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Stuttgarter Wochenblatt 8.1.2004

Eine Reise in die Vergangenheit

Obersteinach war im Krieg zweite Heimat für Rotenberger Schüler

ROTENBERG - "An einem düsteren und frostigen Novembertag des Jahres 1943 wanderte ein Hirte mit seinen 50 Schäfchen von Rotenberg ins hohenlohische Obersteinach aus." So ähnlich schrieb der ehemalige Rotenberger Lehrer, Gottlieb Kill am 26. November 1953 in einem Zeitungsbericht zum 10. Jahrestag der Umquartierung von Rotenberger Schülern.

Bomben über Rotenberg

Obersteinach
Obersteinach

Das waren die Klassen 1 bis 8 der damaligen Dorfschule. Die Eltern dieser Schüler nahmen mit gemischten Gefühlen das Angebot an, Ihre Kinder an einen sichereren Ort, der Ihnen unbekannt
war, zu verlagern. Diese Entscheidung erwies sich aber schon am Abend des Abreisetages als richtig, da Rotenberg durch einen Bombenangriff schwer getroffen wurde.

Die Kinder sind damals bei verschiedenen Familien und Gasteltern in Obersteinach und Umgebung untergekommen.

Dort sind sie dann zur Schule gegangen und haben ein neues Zuhause gefunden. Sie fühlten sich sicher und menschlich geborgen, so dass für viele Kinder das bittere Heimweh fernab vom Elternhaus gemildert oder sogar verdrängt wurde. Für immerhin 18 Monate wurde der Ort ihre zweite Heimat.

Als Zeichen dankbarer Erinnerung finden deshalb seit Kriegsende immer wieder gegenseitige Besuche statt. So werden die Rotenberger immer zum Obersteinacher Heimatfest, das alle zehn Jahre stattfindet, eingeladen. Nicht zuletzt, weil einige der damals Betroffenen heute im Männerchor des TGV Rotenberg singen, hat sich zwischen den Chören von Obersteinbach und Rotenberg eine Partnerschaft entwickelt, die bis heute von beiden Seiten treu gepflegt wird. Leider konnten die Rotenberger am diesjährigen Heimatfest im Mai nicht teilnehmen.

Deshalb wurde beschlossen, in der Adventszeit einen "erweiterten Sängerausflug" zu unternehmen - fast zum 60. Jahrestag der Verlagerung.

Am 3. Advent begann die Fahrt in Richtung Ilshofen für die 55 Personen um 7.30 Uhr. Eingeladen waren außer dem Chor alle, die sich mit Obersteinach verbunden fühlen.

Schon bei der Einfahrt in das hohenlohische Dorf wurden die ersten Erinnerungen an damalige Ereignisse wach. Häuser und Gehöfte wurden wiedererkannt genauso wie die Schule und die Kirche. Die erste Station nach der Ankunft war ein Erinnerungsgottesdienst in der Kirche, in der einige der Rotenberger Kinder damals konfirmiert wurden.

Hier war auch das erste Zusammentreffen mit den ehemaligen Schulkameradinnen und Schulkameraden. Den Gottesdienst gestaltete der Chor mit einigen geistlichen Liedern unter der Leitung von Vizedirigent Rainer Berner mit. In seiner Ansprache verstand es Hermann Berner als direkt Betroffener, auch Außenstehenden gut die Gefühle und Ängste der Kinder von damals zu vermitteln. Dankbar hob er die freundschaftliche Beziehung über Generationen hinweg als fast schon einmalig heraus. Auch Walter Stepper, einer der Organisa-toren in Obersteinach, beschrieb einige Situationen, die manche Schicksalsgemeinschaft entstehen ließen, die bis heute Bestand hat.

Nach einem Mittagessen wurden bei einem Spaziergang durch Obersteinach die Zufluchtstätten von 1943 in Augenschein genommen. Dabei wurden Erlebnisse und Eindrücke von damals ausgetauscht.

Der rege Austausch wurde auch beim darauf folgenden Gemeindenachmittag weitergeführt. Dieser wurde, passend zum 3. Advent, mit weihnachtlichen Weisen von den Obersteinacher Landfrauen, dem Posaunenchor und dem gemischten Chor des Liederkranzes Obersteinach gestaltet.

Auch die Rotenberger Sänger ließen es sich natürlich nicht nehmen, ihren Beitrag mit einzubringen. Ein nicht alltägliches Krippenspiel der Obersteinacher Jugend rundete den festlichen Nachmittag ab. So konnte, gut gestärkt, die Heimreise an-getreten werden.

Dieses Treffen war wieder ein Meilenstein in der freundschaftlichen Verbundenheit dieser beiden Orte. Die meisten Teilnehmer werden mit großer Freude an diesen schönen Nachmittag zurückdenken.
Ulrich Krämer
08.01.2004

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