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Aus Stuttgarter Zeitung vom 10.12.2003

Rulaman und die alte Parre begeistern wieder die Kinder

Ausstellung um den Roman David Friedrich Weinlands beschert dem Biberacher Braith-Mali-Museum Besucherrekorde

Rulaman, der steinzeitlichen Heldenfigur des schwäbischen Autors David Friedrich Weinland, ist eine Ausstellung im Biberacher Braith-Mali-Museum gewidmet. Kinder und Jugendliche sind begeistert von dieser Art der Geschichtsunterrichts.

Von Rüdiger Bäßler

Weinland und seinen Rulaman kennen Kinder heutzutage kaum noch. Das war früher anders, vor allem unter Bewohnern der Schwäbischen Alb, von denen schon mal spöttisch behauptet wurde, sie wüssten nur von drei Büchern zu berichten: der Bibel, dem Sparbuch und eben Rulaman. Es ist ja auch einige Zeit vergangen seit Erscheinen der ersten Ausgabe im Jahr 1878, also vor genau 125 Jahren. Heute wird Weinlands Buch gern „der Harry Potter des 19. Jahrhunderts" genannt, aber deswegen ist es trotzdem längst kein Bestseller der Jugendliteratur mehr. Umso erstaunlicher, dass die Biberacher Ausstellung seit der Eröffnung vor gut vier Wochen einen Zulauf erfährt, wie ihn sich niemand vorgestellt hat. „Wir werden gestürmt", sagt der Museumsleiter Frank Brunecker. Gestürmt vor allem von Schulklassen unter Anführung begeisterter Lehrer, die sich im Gegensatz zu vielen ihrer Schüler in allen Einzelheiten an die Abenteuer des Jungen im Rentiergewand erinnern. Mehr als 3500 Besucher sind bisher gekommen, schon jetzt lasse sich absehen, so Brunecker, dass dies „die erfolgreichste Sonderausstellung wird, die in der hundertjährigen Geschichte des Biberacher Museums je gemacht wurde". Bis zu ihrem Ende am 22. Februar kommenden Jahres sind alle Termine für Gruppenführungen ausgebucht.

Ihre Anziehungskraft unter Kindern gewinnt die Schau indes nicht etwa durch die Kraft des in besonderer Weise präsentierten gedruckten Wortes, sondern durch Totenschädel aus der Eiszeit, malerisch nachgebildete Figuren aus dem Rulaman oder das vom Aufsichtspersonal kontrollierte - Spiel mit dem Feuer. Im Hof des Museums dürfen Kinder versuchen, auf steinzeitliche Weise Brennmaterial zum Glimmen zu bringen. Direkt im Ausstellungsraum lässt etwa die Museumspädagogin Charlotte Mayenberger Schulkinder aus Rehknochen einen „Pfriem" schnitzen. Mit so einem spitzen Keil haben die Steinzeitmenschen vor mehr als 30000 Jahren Löcher im Leder vorgestanzt, um danach die Kleidung mit Knochennadeln leichter zusammennähen zu können. Selbst schwer erziehbare Kinder sind bei dieser Art des anderen Unterrichts begeistert dabei. Ob man den Rulaman-Roman kennt, der in den Höhlen, an den Seen und Flüssen der Schwäbischen Alb spielt, ist deswegen auch gar nicht so wichtig. Er dient ja eigentlich nur als Vehikel für anschauliche und deswegen faszinierende Geschichtskunde. In einem Film, der in der Ausstellung läuft, ist beispielsweise zu sehen, wie Experimentalarchäologen mit Stein- und Knochenwerkzeugen einen Elch zerlegen. Eine blutige Sache ist das. Aber Museumschef Brunecker hat auch den Anspruch, Verklärungen im Romantext rechtzurücken. „Es fehlt im Buch an Blut, Schweiß und Tränen. Das ist einer unserer Kritikpunkte", sagt er. Ein anderer sind die rassischen Bezüge Weinlands, des Darwinisten, der die Stämme der „Kalats" und der „Aimats" in ihrem Vernichtungskampf gegeneinander als Untermenschen darstellt. „Das Buch kann man der Jugend heute nicht mehr unkommentiert anbieten", glaubt Brunecker.


Sie tut ja nix: Bei der alten Parre, der Furcht einflößenden Großmutter Rulamans,
schauen die jüngeren Besucher genauer hin. Foto Kloos-Wahl


Der stumme Star der Ausstellung ist dennoch eine lebensgroße Figurine aus der Romanvorlage. Es ist die „alte Parre", eine Schamanin mit stechendem, finsterem Blick, schlohweißen Haaren, die bis fast auf den Boden reichen, einem umgehängten weißen Wolfsfell und einem Knotenstock in der runzeligen Hand. Mit großen Augen stehen die Kinder in Biberach vor der Figur, deren unheimliche Wirkung durch gezielte Beleuchtung, durch das Spiel von Hell und Dunkel noch verstärkt wird. Dass die Menschen der Steinzeit Riten ausgeführt und sich teilweise gezielt in Trance versetzt haben, darüber klärt die Ausstellung ebenfalls auf. Allerdings sind kleinere Kinder beim Anblick der „Parre" schon weinend aus dem Museumsgebäude gelaufen, sagt Brunecker bedauernd. Ein gewisses Alter empfiehlt sich also für die Heranführung an die Biberacher Ausstellung. Das Leben in der Steinzeit mit seinen rohen Gebräuchen ist dann doch nichts für allzu zarte Seelen.

„Rulaman", Braith-Mali-Museum Biberach, noch bis 22. Februar 2004.

Öffnungszeit dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr,
donnerstags bis 20, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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