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Lexfidé von Michael Greiner
Gedichte zu Nicknamen in Württemberg

Lexfidé

Witz und Scherz
Erfreut das Menschenherz

1. Bärenhenker (siehe Kuckuckschlegel 21)        Seite
2. Börtaverköckler (Bondorf bei Horb) ............... 17
3. Büschelesbah' (Ehningen).............................. 18
4. Brockafresser (Heilbronn) ............................. 20
5. Eggaschiasser (Lauffen am Neckar) ............... 21
6. Feuerwehr (Frankenbach).............................. 22
7. Glockadreher (Plieningen).............................. 25
8. Grabstoiverkitscher (Freudental)..................... 26
9. Hamballe (Oehringen).....................................28
10. Hasaropfer (Löchgau, Ilsfeld)........................ 31
11. Heilandstehler (Gablenberg).......................... 33
12. Hiischhännla (Reutlingen).............................. 35
13. Hommelhenker (Degerloch)........................... 37
14. Hooraffa (Crailsheim).................................... 40
15. Kälblesfärber (Meßstetten)............................. 43
16. Käsreiter (Sindelfingen)................................. 45
17. Knausbiira (Hedelfingen)................................ 46
18. Krialeshenker (Stockheim)............................. 47
19. Kropfer (Horb/Wildberg)................................ 49
20. Kuckuck (Botnang und Haiterbach) ................ 56
21. Kuckuckschlegel (Unterriexingen)................... 58
22. Kuttelfresser (Dürrmettstetten) ..................... 60
23. Lexfidé (Markgröningen)................................ 61
24. Lecksfidle (Schwäbisch Hall)........................... 63
25. Maiakäfer (Fellbach, Nürtingen und Owen) ...... 65
26. Mohrawäscher.(Degerloch)............................ 70
27. Mondlöscher (Bad Cannstatt) ........................ 74
28. Schnecken (Berkheim).................................. 78
29. Sonnagraber (Fleinheim)............................... 79
30. Spartaner (Schorndorf) ................................ 83
31. Spatzafärber (Zuffenhausen)......................... 85
32. Speidel (Korb) ............................................. 87
33. Stäffelesrutscher (Stuttgart) ......................... 91
34. Stegstrecker (Biberach/Heilbronn)................. 94
35. Storchastupfer (Untertürkheim).............97
36. Storchatreiber (Grünmettstetten).......... 99
37. Strompfbändelschiaßer (Nagold)................... 102
38. Talkrabba (Feuerbach) ................................ 104
39. Ulmer Spatz ............................................... 105
40. Wakamba (Gaisburg/Stuttgart) .................... 109
41. Zigeuner (Stuttgart-Wangen)........................ 116
42. Zirkusgaigler (Waiblingen)............................ 117

Humor aus dem Oberland
43. Evangeleasiader (Altheim)............................ 121
44. Kuahreiter (Wiblingen)................................. 123
45. Ratta. (Oepfingen)....................................... 124
46. Storchaspritzer (Ravensburg)....................... 126
47. Vergelltsgodd (Gebrazhofen)........................ 128

35. Storchastupfer
(Seite 97 - Untertürkheim)

Stadtkirche Untertürkheim

Storchastupfer

Vor vielen Jahren baute sich in Untertürkheim ein Storchenpaar sein Nest auf das etwas sehr niedere Dach der dortigen Kirche.

An einem schönen Tag lag das Storchennest im Straßenkandel vordem es von bösen Buben mit einer Stange herabgestupft worden war.

Ein lustiger Untertürkheimer hat diesen Lausbubenstreich in folgenden Versen verewigt:

A Storchapäärle liab on-traut
Hat mol sei Nescht uffs Kirchdach baut,
Älles hot a Freud dra ghet
Blos faif so baise Buaba net.

Mit Stoiner schmeisa hot koin Zopf,
Schreit em Biirafritz sei Tropf.
I spreng gschwend hoim ond hol a Stanga
No werra mer dia Störch scho fanga!

Vor Freud sen-se om d'Kirch rom ghupft
Hant noch'm Storchaneschtle g'stupft.
Wia oiner schreit: „Etz hosch da Seega!"
Isch 's Schtorchanescht em Kandel glega.

36. Storchatreiber
(Seite 99 - Grünmettstetten, Stadtteil von Horb am Neckar)
Storchatreiber

Storchatreiber

Herr „Ade" ond Frau „Adebar"
A bluatjongs Storchabäärle,
Dees suacht se uf ra Wiesa gar

En Bauplatz — o herrjehrle!
Juscht holten sie am Waldesrand
Mengs Reis on-dürre Stecka,
Schochets schöa no uffanand
Ond laont se d'Frösch guat schmecka.

Em Meeza war es, G'schpaß beiseit!
Nachzg ao no zemmle gfroara.
Fürs Baua do wars höckschte Zeit
Denn d'r Storch isch Vaader woara!

War dees a Freud em Storchahaus!
A Kuglfuahr — Geklapper,
Bsüachla gänget ei — ond aus
D'schwaaz Katz dui stand'n z'Gvatter!

On d'Grasmuck' uff'm Holderstrauch
Dui sang a Wiagaliadle,
's flenk Oachhä'nnle em weise Bauch
Dees wedlet mit seim Rüadle.

Sogar d'r schlaue Fuchs ruckt aa
D'r Staar, manch wilda Ent'
Schiar schwappleg wurds em Storchama'
Ehn daula blos sei Kend'.

Em Weiher neabrem Tannawald
(Sell isch bi Godd d'r Wert,)
Gean dauset Fröschla — jong ond alt,
A vüürheahms Froschkonzert!

Doch so a Schmoichla ond krattliera
Des hähleng he-ond heargetrapp,
Sell goh-d'r Ke'bettre of d'Niara
Ao 's Kräachzga von dem schwaa'za Krabb.

Wia d'Störche sich so Sorga mecht,
Wurdser uf oiml z'hoiß,
Se looset grad wia oiner secht:
„Keiats naus dies Voglgschmoiß!"

„Ui giine gao fürs Gras vertrappa
Ond soo mei Wies z'vrsaua,
So schreit oir mit ra Dächleskappa
Ond fuchtlet mit ra Haua!"

Alles stuibt ez ussanand,
Ond laon — de Jonge hocka,
Mit ra Tragbäahr rucket aa zwea Mann d
Om d'Störch zor Wies naus z'locka!

Als s'Storchaneschtle uf'm Schraga
on — d'sPlätzle wieder leer;
Do war dromm rom d'r g'machte Schada
Viel ärger no wia sei-d'rhear!

Wie die Untertürkheimer zu ihrem Spitznamen “Die Storchen” kamen
Wieder einmal war es soweit, im Neckartal hatte das Frühjahr längst Einzug gehalten und mit ihm die schwarz/weiß gefiederten Freunde, die die kalte Jahreszeit im fernen Afrika verbrachten und dort wohl wärmere Temperaturen genießen konnten, als die hiesigen Bürger, die den letzten Winter, der immerhin nahezu 35 Minusgrad mit sich brachte, noch in den Knochen spürten.

Die Neckarauen hatten bereits ihr grünes Kleid angelegt und das Gras spross genüsslich vor sich hin! Viel- versprechend für die Gemeinde, denn die Auen lieferten neben den fetten Fröschen und Kröten für die Störche, vor allem das frische Futter für den örtlichen Viehbestand - und das war gut so. Doch in diesem Jahr, sicherlich gingen bereits schon einige Sitzungen voraus, stellte der Ortsdiener in einem Antrag, die Neckarauen und seine dortigen Beobachtungen mit den ungezogenen Störchen, auf die Gemeinderats- sitzungstagesordnung zu bringen. Dem Wunsch wurde einstimmig und unverzüglich entsprochen.

Nachdem der Antragsteller seine Argumente vorgetragen hatte, war man sich darüber einig, dass das Thema sehr brisant ist und und es nötig sein wird, eine Sondersitzung einzuberufen. Zuvor wurde jedoch noch eine Ortsbesichtigung anberaumt, die dann angeblich für den Schultes, das Gemeindegremium und alle Beteiligten im wahrsten Sinne des Wortes, sehr feucht verlief.

Ein ganzes Geschwader umkreiste am Tage X, schnabelklappernd und flügelschlagend das Besichtigungskomitee und oftmals verdunkelte sich sogar der Horizont, sodass die frühsommerlichen Sonnenstrahlen kein durchkommen mehr fanden und eine fröstelnde Stimmung aufkam.

Der Befund war eindeutig, die Anklage des Ortsdieners: „En de Neckarauâ verdramplât d' Störch s'ganze Gras, koi Hälmle kô me wachsâ", fand seine Bestätigung. >>

Noch vor Ort wurde die Lösung gefunden, und so war es nur noch eine Frage der Zeit bis ein hiesiger Malermeister ein Schild gefertigt hatte mit der amtlichen Aufschrift:

Wegen Verdrampelung der Grasflächen, ist es den Störchen ab sofort verboten, die örtlichen Neckarauen zu betreten. Kontrollen werden täglich zwischen
9.00 Uhr und 9.30 Uhr durch den Amtsdiener vollzogen.

Gez. Der Schultes und sein Gemeinderat

Einige Tage später, bereits mit Sonnenaufgang traf sich das ganze Gemeindekollegium, an der Spitze der ehrenwerte Herr Ortsvorsteher und mit ihm zahlreiche Bürger, um der hochheiligen Handlung beizuwohnen. Der Ortsbüttel mit Schild und Spaten bewaffnet, betritt die Neckarauen, um in der Mitte, für alle Störche gut sicht- und vor allem lesbar, die rot auf weißem Grund geschriebene Verordnung aufzustellen.

Doch halt! - Fast, wie aus einem Mund kam die Feststellung, „dr Büttel, Schuhgröße 47, richtet mit seinem Schuhwerk mehr Schaden an, als zehn Störche zusammen, der darf auf keinen Fall die Wiese betreten! Schnell kam die erleuchtende Idee: Zwei junge Burschen sollen die Amtsperson auf einer Holzdiele in die Wiese tragen und somit verhindern, dass von dem auf großem Fuß lebenden Ortsbüttel Flurschaden angerichtet wird. Der Fall war dadurch gelöst. Die Amtshandlung wurde erfolgreich vollzogen, und niemand bedachte, dass nunmehr durch die Träger das wertvolle Gras zertrampelt wurde.

Das Gremium feierte danach im Gasthaus zum Hirsch die gelungene Aktion - die Störche hatten sicher den Amtshinweis beachtet - und die Untertürkheimer erhielten, auf Grund ihrer „intelligenten" Problemlösung für alle Zeiten den Spitznamen >Die Störche<.

Die Untertürkheimer Storchestupfer -
aus: Schwäbische Ortsnecknamen Band3

Lang, lang ist's her, seit man in Untertürkheim den letzten Storch gesehen hat. Früher war das anders. Da tummelten sich die Störche geradezu unten am Neckar »In der Au«, der weitgedehnten, wasserreichen Wiesenfläche, aber auch in der sumpfigen und erhöht gelegenen Flur »Rattenkopf« oder auf dem »Wasen«, der sich rechts vom Neckar nordwärts gegen den Ort her erstreckte.

Nicht erst durch die Industrieansiedlung wurde Freund »Adebar« allmählich verjagt. Schon viel früher hatte man das Gelände in den Neckarauen kultiviert, Äcker und Gärten eingerichtet und das fruchtbare Schwemmland landwirtschaftlich genutzt.

So hielt sich auch schon vor hundert Jahren keine übermäßig große Zahl von Störchen mehr in der Gegend auf. Daher war es für die Dorfjugend immer wieder eine spannende Angelegenheit, wenn die Zugvögel im Frühjahr ins Neckartal hereinzogen und sich in den Storchennestern einnisteten.

Neugierig wurden die Vögel in ihrem Treiben von den Kindern beobachtet. Die wollten doch zu gern wissen, ob es tatsächlich stimmte, was die Eltern sagten, dass der Storch nämlich die kleinen Kinder aus dem »Kendlesbronne« oberhalb des Pfarrgartens holen würde. Da die »wonderfitzige Ondertürkemerle« tagsüber nichts Verdächtiges entdecken konnten, schlossen sie eines haarscharf: das »Kindergeschäft« mit seinem ganzen »Dromrom« müsse sich wohl zu nächtlicher Stunde abspielen!

Ein paar Spitzbuben wollten nun eines Tages der Sache auf den Grund gehen, und weil ein etwas älterer «Kendleshauptmann« steif und fest behauptete, die Störche würden die kleinen Kinder in ihrem Nest verstecken, gingen sie zur Kirche, wo sich auf dem Dach ein Storchenpaar niedergelassen hatte.

Zuerst versuchten sie, die Tiere mit Steinwürfen zu vertreiben, was ihnen aber nicht gelang. Dann holte einer von ihnen eine Leiter, ein anderer eine lange Stange, mit der sie die Störche stupfen wollten. Der Mutigste kletterte nun bis zur Dachrinne empor und stieß kräftig nach dem Nest. Umgehend flüchtete das Storchenpaar vor diesem rüden Angriff und segelte mit weiten Schwüngen über die Kirche hinweg. Der »Storchestupfer« aber blieb mit der Stange im Geäst des Nestes hängen und riss es vom Dach herunter, dass es mitsamt dem Gelege auf die Straße fiel. Ein Heimatdichter hat dies so beobachtet:

»Vor Freud sen se om d'Kirch romg' hopft,
hent nach 'm Storchenestle g'stupft,
wia oiner schreit: »Etz hosch de Sege!«
isch's Storchenest em Kandel g'lege.«


StadtkircheVon einer weiteren Version berichtet der Heimatforscher Siegfried Schoch: Demnach führten einige Untertürkheimer Bauern einmal beim Schultes Klage, dass die vielen Störche in den Wiesen das Gras zertreten und so als Futter unbrauchbar machen würden. Hin und her beratschlagte man.

Der Büttel sollte losgeschickt werden und die Störche mit dem Geläute der Schelle vertreiben. Doch der hatte viel zu große Füße und würde mehr Schaden anrichten als die Störche. Schließlich fasste der Gemeinderat einen weisen Beschluss:

Vier Ratsherrn wollten den großfüßigen Amtsdiener auf die Schultern nehmen und ihn schellenderweise durch die Auen tragen!

Für die benachbarten Wangener war das selbstverständlich eine mordsmäßige Gaude, als sie die Untertürkheimer »Storche« durch die »Au« staksen sahen. So wurde der Storch endgültig zum »Ondertürkemer« Wappentier.
Brunnen
Bis heute pflegt die von der Arbeiterwohlfahrt 1959 ins Leben gerufene Altengemeinschaft mit ihrem Namen »Storchenklub« die Erinnerung an die glücklichen Zeiten, in denen es den Storch noch gab und auch die Kinder noch an ihn glaubten.

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