach (1836 bis 1904), Hans Makart (1840 bis 1884). Ond er spezialisiert sich uff dui Tiermalerei, malt hauptsächlich Schäfle ond Küeh ond schiebt für seine Bilder uff dene Internationale Kunst- ond Weltausstellunge oi Goldmedallje om de ander ei ond hat damit so en Erfolg, dass'r sich anno 1870 zamme mit seim ("von einer schwäbischen Mutter in Holland geborenen'') Freund Christian Mali (1832 bis 1906) en dr Nähe von dr Theresiewies en dr Landwehrstraß 46 a groß Wohn- ond Atelierhaus baue ka, dui "Schwabenburg''.

Anton BraithDui hoißt so, weil dort viele Landsleut onterkomme send ond omesonst hend wohne ond male därfe, ond au Vatter ond Muetter hat der guete ond seiner Lebtag lang bescheidene ond freundliche Kerle jetz aus Biberach nach München gholt, dass se's wenigstens uff ihre alte Täg no schee ghet hend. Ond seine Bilder hend se en Hamburg en dr Kunsthalle grad so uffghängt wie en München en dr Neue Pinakothek oder en Stuegert en dr Staatsgalerie, ond heut hanget se bis na nach Sydney ond Melbourne.

Ond er hat den Friedrichsorde kriegt vom Keenich Karl ond den Michaelsorde vom Prinzregente Luitpold, ond der bayrische Landesvater hat sogar emmer wieder amol a Bsüechle gmacht en dere "Schwabenburg'' ond a Vesper mitbracht, denn a Küche hend die zwoi "eingefleischten Junggesellen'' Braith ond Mali koine eibaut ghet, die hend ihre Lense ond Spätzle ond ihr Ripple mit Sauerkraut emmer en dr Wirtschaft gesse. Der Wittelsbacher Prinzregent hat den charmante Schwabe ond witzige Wirteberger hoch gschätzt. Von seim Selbstporträt en dr Stuegerter Staatsgalerie hat dr Anton Braith gmoint: "Wenn i a Rendviech wär, hätt i's besser nabrocht.''

Ond oft ond gern isch'r ja au verreist ond ebbes en dr Welt romkomme, London, Paris, Rom, Sizilie, Schweiz, ond am liebste nach Südtirol. Ond em Alter hat'r a Leberleide kriegt, ond da dra isch'r au gstorbe, am 3. Januar 1905 "heimgekehrt als Millionär in seine Vaterstadt Biberach, der er seinen gesamten künstlerischen Nachlaß vermachte''. Ond oi Jahr ond zehn Monat druff stirbt au sein Freund Christian Mali, ond se lieget nebrenander uff dem Biberacher Kirchhof.
Ond dui dankbare ond kunstsinnige Stadt hat ihne des wunderscheene Braith-Mali-Museum eigrichtet. Ond der Weg aus Stuegert ens Oberland rentiert sich.

Maler Mali - vom Waisenknaben zum Millionär

Stuttgarter Zeitung vom 5.10.2006
Unser Kolumnist erinnert heute an den Kunstmaler Professor Christian Mali. Er ist vor 100 Jahren in München verstorben und in Biberach beigesetzt worden.

Der wohl erfolgreichste Tiermaler des 20. Jahrhunderts ist ein gewisser Walt Disney (1901-1966) gewesen, der mit seinen bunten Enten- und Mäusebildchen ein Milliardenvermögen erwirtschaften konnte. Die bedeutendsten Tiermaler des 19. Jahrhunderts aber waren zwei schwäbische Landsleute, die es - nach Verlassen ihrer Heimat in Richtung München - mit ihren trefflich gemalten Kühen und Schafen wenigstens zu einem Millionenvermögen gebracht haben.

Der jüngere der beiden, Anton Braith (1836-1905) ist hier bereits im vergangenen Jahr vorgestellt worden („Vom armen Hirten­knaben zum malenden Millionär"). Der ältere, Christian Mali, ist am 6. Oktober 1832 in Broekhuizen bei Utrecht zur Welt gekommen als zehntes Kind des holländischen Gutsverwalters und Freizeitmalers Peter Hendricus Mali, der von 1810 bis 1824 das Hofgut Mauren am Schönbuchrand geleitet und hier seine Frau Friederike Christine Löklen, eines Kaufmanns Tochter aus Weilheim unter Teck, kennen gelernt hatte.

Mit einem Jahr bereits verliert der kleine Christian seinen Vater, die Mutter zieht dann nach Stuttgart, und mit dreizehn ist er Vollwaise und wird von einer älteren Schwester aufgenommen, die mit Pieter Francis Peters (1818-1903), dem holländischen Landschaftsmaler, Kunsthändler und Reisebegleiter der Königin Olga, verheiratet ist. Dessen Töchter Anna Peters (1843-1926) und Pietronella Peters (1848-1924) sind später durch ihre schönen Blumen- und Kinderbilder bekannt geworden.

Christian Mali erlernt ebenso wie seine Brüder Hubertus Mali (1818-1839, ertrunken in der Ahr) und Jan Cornelis Mali (1828-1865) beim Schwager die Landschaftsmalerei, vervollständigt seine Ausbildung noch mit einer Xylografenlehre in Stuttgart, und bereits mit 20 Jahren verkauft er sein erstes Ölgemälde an den kunstsinnigen König Wilhelm I. von Württemberg.

Erfolg mit Dorflandschaften

Mit 25 Jahren zieht er zu seinem Bruder Jan nach München, wo aber seine Bitte um Aufnahme an der Kunstakademie abgelehnt wird. Er findet nun in dem aus Stuttgart gebürtigen Malerkollegen Carl Ebert (1821-1885) einen väterlichen Förderer und Freund und erzielt große Erfolge mit seiner Kunst, malt Dorflandschaften aus Schwaben. Anno 1860 kommt es dann zur ersten Begeg­nung mit dem auf Tierbilder spezialisierten Landsmann Anton Braith, aus der sich eine Lebenspartnerschaft entwickeln sollte. Unter dessen Einfluss wendet sich Mali von der Landschaftsmalerei ab, und fortan werden von beiden dank reger Nachfrage „fast aus­schließlich Tierbilder wie am Fließband produziert". Sie werden durch ihre Kunst sehr populär und erzielen auf zahlreichen Internationalen und Weltausstellungen eine Goldmedaille nach der anderen und dadurch derart hohe Preise für ihre Werke, dass sie sich 1870 in der Nähe der Theresienwiese ein großes Wohn- und Atelierhaus errichten können, die „Schwabenburg", in der auch zahlreiche befreundete schwäbische Künstler kostenlos wohnen und wirken dürfen. Auch holen die beiden zeitlebens bescheiden gebliebenen großen Wohltäter Braiths bettelarme Eltern von der Riß an die Isar und vergolden ihnen den Lebensabend.

„Der große wirtschaftliche Erfolg ihrer Malerei ermöglichte es ihnen, dem Münch­ner Künstler-Unterstützungsverein ein Legat von rund 1 Million Goldmark auszusetzen" ­ eine astronomische Summe seinerzeit. Ihr Freund und Gönner Prinzregent Luitpold von Bayern kommt häufig in ihr Atelier und bringt sogar das Vesper mit, da die beiden „eingefleischten Junggesellen" normalerweise ihre Leibspeisen Linsen mit Spätzle und Ripple mit Sauerkraut im benachbarten Wirtshaus zu sich zu nehmen pflegten. Und er hat ihnen den bayrischen St.-Michaels-Orden umgehängt, ebenso wie der württembergische König den Friedrichsorden. 1889 wird Mali, der Professorentitel verliehen, ein Jahr später auch seinem Freund Braith.

Der ist am 3.Januar 1905 an einem Leberleiden gestorben, „heimgekehrt als Millionär in seine Vaterstadt Biberach, der er seinen gesamten künstlerischen Nachlass vermachte." Am 2. September 1906 wird dort das Braith-Museum eröffnet, und vier Wochen später, am 1. Oktober stirbt in der Münchner Schwabenburg Christian Mali, mittlerweile Ehrenbürger von Weilheim unter Teck (1902) und Biberach (1905), und wird an der Seite des Freundes auf dem Biberacher Stadtfriedhof beigesetzt.

Ein Kulturdenkmal ersten Ranges

Auch er hat seinen Nachlass der alten Reichsstadt gestiftet, die dann 1910 das höchst sehenswerte Braith-Mali-Museum eröffnet. „Heute sind diese Braith-Mali-Salons die einzigen vollständig erhaltenen Künstlerateliers des 19. Jahrhunderts, ein Kulturdenkmal ersten Ranges." Zu sehen - außer montags - im Hospital zum Heiligen Geist.

Beider Bilder hängen auch heute noch in Museen in aller Welt. Neuerdings allerdings bringt die mit Disneys Mäusebildchen groß gewordene Erbengeneration die kostbare Zimmerdekoration ihrer betuchten Altvorderen massenhaft auf den Markt, und nach Auskunft von Kunstsammlern kann man die einst so teuer gehandelten Braith-Mali-Tiere, nun zu Schnäppchenpreisen erstehen.


Christian Mali hat als Tiermaler höchsten Ruhm erworben.

Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Christian_mali.jpg

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