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Aus: http://web.archive.org/web/20031019220612/http://www.trend.partisan.net/trd0299/t410299.html
trend online zeitung 02/1999
Briefe oder Artikel: kamue@partisan.net - ODER per Snail: Anti-Quariat, Oranienstr. 45, D-10969 Berlin

"Nieder mit den Atheisten!"

Rezension von Heiner Jestrabek
Albert Dulk oder Von der Ermahnung an die Linke, den Kampf gegen die Religion nicht zu vernachlaessigen. 02/99

Der Band 3 der Reihe "Klassiker der Religionskritik" des IBDK-Verlages praesentiert Leben und Werk einer aussergewoehnlichen Persoenlichkeit: Albert Dulk. Es ist dies eine Wiederentdeckung eines zu Unrecht in Vergessenheit geratenen, der auf vielfaeltigste Weise Interesse wecken kann: als Dichter, Dramatiker, Reiseschriftsteller und Abenteurer, Naturwissenschaftler und Philosoph, 1848er und Sozialist - und nicht zuletzt als Religions- und Kirchenkritiker, als engagierter Freidenker, der dies auch noch sehr oeffentlichkeitswirksam verkuendete. Seit Abschluss seines Studiums lebte er fast ausschliesslich als freier Schriftsteller und Journalist. Trotz seines umfangreichen Werks liegt die letzte Herausgabe seiner Dramen ueber 100 Jahre zurueck. Viele seiner Schriften liegen nur ungedruckt und noch unausgewertet vor; sie warten noch immer auf eine wissenschaftliche Auswertung und eine Herausgabe als Gesamtwerk. Ein verdienstvolles Werk des Verlages also, der so lange nicht mehr veroeffentlichte Texte nunmehr der Oeffentlichkeit wieder zugaenglich macht.

Annaeherung an einen Vergessenen

Albert DulkVom 26. 8. bis 1. 11. 1988 stellte das Schiller-Nationalmuseum Marbach eine Kabinett- Austellung, bearbeitet von Jochen Meyer, der Oeffentlichkeit vor. Das 'Marbacher Magazin 48/1988' dokumentierte diese beachtliche Leistung. Der groesste Anteil der Ausstellungsstuecke wurde aus dem literarischen Nachlass Albert Dulks, der sich in Privatbesitz seiner Urenkelin Frau Prof. Dr. Ilse Walther-Dulk in Stuttgart befindet, zur Verfuegung gestellt. Wer sich dort ueber das umfassende Wirken dieser Persoenlichkeit informierte, musste sich fragen, warum dieser umfangreiche literarische Nachlass groesstenteils nur aus Privatarchiven zusammengestellt werden musste. Warum seit ueber 100 Jahren Dulks Werke nicht mehr aufgelegt waren und warum sein Werk weitgehend in Vergessenheit geraten konnte, war nicht recht einzusehen. Dulks Leben selbst haette Stoff fuer mehrere Romane abgegeben (fuer den Held des 'Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge' von Wilhelm Raabe stand Dulk tatsaechlich Pate).
Seinen Themen fehlte es nicht an Brisanz, er war hoch gebildet, seine Arbeiten gescheit und haeufig seiner Zeit voraus. Zudem war sein Stil glaenzend. Meine Neugierde war mehr als geweckt. Besonders angetan hatte es mir sein Alterswerk, seine Religionskritik und Philosophie. Also erschoepfte ich mir die zugaenglichen Quellen. Literaturverzeichnisse, Sekundaerliteratur, wissenschaftliche Fernleihe der der Dulk'schen Werke. Ein schier unerschoepflicher Fundus an Literatur tat sich da auf. Der groesste Teil seiner vielen Schriften war ueber 100 Jahre alt und dringend restaurationsbeduerftig. Warum gab es keine neueren Ausgaben?

Christof Riebers 'Das Sozialistengesetz und die Sozialdemokratie in Wuerttemberg 1878-1890' aus dem Jahr 1984 sollte eine beachtliche Fundgrube werden. Stellte die marbacher Ausstellung Dulks Wirken als 1848er und Dramatiker in den Vordergrund, rueckte Rieber den politisch und religionskritisch wirkenden Dulk, der trotz Sozialistengesetzen mutig in der Oeffentlichkeit agierte, in den Mittelpunkt. Abgesehen von diesen Schriften war die Ausbeute an westdeutscher Sekundaerliteratur eher duerftig. Der herrschende Literaturbetrieb der letzten 100 Jahre konnte verstaendlicherweise wenig Interesse an einem Revolutionaer haben. Die sozialdemokratisch inspirierte Geschichtsschreibung - sieht man von Rieber und der lokalen Geschichtsschreibung der SPD in Stuttgart und Esslingen einmal ab - hatte einen ihrer Pioniere einfach vergessen. Viele Fragen blieben offen.

Ein Unbekannter im "Realsozialismus"

Sozialistische Arbeiterbewegung und Religionskritik, das musste doch noch mehr hergeben. Also begann ich die Rezeptionen der DDR-Wissenschaft zu durchforsten. Lexika: Fehlanzeige. Literaturgeschichten, der Themen buergerliche, 1848er, sozialistische: Fehlanzeige. Philosophie des 19. Jahrhunderts, buergerliche und sozialistische: Fehlanzeige. Geschichte der Arbeiterbewegung, Zeit der Sozialistengesetze: Fehlanzeige. Dabei war Dulks Bestattungszug die zahlenmaessig groesste Demonstration der Sozialdemokratie in den Zeiten des Verbots (1878-1890). Die Titel aller Standardwerke aufzuzaehlen waere muessig. Dulk war einfach eine Unperson. Es bestaetigte sich eine Erfahrung, die schon haeuftiger konstatieren werden musste - bei der Rezeption von Jakob Stern anderer bedeutender Religionskritiker und Freidenker: systematisch wurden diese aus dem oeffentlichen Bewusstsein getilgt. Es gibt keine andere Erklaerung. Denn einen Dulk oder Stern zu wuerdigen ist ohne die Erwaehnung ihrer Religionskritik und ihres Eintretens fuer das organisierte Freidenkertum praktisch nicht moeglich. Und die gesamte Geschichte des Freidenkertums - als einer selbstaendigen emanzipatorischen Bewegung - passte den dogmatischen Buerokraten, die die Dialektik und die kritischen Diskussion des fruehen Sozialismus nicht verstehen wollten und stattdessen eine homogene reine Heilslehre vertraten - nicht ins ideologische Konzept.

Eigenstaendiges freies Denken - ohne Anleitung und Kontrolle durch die Partei - ja, wo kaemen wir den dahin! So fand die Existenz der unabhaengigen Freidenkerbewegung generell in dieser Geschichtsschreibung nicht statt. Dies traf uebrigens auch auf die anderen "realsozialistischen" Staaten zu. So wurde etwa die 'Jugendweihe' als "Feier zur Aufnahme der 14jaehrigen Jugendlichen in die Gemeinschaft der Erwachsenen anlaesslich ihres Treugeloebnisses zum sozialistischen Staat" (BI Lexikon A bis Z. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1981) definiert, also praktisch als eine SED-Erfindung. Dabei sind die Jugendweihen (auch 'Jugendfeiern' oder 'Schulentlassungsfeiern' genannt) weit ueber 100 Jahre alt und durch Freireligiose und Freidenker entwickelt worden. Zudem war deren Hauptmotivation, sich von weltanschaulicher Fremdbestimmung zu befreien. Eine Feierkultur also, deren Sinn ins Gegenteil verdreht wurde. Sogar Ernst Thaelmann musste hierzu 'umzitiert' werden. In der offiziellen, vom Institut fuer Marxismus-Leninismus beim ZK der SED herausgegebenen Thaelmann-Biographie (Dietz-Verlag, 1979) wird berichtet, dass Klein-Ernst im Jahr 1900 sehr beeindruckt war von "einer Feier" fuer die "schulentlassene Jugend", die ihn schliesslich zum Kauf seiner ersten sozialistischen Broschuere veranlasst haette.
Dulkhäusle
Um welche Feier es sich gehandelt hatte, bleibt den Lesern unerschlossen. Es war dies die damals schon traditionelle Jugendweihe der Freidenker in Hamburg. Eine Tradition die bis zum Jahr 1933 massenhafte Teilnehmerzahlen hatte. Auch entsprechenden Standardwerken der SED-Literatur zur
Arbeiterjugendbewegung fehlt jeder Hinweis auf eine Freidenker-Jugend-Bewegung. Beispiele fuer das Totschweigen der Freidenkerbewegung liessen sich so fortsetzen. Etwa darin, dass in den von
der SED beim Dietz-Verlag veroeffentlichten Werken Karl Liebknechts ausgerechnet seine beruehmte Rede zum Kirchenaustritt aus dem Jahr 1913 nicht aufgenommen wurde.

Fazit: in philosophischen, politischen und historischen Nachschlagewerken der DDR- Verlage, ist von allem, was auf eine organisatorisch selbststaendige Freidenkerbe- wegung hinweist, keine Rede. Wohlordnende Haende hatten dort vorsortiert. So fand in der Literatur dies seinen Ausdruck, was politsch-administrativ schon durch das Verbot des Freidenker- Verbandes in der DDR (das praktisch is zum Jahr 1988 bestand) vorangegangen war.Albert Dulks Leben und Werk kennenzulernen lohnt sich deshalb um so mehr.

Die Bronzebüste am Dulkhäusle in Esslingen

Zur Lebensgeschichte Albert Dulks

Am 17. Juni 1819 wurde Albert Friedrich Benno Dulk in Koenigsberg, als Sohn eines Apothekers, geboren. Er besuchte das Gymnasium und absolvierte eine Apothekerlehre beim Vater. Es schlossen sich berufspraktische Taetigkeiten in Koenigsberg, Breslau und Schlesien an. Seit 1844 studierte er Chemie in Leipzig. Anlaesslich des Leipziger "Volkskrawalles" hielt er, zusammen mit Wilhelm Jordan und Robert Blum, eine Rede fuer die Gefallenen. Nachdem er wenig spaeter auch noch die Tochter des Koenig-Attentaeters Tschech besucht hatte, um Stoff fuer ein Drama zu sammeln, wurde er inhaftiert und 1845 aus Sachsen ausgewiesen. 1846 konnte er in Breslau promovieren, ein Berufsverbot beendete jedoch jaeh die angestrebte Hochschulkarriere.Nach Koenigsberg zurueckgekehrt beteiligte er sich aktiv an der Revolution.Er trat als oeffentlicher Redner auf, wurde Korporal der Buergerwehr, gruendete eine 'Arbeiter- Assoziation', die den Charakter eines Arbeiterbildungsvereins hatte und gab ein sozialistisches Sonntagsblatt heraus.

Dulk bekaempfte die preussische Landeskirche und den preussischen Staat. Folgerichtig nutzte er auch die neugeschaffene Religionsfreiheit und trat 1849 aus der evangelischen Kirche aus. Eine, fuer diese Zeit ungewoehnliche, Lebensgemeinschaft fuehrten die Dulks. 1846 heiratete Albert seine Johanna (Hannchen), nunmehr Dulk (1823-1889). Die Freundinnen Pauline (Ini) Butter (1821-1902) und Else Bussler (1824-1899) schlossen sich der Ehe an. In den Jahren 1848/49 kamen gleich drei Soehne zur Welt: Paul Philipp, Ludwig Phillip, Max Phillip; 1854 wurde die Tochter Anna geboren.

In Arabien und auf dem Sinai

Als die Revolution 1849 blutig niedergeschlagen wurde, wanderte Dulk ueber Italien in den Orient aus. Nahezu mittellos bereiste er Arabien, befuhr den Nil auf Felachenbooten, lebte unter Einheimischen, durchquerte die Wueste und lebte monatelang als Eremit auf dem Sinai. Seine Berichte hierueber und weitere Berichte, wie etwa der ueber seine Lapplandreise, gehoeren zur interessantesten Reiseliteratur dieser Zeit und sollten Dulks Ruf als Abenteurer begruenden. 1850 kehrte er nach Europa zurueck und lebte in einer einsamen Berghuette in den Schweizer Bergen, jetzt wieder mit seiner ganzen Familie.

In Wuerttemberg

1858 uebersiedelte die Familie Dulk nach Stuttgart. Er verkehrte in literarischen Zirkeln und vollbrachte die sportliche Meisterleistung, den Bodensee an seiner breitesten Stelle in sechseinhalb Stunden zu durchschwimmen. Der Mittvierziger Dulk war allseits geachtet und anerkannt. Mit seiner, damals ueberdurchschnittlichen, Groesse von 1,88 m, einem guten und sportlichen Aussehen, zudem rhetorisch sehr gewandt, besass er einen gewissen Bekanntheitsgrad. Sein soziales Engagement und sein kaempferischer Atheismus bewegten ihn 1875 zum Eintritt in die Sozialistische Partei in Stuttgart. Vorangegangen waren, angesichts zweier miteinander rivalisierender sozialdemokratischer Gruppen, Jahre des Abwartens. Den Ausschlag fuer den Parteieintritt des immerhin schon 56jaehrigen, mochten wohl lange Gespraeche mit seinem spaeteren Schwiegersohn Heinrich Scheu gegeben haben. Zur selben Zeit absolvierte Dulk noch eine Schriftsetzerlehre in der Druckerei Kroener in Stuttgart. Vorangegangen waren Jahre, in denen die beiden sozialdemokratischen Gruppen gemeinsam heftige Auseinandersetzungen mit dem Pietismus fuehrten. In der stark besuchten Liederhalle wurde auf Veranstaltungen mit Dulk die evangelische Geistlichkeit wegen ihrer reaktionaeren Haltung zur Arbeiterfrage heftig attackiert. Diese Aktionen verschaffte den Sozialdemokraten grossen Zulauf.

Unbequemer Sozialdemokrat

1875 war Dulk bereits Stuttgarter Delegierter beim Vereinigungsparteitag der beiden sozialdemokratischen Parteien in Gotha. Am 25. Juli 1875 hielt Dulk die Festrede beim "ersten Stiftungsfeste der Socialistischen Arbeiterpartei" in Stuttgart. Rund 2.000 Menschen zogen feierlich
mit Musik und Fahnen durch die Stadt.Auch als Parteifunktionaer blieb Dulk ein Querdenker. Er gehoerte zu den Sozialisten, die ihren Sozialismus nicht nur oekonomisch, sondern auch ethisch begruendeten. Im Gegensatz zu manchen Sozialdemokraten in der Zeit vor dem Sozialistengesetz, sah Dulk seinen Sozialismus weniger auf dem "Ideal der Gerechtigkeit" begruendet, als auf dem "Ideal der Vernunft". Der Naturwissenschaftler Dulk bestand von Anfang an darauf, den sozialistischen Kampf mit dem Kampf gegen religioese Unfreiheit, durch die Verbreitung einer vernunftbegruendeten, atheistischen Religionskritik zu verbinden. Die Emanzipation von der Bevormundung durch die christliche Religion und Kirche, betrachtete er als unabdingbare Voraussetzung fuer die Verbreitung sozialistischen Bewusstseins.Dulk war kein bequemer Parteigenosse und trug Differenzen nach allen Seiten aus, mal gegen die Rechte, mal gegen die Linke in der Partei.

Nachdem Dulk bei einer Auseinandersetzungen um seine Religionskritik keinen Rueckhalt in der Stuttgarter Partei erhalten hatte,verzichtete er darum 1884 enttaeuscht auf eine weitere Kandidatur bei der Reichstagswahl. In den vorangegangenen Jahren hatte er, als Kandidat der Sozialdemokratie, trotz des Sozialistengesetzes, beachtliche Erfolge bei den Landtags- und Reichtagswahlen verzeichnet und sogar Unterstuetzung von der linksliberalen Wuerttembergischen Volkspartei erhalten. Bei den Landtags- und Reichstagswahlen 1877 und 1878 errang er einen Stimmenanteil von knapp 28 bzw. 24%; auch 1881 und 1882 errang Dulk in Stuttgart die hoechsten sozialdemokratischen Stimmenanteile in ganz Wuerttemberg. Dieser mangelnde Rueckhalt war umso ueberraschender, da er schlichtweg die Symbolfigur der wuerttembergischen Sozialdemokratie war und seine Stuttgarter Genossen ansonsten eher Anhaenger linksradikaler Positionen waren. Aber es sollte geradezu ein Symptom des politischen Opportunismus der Sozialdemokratie werden, dass Religionskritik zunaechst als nebensaechlich und laengst ueberfluessig angesehen wurde und spaeter - oft sogar von den selben Protagonisten - jegliche Ideologiekritik dem politischen Tagesinteresse geopfert wurde.

Sein Verzicht auf weitere Kandidaturen bedeutete aber keineswegs, dass er der Sozialdemokratie keine Aufmerksamkeit mehr gewidmet haette. Sein hauptsaechliches Engagement verwandte er aber kuenftig fuer die Freidenkerbewegung.

Gründung des Freidenkerbundes

Dulk gehörte zu den Gründungsdelegierten des 'Internationalen Freidenkerbundes' (IFB) am 29./31. August 1880 in Brüssel. Am 10. April 1881 gründete er in Frankfurt/Main, gemeinsam mit Ludwig Buechner und August Specht den 'Allgemeinen Deutschen Freidenkerbund'. Neben Buechner und Specht, unterstuetzten die Gruendung des Freidenkerbundes Otto von Corvin, Max von Nordau, Carl Scholl und andere religionskritische Persoenlichkeiten.Am 2. April 1882 kam es, auf Dulks Initiative, zur Gruendung der ersten deutschen 'Freidenkergemeinde' in Stuttgart, deren erster Sprecher Dulk wurde.

Oeffentlichkeit und Gefaengnis

Dulks Aktivitaeten, oeffentliche Reden und Auftritte, standen schon vorher fast immer in Zusammenhang mit Freidenkertum. Nachdem er Anfang Oktober 1878 als Verfasser eines Flugblattes wegen "Volksverhetzung" fuer ein Jahr ins Gefaengnis musste, bekam er gleich im Dezember zusaetzlich weitere zwei Monate wegen "Gotteslaesterung" und "Kirchenschmaehung" in oeffentlichen Vortraegen aufgebrummt (nach dem heute noch immer bestehenden §§ 166 StGB).
Die Anwendung des §§ 166 des Strafgesetzbuches war schon damals antiquiert und empoerte die kritische Oeffentlichkeit. Eine Verquickung des Gotteslaesterungstatbe standes mit dem Sozialistengesetz galt den Zeitgenossen als ein Akt von politischer Gesinnungsjustiz. Erst am 22. Dezember 1879, nach insgesamt vierzehn Monaten im Heilbronner Gefaengnis, wurde Dulk aus der Haft entlassen.

Als er bald darauf im Jahr 1880 einen Vortrag mit dem Thema "Die religioese Suendfluth in der Stadt der Beter" ankuendigte, wurde dieser kurzerhand von der Stuttgarter Stadtdirektion, aufgrund des Sozialistengesetzes, verboten. Zur Begruendung wurde insbesondere angefuehrt, dass Dulk systematisch anstrebe, "durch die Bekaempfung der christlichen Religion die Ziele der Socialdemokratie zu foerdern", wie es in der Verbotsbegruendung durch die Stuttgarter Stadtdirektion hiess. Erst 1882 konnte er wieder seine gut besuchten freidenkerischen Vortraege halten. Wieder wurde wegen des ss 166 ermittelt und seine Vortraege am 6. Maerz 1882 verboten. Doch Dulk und seine Genossen verschafften sich immer wieder eine neue Oeffentlichkeit. Als recht wirkungsvoll erwiesen sich oeffentliche Vortraege in der Freidenkergemeinde und anlaesslich von Bestattungen, wie z.B. in der in der Veroeffentlichung wiedergegebenen "Rede am Grabe von Gottlob Eitle".

Trauerzug und Ehrung am Dulk-Haeusle

1884 starb Dulk, voellig ueberraschend, bei einer Zugfahrt von Stuttgart nach Untertuerkheim. Sein Leichenzug sollte zur groessten Demonstration der wuerttembergischen Sozialdemokratie unter dem Sozialistengesetz werden. In Wuerttemberg war die Feuerbestattung noch nicht erlaubt, deshalb zog ein Leichenkondukt zum Gueterbahnhof, zur Ueberfuehrung nach Gotha. Ein ungewoehnlich grosses Polizeiaufgebot wurde zum "Ordnunghalten" eingesetzt: die circa 80 Stuttgarter Schutzleute nebst 40 eigens herbeigeholten Landjaegern. Waehrend des Leichenzugs war das Militaer der Stuttgarter Garnison zu einem eventuellen Einsatz bereit. Am Trauerzug nahmen dem Stuttgarter Tagblatt zufolge "Tausende und Abertausende von Arbeitern ... mindestens 5-6.000" teil. Insgesamt hatten dem Trauerzug "wohl ueber 25.000 Menschen angewohnt".

Dulkhäusle Esslingen
Das Dulk-Häusle in Esslingen

Knapp ein Jahr spaeter, am 20. September 1885, gedachten die wuerttembergischen Sozialdemokraten und Freidenker Dulks anlaesslich der Einweihung einer Gedenktafel am "Dulk-Haeusle" im Esslinger Wald, das Dulk zu Lebzeiten bewohnt hatte, wenn er sich zurueckziehen wollte. Zu dieser Feier waren wieder "unter grosser Beteiligung der schwaebischen Genossen ... mehrere Tausend Besucher" zusammengekommen.

Einer der Redner, der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Bruno Geiser erklaerte, Dulk sei
von seiner Zeit als Dichter, Philosoph und Volksmann nicht voll verstanden worden, bzw. man habe ihn nicht voll verstehen duerfen, denn die "richtige Luft der Geistesfreiheit wehe noch nicht". Er hoffe, "der Geist Dulks moege seinen Freunden in noch kommenden Kaempfen zur Seite stehen!".

Zur Bedeutung Albert Dulks

Dulk gehoerte, neben Georg Herwegh und Johann Jacoby, zu den wenigen 1848ern, die ihrer Gesinnung treu geblieben sind und konsequenterweise eine Bruecke zur spaeter entstehenden sozialistischen Arbeiterbewegung geschlagen haben. Mit dem preussischen Obrigkeitsstaat hatte er sich nie ausgesoehnt. Konsequent hielt er an seiner Gegnerschaft zu Monarchie, Staat und Militaer fest. Energisch wandte er sich gegen den nationalen Taumel von 1870/71 und die Annexion von Elsass-Lothringen. Mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht, die aufgrund der selben Haltung wegen "Hochverrat" zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt wurden, solidarisierte er sich oeffentlich. Dulk trat oeffentlich, in den Zeiten des Sozialistengesetz, als sozialistischer Redner, Landtags- und Reichstagskandidat auf. Und dieses politische Engagement verband er immer mit seinem freien Denken. Damit stiess er natuerlich auch viele Zeitgenossen vor den Kopf: die buergerlich-braven Freigeister (wie z.B. David Friedrich Strauss oder Bruno Bauer), die nur kritisch in der Theologie waren, ansonsten aber ihren Frieden mit der weltlichen Obrigkeit gemacht hatten; die Spiessbuerger und Froemmler, weil er nicht nur im stillen Kaemmerlein bibelkritelte, sondern in grosser Oeffentlichkeit gegen die Dogmen des Glaubens auftrat - und das auch noch in Stuttgart, der "Stadt der Beter", einem bigotten Zentrum des Pietismus; einige seiner sozialdemokratischen Mitkaempfer, die sich schon damals gern um die Religions- und Kirchenkritik herummogeln wollten, indem er ihnen belegte, dass soziale Befreiung nur moeglich ist, wenn sich die Arbeiterklasse auch geistig zu befreien vermoege. Darueberhinaus war seine Lebensgemeinschaft mit drei Frauen natuerlich ein staendiger Skandal.

Zur aktuellen Auswahl Dulk'scher Schriften

In den neuveroeffentlichten Schriften, die Eingang in die, hier besprochene aktuelle Auswahl fanden, zeigt sich sehr anschaulich, wie Dulk agierte: durch oeffentliche Reden, dramatische Dichtungen und volksaufklaererische Schriften. In der dramatischen Satire "Nieder mit den Atheisten!" - Ein Gespraech zwischen Froemmigkeit, Verstand und Liebe" stellte Dulk einen, fuer das damalige Stuttgart durchaus typischen, Dialog dar. Aeusserungen des katholischen (Dr. Orthodoxus) und des evangelischen Geistlichen (Dr. Lichtfreund) werden dem skeptischen bibelfesten Normalmenschen (Michel Menschenverstand) gegenuebergestellt. Die Menschenliebe (Frau Sammliebe) loest den Dialog auf, zu einer menschlichen Zukunftsperspektive, ohne einen Gottglauben.Dulks oeffentliche Vortraege gehoerten wohl - aus der Sicht der Religionskritik - zu seinen wichtigsten Verdiensten. Der sehr starke Besuch und die Reaktionen sprechen dafuer. Exemplarisch hierfuer sein Vortrag in der Stuttgarter Liederhalle: "Die Entwicklung des Christentums". Wuerttemberg war noch immer ein Zentrum eines eifernden Pietismus, in dem ein geistiges Klima der Enge herrschte, wie es sich heute vielleicht noch im sogenannten bible belt im Sueden der USA findet, vergleichbar nur dem, der heutigen USA-Sekten. Noch immer gab es die 'Kirchenkonvente' genannten Sittengerichte, in denen unter dem Vorsitz des evangelischen empfindliche Strafen und Schandurteile ueber die vermeintlichen Sittenverfehlungen der Untertanen verhaengt wurden. Ergaenzt wurde diese Geisteshaltung von einer schwaebisch- bigotten Sexual- und Lustfeindlichkeit, die uns heute nur noch ein Kopfschuetteln abnoetigen kann. Diese spezifisch schwaebische Art des Pietismus, die sich in intolerantem Sektierertum und durch haeusliche Betkreise aeussert, bietet auch gegenwaertig noch eine Spielwiese fuer fanatische Lebensschuetzer und fundamentalistische Jesus-Juenger.

Nachwirkungen auf die Linke

Albert DulkEinen interessanten Aspekt bildet auch die Nachwirkung Dulks auf die sozialistische Bewegung. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Geschichte der Arbeiterbewegung - ob sozialdemokratischer oder parteikommunistischer Richtung - eine Auseinandersetzung zweier Richtungen in der Frage der Religionskritik. Ideologischen und oekonomischen Kampf verbanden die sozialistischen Freidenker, indem sie sich bemuehten, differenzierte Religionskritik innerhalb der Arbeiterbewegung zu verbreiten. Die andere Richtung, die eine Ignoranz gegenueber dem freidenkerischen Anliegen pflegte, war aber auch immer um vermehrten Einfluss bemueht. Solange die Freidenker eine Massenbewegung waren, war ihr Einfluss auch nicht zu uebersehen (Mitgliederzahlen der Freidenkerverbaende: Die sozialdemokratisch gefuehrten Verbaende 'Deutscher Freidenker-Verband' (1933): 660.000 und 'Bund sozialistischer Freidenker' (1930): 20.000; der kommunistisch gefuehrte 'Verband proletarischer Freidenker' (1933): 140.000; die buergerlich gefuehrten Verbaende 'Deutscher Monistenbund' (1930): 10.000 und 'Volksbund fuer Geistesfreiheit' (ein Zusammenschluss von 'Freidenkerbund' und 'Freireligioesen) im Jahr 1914: 50.000 Mitglieder.). Nachdem diese Bewegung 1933 durch die Nazis zerschlagen wurde, konnten sich die Freidenker in Deutschland nie mehr richtig erholen. Die Arbeiterparteien nach 1945 gaben so auch, nach und nach, freidenkerische Positionen preis.

Fuer die Schriften Dulks fand sich von parteioffizieller Seite kein Interesse mehr. Kein, den Arbeiterparteien nahestehender, Verlag legte seine Schriften neu auf. Lediglich die Freidenker der Tschechoslowakei besorgten in den 30er Jahren eine Uebersetzung und Herausgabe von Dulkschen Schriften (Nach den Angaben von Leopold Gruenwald, ehemaliger Sekretaer des tschechoslowakischen Freidenkerverbandes in den 30er Jahren, anlaesslich eines Interviews mit Heiner Jestrabek (Wien, 23. 10. 1991).

Rechristianiserung der Linken

Der geschwundene Einfluss des organisierten Freidenkertums stellte eine parallele Entwicklung zum Untergang des groessten Teils der Arbeiterkulturbewegung dar. Arbeitersaenger, -sprechchoere, -theater, -sportler und -literatur konnten ihre Massenbasis der Weimarer Republik nie mehr aufnehmen. Natuerlich hat dies alles mit den veraenderten Zeitbedingungen und der Schwaeche der Linken zu tun. Aber warum wir heute immer noch das Phaenomen einer 'Rechristianisierung' innerhalb der Linken konstatieren muessen, ist nicht so recht einzusehen.

Es faellt auf, dass in der Linken nach dem Zweiten Weltkrieg eine an Denkfaulheit grenzende Gleichgueltigkeit ideologischen Fragen gegenueber Einzug gehalten hat; die Begruendungen hierfuer reichen vom Hinweis, Religionskritik lenke von wichtigereren Fragen ab, bis hin zur These, die Religionsfrage erledige sich sowieso von alleine, wenn der Sozialismus erst oekonomisch gesiegt haette. Dabei ist es gleichgueltig, ob sich dieser Fatalismus linksradikal (etwa Anton Pannekoek, sozialdemokratischer Theoretiker, der zwischen 1906 und 1914 vor sozialistischem Freidenkertum warnte. In seiner Schrift "Religion und Sozialismus" sprach er von "Kraftvergeudung" und "Nebenzielen", vor denen man sich "hueten" muesse. Zitiert nach Kaiser, Arbeiterbewegung und organisierte Religionskritik, S. 118f) gebaerdet oder rechtsopportunistisch, bis hin zum fatalistischen ideologischen Eintopf-Syndrom, nach dem die kirchliche Humanismus-Terminologie fuer wahr angenommen wird. Dieser Opportunismus findet sich weit verbreitet innerhalb der Sozialdemokratie (Vgl. hierzu den programmatischen Kurswechsel der SPD, festgelegt im "Grundsatzprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Beschlossen von Ausserordentlichen Parteitag der SPD in Bad Godesberg vom 13.-15. November 1959". Die altbewaehrten Forderungen nach einer Trennung von Staat und Kirche, sowie nach einer Weltlichkeit der Schule wurden gestrichen. Der Vorsitzende Erich Ollenhauer erklaerte hierzu ausdruecklich, dass sich in dieser Frage die Meinung der Sozialdemokratie geaendert haette und es sich bei diesen neuen Formulierungen nicht nur um taktische handeln wuerde. Protokoll der Verhandlungen des o.g. Parteitages. Hrsg. Vorstand der SPD Bonn. 1960.), aber auch bei den KPs, die dem Buendnis mit der christlichen Friedensbewegung und denwenigen fortschrittlichen Pfarrern immer wieder hoehere Bedeutung zumassen als der eigenen freidenkerischen Tradition.

Damit keine Missverstaendnisse entstehen: Freidenker traten immer fuer Dialog und Zusammenarbeit mit Christen ein. Aber eben ohne die Aufgabe der eigenen Identitaet. Schliesslich aeussert sich diese Rechristianisierung der Linken in der voelligen Aufgabe sogar von demokratischen Minimalforderungen, wie der Trennung von Staat und Kirche und der Abwendung von jeglicher Ideologiekritik, bis hin zu offener Gegnerschaft zum Freien Denken. Dies geht so weit, dass durch linke Parteien eine offen klerikale Politik gefoerdert wird, laizistische Positionen von opportunistischen Politikern aufgegeben werden und als traurige Hoehepunkte sogar Verbote gegen die Freidenkerverbaende in der UdSSR und deren Satellitenstaaten verhaengten. (Beispiele fuer die Foerderung klerikaler Politik in der Sowjetunion finden sich bei Karlheinz Deschner: Die Politik der Paepste im 20.Jahrhundert. Reinbek 1991.).Bis heute aeussert sich dieser verhaengnisvolle Opportunismus darin, dass Dulk und andere in Archiven, Standardwerken und Lexika der ehemaligen DDR nicht anzutreffen waren und somit praktisch zu Unpersonen wurden. Die Erfassung und Auswertung seiner Werke wurde straeflich vernachlaessigt und somit ganze Generationen von Wissenschaftlern und Sozialisten zu Analphabeten bezueglich des Freidenkertums.

Diese Denkweise ist eigentlich eine dem wissenschaftlichen Sozialismus fremde Methode, eine mechanisch-metaphysische Arbeitsmethode und Ideologie, im Kern also ueberlebter buergerlicher Idealismus. Mit seiner Auffassung von Dialektik vertrat Dulk eine aehnliche Position wie seine Zeitgenossen Karl Marx und Friedrich Engels, zu denen er ansonsten in kritischer Distanz stand. Er
verband eine fundamentale Religionskritik, die aktiv gepflegt werden muss, mit einer vielschichtigen Behandlung des Phaenomens Religion als gesellschaftlich wirkender Ideologie. An diese Denkweise anknuepfend bleibt Religionskritik bis heute von Bedeutung: sie ist weltanschauliche Grundlage fuer jene, die sich in ihrem Handeln dem Fortschritt und der Freiheit der Menschheit verpflichtet fuehlen. Das Lebenswerk eines Albert Dulk - auch wenn es wie bei allen Pionieren nicht frei von Irrtuemern und Fehleinschaetzungen ist - bietet hierfuer manche brauchbare Handhabe.

Albert Dulk / "Nieder mit den Atheisten!" Ausgewaehlte religionskritische
Schriften aus der fruehen Freidenkerbewegung. Hrg. von Heiner Jestrabek.
Band 3 der Reihe "Klassiker der Religionskritik" IBDK-Verlag, Postfach 167,
63703 Aschaffenburg, 156 Seiten, kt. DM 25,--

Stuttgarter Zeitung, 17.06.1994

Heute würde man ihn womöglich einen Exzentriker nennen,
einen wilden Hund und...

Heute würde man ihn womöglich einen Exzentriker nennen, einen wilden Hund und einen blitzgescheiten Spinner. Zu Lebzeiten war er ein Außenseiter und ein Sonderling. In die Geschichte eingegangen ist er als Schriftsteller, Freidenker und sozialistischer Agitator. Die Zeitgenossin Isolde Kurz schrieb über ihn: "Sein Leben ist ein Roman, den man nicht schreiben kann, weil er als Erfindung viel zu unwahrscheinlich wäre."

Mit Stuttgart, Esslingen und dem Neckartal verband ihn vieles. Die Rede ist von Albert Dulk, heute vor 175 Jahren, am 17. Juni 1819, geboren in Königsberg, gestorben am 29. Oktober 1884 auf dem Heimweg im Stuttgarter Hauptbahnhof.

Einige Stationen seines bewegten Lebens: Zunächst studierte er Chemie wie der Vater, wollte aber eigentlich Dichter werden. In Leipzig ging er zu den demokratischen Studenten, hielt 1845 Trauerreden für Opfer von Unruhen, wurde

Vor Jahr und Tag
Der wilde Albert Dulk prompt aus Sachsen ausgewiesen, später kurze Zeit inhaftiert. Weil die Revolution von 1848, an der er aktiv teilgenommen hatte, scheiterte, ging er 1849 nach Ägypten, lebte eine Zeitlang als Einsiedler auf dem Sinai.

Nach Europa zurückgekehrt, ließ er sich 1850 zunächst in einem Haus über dem Genfer See nieder, lebte dort mit Ehefrau und Geliebter sowie mehreren Kindern. 1858 kam Albert Dulk mit drei Frauen und diversen Kindern ins liberale Stuttgart, wo er literarischen Erfolg suchte. Er schrieb für Cottas "Morgenblatt", durchschwamm den Bodensee an der breitesten Stelle in sechseinhalb Stunden, trat der skurrilen Künstlergruppe "Bergwerk" bei, bearbeitete Bühnenstücke, schrieb ein Opernlibretto, traf hier den Schriftsteller Wilhelm Raabe, um nur weniges zu nennen.

Seit 1871 engagierte er sich für die Sozialdemokraten, trat ihnen 1875 bei, wurde der schillernde Anführer der noch jungen Partei in Stuttgart und begann, jetzt 55jährig, eine Schriftsetzerlehre. Trotz seines freizügigen Lebenswandels wurde er Landtags- und Reichstagskandidat, erzielte dabei Achtungserfolge, warb in unzähligen Reden für Freiheit und Gleichheit, legte sich aber gleichzeitig mit Bebel und Liebknecht an. Die Ideologie des Klassenkampfs war ihm zuwider. 1878 wurde er wegen Religionsschmähung und Pressevergehen verhaftet und zu 14 Monaten Gefängnis in Heilbronn verurteilt. 1882 gründete er in Stuttgart die erste Freidenkergemeinde Deutschlands.

Gleichwohl, Dulk war ein gebrochener Mann. Seine Feuerbestattung am 2. November 1884 in Gotha löste eine sozialistische Massendemonstration von 10.000 Menschen aus. In Stuttgart langte es bis heute nicht zu einem Straßennamen; in Esslingen hingegen kennt man noch immer das "Dulk-Häusle" am Jägerhaus, das die Stadt ihm als Schreibstätte und Einsiedelei zur Verfügung stellte.

Wer mehr über den stattlichen Mann mit dem wallenden Haar wissen will, zweifellos eine der auffälligsten Stuttgarter Figuren des 19. Jahrhunderts, dem sei das "Marbacher Magazin" vom August 1988 empfohlen, sein Titel: "Albert Dulk, ein Achtundvierziger". tom

Stuttgarter Zeitung, 31.08.1999

Der Obrigkeit stets ein Dorn im Auge gewesen

DICHTER IN DER REGION (5)

Der Schiller und der Hegel, der Uhland und der Hauff und viele andere Dichter noch haben hier in der Region gelebt. Auf ihren Spuren wandeln die Autoren der Sommerserie, die wir in diesen Wochen abdrucken wollen.

Von Achim Wörner

Er war ein Exzentriker, ein wilder Hund, der allzu gerne wider den Stachel der Obrigkeit löckte. Und eben das machte den Schriftsteller und Sozialdemokraten Albert Benno Dulk populär: 10000 Menschen ließen Dulks Begräbnis anno 1884 zu einer Massendemonstration werden.

Tief beugen sich die Bäume über das putzige Holzhäuschen direkt an der Römerstraße auf Esslingens Höhen. Die Bretterwände sind inzwischen reichlich verwittert, die Fenster mit Klappläden verschlossen, ein Treppchen führt zu einer Miniveranda hinauf. An der Vorderfront prangt eine bronzene Porträtbüste, die das Haupt eines alten Mannes zeigt. Der Haarkranz ist wild, der Vollbart respektgebietend und der Blick richtet sich in die imaginäre Ferne. "Albert Benno Dulk - von seinen Freunden", steht drunter.

Dulkhaus
Das Dulkhäusle auf Esslingens Höhen erinnert noch heute an den Schriftsteller und Sozialisten Foto 2003:igelball

Das "Dulkhäusle" direkt beim Segelflugplatz und bei einer Sportgaststätte kennt in der ehemaligen Freien Reichsstadt jeder. Aber Albert Benno Dulk? Der Name ist heute nur noch Eingeweihten ein Begriff. Dabei hat der Schriftsteller, Freidenker und sozialistische Agitator durchaus Spuren in der Geschichte hinterlassen. Und das Leben des Außenseiters und Sonderlings ist überdies so spannend wie ein "Roman, den man nicht schreiben kann, weil er als Erfindung viel zu unwahrscheinlich wäre", wie weiland schon Dulks Zeitgenossin und Schriftstellerin Isolde Kurz befand.

Geboren wurde Dulk am 17. Juni 1819 in Königsberg. Schon als Student der Chemie in Leipzig schloss er sich der demokratischen Studentenbewegung an. Dulk hielt Begräbnisreden für die Gefallenen der sogenannten Leipziger Unruhen - und zog deshalb das Augenmerk der Geheimpolizei auf sich. Weil die Revolution von 1848, an der er aktiv teilgenommen hatte, scheiterte, ging er nach Ägypten und lebte eine Zeit lang als Einsiedler auf dem Sinai.

Nach Europa zurückgekehrt, ließ er sich 1850 zunächst in einem Haus über dem Genfer See nieder, lebte dort mit Ehefrau und zwei Geliebten und mehreren Kindern. Zwar hatte der 1,88Meter große Hüne bereits 1843 mit "Orla" sein erstes Drama veröffentlicht. Es folgte das Theaterstück "Lea" nach der Hauffschen Novelle "Jud Süß", das am 23. Februar 1848 uraufgeführt wurde. Der literarische Durchbruch aber war Dulk auch damit nicht gelungen.

Und so verband sich für Dulk mit dem 1858 erfolgten Umzug ins liberale Stuttgart die Hoffnung, endlich als Schriftsteller zu reüssieren. Prompt fand der Reformer, der sich um den Aufbau der Sozialdemokratie verdient machte, Zugang zu den Dichterzirkeln der Schwabenmetropole.

Doch zunächst vermochte sich der mit idealistischen politischen Hoffnungen und überspannten Sehnsüchten behaftete Mann allenfalls als Reiseschriftsteller einen Namen zu machen - und als Rekordschwimmer, der 1865 im Alter von immerhin 46Jahren den Bodensee an seiner breitesten Stelle von Romanshorn nach Friedrichshafen durchschwamm.

Wenig später zog Dulk von der Kernerstraße ins billigere Untertürkheim um und zwar in ein inzwischen abgerissenes Haus in der Schlotterbeckstraße 1. Von dort aus engagierte sich der mutige Kämpfer für mehr Freiheit und Gleichheit als sozialdemokratischer Kandidat im Reichstagswahlkampf von 1878 - trotz der bereits einsetzenden Sozialistenverfolgung.

Schon die Jahre davor hatte er den nationalen Siegestaumel nach der Reichsgründung in öffentlichen Reden immer wieder angeprangert und der selbstherrlichen Obrigkeit die Leviten gelesen - was ihm 1878 wegen Volksverhetzung ein Jahr Gefängnis in Heilbronn eintrug. Zugleich aber legte Dulk sich auch mit hochrangigen Genossen wie Bebel und Liebknecht an, weil ihm die einfache Ideologie des Klassenkampfes partout zuwider war.

Immer mehr wurde der streitbare Dulk zum Außenseiter - was auch durch den Rückzug aufs Esslinger Jägerhaus dokumentiert wird. Von 1880 an mietete er das nachmals berühmte "Dulkhäusle", um in der Abgeschiedenheit des Waldes religionsphilosophischen Betrachtungen zu frönen. Gleichwohl gründete er noch 1882 in Stuttgart die erste Freidenkergemeinde Deutschlands mit, veröffentlichte unter dem Titel "Der Irrgang des Lebens Jesu" sein freidenkerisches Hauptwerk - und war doch längst ein gebrochener Mann. Spektakulär wie sein ganzes Leben geriet auch Dulks Tod: Er brach am 29.Oktober 1884 auf dem Stuttgarter Bahnhof in der heutigen Bolzstraße mit einem Schlaganfall zusammen - und verschied.

Bei der Totenfeier in Stuttgart folgten 10.000 Arbeiter dem Sarg, der später nach Gotha überführt wurde. Doch in den Köpfen der Menschen lebte Dulk lange weiter. Wie hieß es damals in einer kuriosen Zeitungsnotiz: "Übereinstimmende Aussagen von Weibern und Kindern, die im Esslinger Stadtwald beim Jägerhaus Beeren sammelten, behaupten mit der Sicherheit schwäbischer Einbildungskraft, dass der Doktor Dulk dort umgehe. In seinem Talar, den rothen Fez auf dem Kopf und mit seinem grauen Bart spaziert er dort wie zu Lebzeiten durch den Wald und verschwindet in einer Buche..."

Aus http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/werk/meyers/band/5/seite/0202/meyers_b5_s0202.html

Originaltext aus Meyers Konversationslexikon von 1888

Dulk, Albert Friedrich Benno, dramatischer Dichter und Schriftsteller, geb. 17. Juni 1819 zu Königsberg, widmete sich auf der Universität seiner Vaterstadt dem Studium der Medizin und der Naturwissenschaften, setzte, nachdem er in Zurückgezogenheit das Drama "Orla" geschrieben, in Berlin und Leipzig seine naturwissenschaftlichen Studien fort, wurde aber, da er am Grab der bei dem Aufstand vom 12. Aug. 1845 Gefallenen als Redner aufgetreten war, aus letzterer Stadt verwiesen.

Ein Jahr später promovierte er zu Breslau, vermochte indessen wegen seiner politischen Ansichten die Erlaubnis, Vorlesungen zu halten, vom Minister Eichhorn trotz der Fürsprache der Fakultät nicht zu erlangen. An den Revolutionsbewegungen des Jahrs 1848 nahm er so thätigen Anteil, daß er es 1849 geraten fand, Preußen zu verlassen.

Vonda bis 1850 führte er ein Wanderleben (in Italien, Ägypten, Arabien), lebte dann mit seiner Familie nach inzwischen erfolgter Verheiratung am Genfer See, von wo er 1858 nach Stuttgart übersiedelte, und unternahm 1872 eine neue größere Reise nach dem schwedischen Lappland und Norwegen, als deren Resultat die mit seinem Schwiegersohn G. Hartung verfaßten "Fahrten durch Norwegen" (Stuttg. 1877) hervortraten.

Nach seiner Rückkehr ließ er sich in Untertürkheim bei Stuttgart nieder. Er starb plötzlich 30. Okt. 1884 auf dem Bahnhof zu Stuttgart.

Wie aus seinem Lebensgang, so spricht auch aus seinen Schriften eine eigentümliche Kraft und Selbständigkeit des Wesens. Als Dramatiker gehört erdurchaus der kraftgenialen Richtung an, welche mehr durch frappante Stoffwahl und geistreiche Pointen als durch poetische Vertiefung und Wärme der Lebensdarstellung wirkt.

Die Dramen: "Orla" (Zür. 1844), "Simson" (Stuttg. 1859), "Jesus der Christ" (das. 1865) sind für diese Richtung besonders charakteristisch; mit dem Kaiserdruma "Konrad II." (Leipz. 1867), dem Drama "Lea" (Königsb. 1874) und dem Schauspiel "Willa" (Wien 1875) näherte er sich der üblichen Weise der dramatischen Dichtung mehr an. D. schrieb auch die von Abert komponierte Oper "König Enzio", in 4 Akten, und brachte eine Bearbeitung von Kleists "Familie Schroffenstein" in Stuttgart auf die Bühne. Als Prosaschriftsteller trat er zuerst auf mit dem Werk "Der Tod des Bewußtseins" (Leipz. 1863), worin er die Grundzüge seiner Anschauungen vom Wesen der Menschheit niederlegte.

Später war er als Mitarbeiter an verschiedenen Zeitschriften und politischen Blättern von demokratischer und oppositioneller Färbung thätig und sprach sich unter anderm 1871 in der Flugschrift "Patriotismus und Frömmigkeit" (Kaiserslautern 1871) mit Schärfe gegen die Fortsetzung des Kriegs und gegen den Franzosenhaß aus. Die Schriften: "Tier oder Mensch "(Leipz. 1872), "Stimme der Menschheit; christliche Glaubenslehre" (das. 1875-80, 2 Bde.), "Was ist von der christlichen Kirche zu halten? Eine gedrängte Darstellung der Quellen und der Geschichte des Christentums" (Zür.1877), "Der Irrgang des Lebens Jesu" (Stuttg. 1884-85, 2 Bde.) zeigten D. als unversöhnlichen Gegner der christlichen Weltanschauung und als Bekenner und Vorfechter einer als notwendig erachteten "neuen" Religion.

„Wir wollen ja keine Ruinen hinterlassen“

Eßlinger Zeitung 28.10.2009

ESSLINGEN: Dulkhäusle steht nicht allzu gut da -
Zumindest die Büste soll vor weiterem Verfall geschützt werden

Wollte der Freidenker und Schriftsteller Albert Dulk ungestört arbeiten, zog er sich in das Holzhäuschen oberhalb von Wilflingshausen zurück. Im Laufe der Jahre hat Dulks Refugium aber so stark gelitten, dass manch einer fürchtet, man habe das denkmalgeschützte Dulkhäusle dem Verfall preisgegeben. „Dem ist nicht so. Denn wir wollen ja keine Ruinen hinterlassen“, versichert Peter Geier von der Städtische Gebäude Esslingen (SGE).

Von Dagmar Weinberg

Albert Dulk, dessen Todestag sich morgen zum 125. Mal jährt, gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Esslinger Geschichte. 1819 in Königsberg geboren, wuchs er in einem wohlhabenden und freigeistigen Elternhaus auf. Sein Vater war Pharmazeut und gehörte als Chemieprofessor den liberalen Ordinarien der Königsberger Universität an. Seine Mutter Emilie, eine geborene Hartung, entstammte der Familie, die mit der „Königsberger Hartungschen Zeitung“ ein freisinniges Blatt verlegte. Sohn Albert studierte nach der Apothekenlehre Naturwissenschaften und promovierte schließlich in Breslau.Bereits in seiner Heimatstadt war Albert Dulk, nach dem in Wiflingshausen ein Weg benannt ist, mit dem freiheitlichen Gedankengut in Berührung gekommen und „immer mit an der Spitze der Opposition“ zu finden, heißt es in dem von Jochen Meyer bearbeiteten „Marbacher Magazin 1848/49“. Da Dulk überzeugt war, dass er sein Ideal einer gerechteren Welt am besten als Schriftsteller transportieren könne, verfasste er 1843 das dramatische Werk „Orla“, das wegen der Zensur allerdings anonym in der Schweiz veröffentlicht wurde. Er schloss sich in Leipzig den demokratisch gesinnten Studenten an, hielt 1845 neben Robert Blum eine Rede an den Gräbern der bei den Leipziger Unruhen Getöteten und nahm 1848 in Königsberg aktiv an der Revolution teil. Nach dem Sieg der Reaktion gründete er das sozialistische Arbeiterblatt „Der Handwerker“.

Dulkhäusle 2009
Das historische Dulkhäusle an der Römerstraße hat schon bessere Tage gesehen.
Zum Schutz vor weiterem Verfall will die Stadt die Büste Albert Dulks abnehmen
und einlagern. Wann sie restauriert wird, steht in den Sternen. Foto: Bulgrin

Der Mann mit den drei Frauen

In Erinnerung geblieben ist Albert Dulk aber nicht nur wegen seines politischen Kampfes für Demokratie, Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde, sondern auch wegen seines Privatlebens. „Das ist doch der mit den drei Frauen“, hört man in Esslingen immer wieder. 1846 hatte Albert Dulk zwar seine Cousine und langjährige Verlobte Johanna geheiratet, hielt aber an der Liaison mit Pauline Butter fest. Sie zog in das Haus des Ehepaars ein. Im Frühjahr 1857 wurde dann Else Bussler die Dritte im Bunde. In einem feierlichen Akt, in dem er selbst als Priester fungierte, schloss er mit ihr eine „Gewissensehe“. Ein Jahr später übersiedelte das Quartett nach Stuttgart, wo Albert Dulk trotz mancher Anfeindung Anschluss an literarische Zirkel fand. Dort trat der Freidenker und Revolutionär, der wiederholt Opfer der politischen Justiz geworden war und inhaftiert wurde, dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, später der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands bei. 1881 gründete er den „Allgemeinen Deutschen Freidenkerbund“ und kandidierte mehrmals für den Land- und den Reichstag.

Von 1880 bis zu seinem Tod am 29. Oktober 1884 verbrachte Albert Dulk, der mit Julius Motteler in Briefkontakt stand, viel Zeit in dem Waldhäuschen an der Römerstraße. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die von Arbeitern gestiftete Büste am Dulkhäusle enthüllt. Dass das Relief „zusehends verfällt“, weiß auch Peter Geier, der bei der Städtische Gebäude Esslingen für die technische Gebäudeunterhaltung zuständig ist. Sein Chef Wendelin Karg hat sich des Häuschens angenommen und ist zu dem Schluss gekommen, dass Dulks Büste auf jeden Fall restauriert werden muss. Allerdings brauche man dazu die Hilfe eines Restaurators und somit Geld.

Vor Verfall schützen

Da es aber auch um die Finanzen des städtischen Eigenbetriebs nicht allzu gut bestellt ist, „haben wir beschlossen, das Relief erst einmal einzulagern, um dadurch weiteren Schaden abzuwenden“, berichtet Peter Geier. Aber nicht nur das Relief an der Front des Waldhäuschens bereitet den Verantwortlichen bei der SGE Sorgen. „Der Gesamtzustand des Dulkhäusles ist nicht gerade gut.“ Da das Häuschen unter Denkmalschutz steht, „ist klar, dass wir es vor dem Verfall schützen müssen“, erklärt Geier. Deshalb hat man ein Auge auf das Dach. „Wenn das dicht ist, sind auch die wesentlichen Bau- und Konstruktionsteile geschützt.“

Ein Grundproblem ist aber die abgeschiedene Lage des Dichterdomizils. „Dort oben hat man kaum eine Kontrolle darüber, was passiert.“ Zwar hat die Stadt das Häuschen mietfrei einem Verein überlassen, der darin Bierbänke, Partyzelte und sonstige Utensilien aufbewahrt. „Dadurch ist die soziale Kontrolle wenigstens etwas größer, als wenn es völlig leer stünde“, meint Peter Geier. Allerdings weiß auch er, dass eine kontinuierliche Nutzung dem Kulturdenkmal auf lange Sicht besser bekommen würde. Doch daran ist im Augenblick nicht zu denken. Um das Dulkhäusle in größerem Stil zu beleben, wären massive Investitionen nötig. „Das Haus hat keine Heizung und keine brauchbaren Sanitäranlagen“, erklärt der Fachmann. So bleibt ihm und seinen Kollegen im Augenblick nichts anderes übrig, als „regelmäßig danach zu schauen und das Notwendigste zu tun, um die Substanz zu erhalten“.

KOMMENTAR

Bürgersinn

Eßlinger Zeitung 28.10.2009 - Von Dagmar Weinberg

Dass das Esslinger Dulkhäusle unter Denkmalschutz steht, ist wohl weniger seiner herausragenden Konstruktion oder seinem Alters, als vielmehr seiner Bedeutung für die Heimatgeschichte zu verdanken. Denn das schlichte Holzhäuschen an der Römerstraße, das Albert Dulk als Rückzugsort diente, erinnert nicht nur an ihn als Schriftsteller. Er ging auch als aufrechter Demokrat und freidenkerischer Streiter gegen nationalen Größenwahn und soziale Ungerechtigkeit in die Geschichte ein - Werte, an die es auch heute immer wieder zu erinnern gilt.

Es ehrt die Stadt, dass sie sich jetzt an ihre Verantwortung als Eigentümerin des Kulturdenkmals erinnert und versucht, wenigstens die vom Verfall bedrohte Büste Albert Dulks vor weiterem Schaden zu bewahren. Restauriert ist das Relief durch die Einlagerung aber noch lange nicht. Denn dazu fehlt das Geld.

Zwar betonen Politiker in Sonntagsreden sowie am Tag des offenen Denkmals gerne den hohen Wert des Denkmalschutzes. Fördermittel lassen Bund und Land aber immer spärlicher in die Kommunen fließen. So wird selbst die Sanierung herausragender Kulturdenkmale wie die des Alten Esslinger Rathauses oder der Burgstaffel zu einem finanziellen Kraftakt für die Stadt. Ohne die tatkräftige Mithilfe von Fördervereinen, die ideenreich Sponsoren suchen und Spenden sammeln, wäre es noch schwieriger, diese Baudenkmale, aber auch historische Kleinode zu erhalten.

Angesichts der in den kommenden Jahren noch knapper werdenden städtischen Finanzen täte derartiges bürgerschaftliches Engagement auch dem Holzhäuschen auf Esslingens Höhen und der Erinnerung an dessen Namensgeber Albert Dulk gut. Denn wenn sich Bürger engagieren, nehmen sie dadurch auch die Eigentümer in die Pflicht und verhindern, dass ein Denkmal am Ende in Vergessenheit gerät.

Der Mann vom Mondgebirge

Stuttgarter Zeitung vom 16.2.2011 - Biografie -

Albert Dulk war ein Revolutionär, Arbeiterführer, Frauenheld, Einsiedler und Dramatiker. Im Stuttgarter Bohnenviertel gründtet er Mitte des 19. Jahrhunderts diem erste Kommune Deutschlands. Vielleicht wären seine Abenteuer längst vergessen, gäbe es nicht Ilse Walther-Dulk, die das Andenken ihres Urgroßvaters bewahrt.

Albert DulkVon Ulrich Stolte

Eine Naturgewalt von einem Mann: zwei Meter groß, schulterlange braune Locken, stahlblaue Augen, stark wie ein Bär. Albert Benno Dulk war so etwas wie ein Esslinger Indiana Jones. Nur dass er ein härterer Kerl war als der Leinwand-Indy, ein größerer Gelehrter und ein erfolgreicherer Frauenheld: Dulk gründete 1858 in Stuttgart mit seinen drei Frauen und sechs Kindern die erste Kommune Deutschlands, er entwarf 1850 ein wasserstoffgefülltes Luftschiff, er erfand das Freeclimbing, er durchschwamm als Erster den Bodensee an seiner breitesten Stelle, und er wäre der erste deutsche Rucksacktourist in Ägypten gewesen, wenn er nur einen Rucksack gehabt hätte statt einer simplen schwarzen Kiste.

An besonderen Tagen wurde er hervorgeholt, der mit Blech ausgelegte schwarze Kasten, und dann öffneten die Eltern von Ilse Walther-Dulk den Deckel. Ehrfürchtig bestaunten die Kinder die Schätze darin: die Briefe, die Tagebücher, eine Tabakspfeife und eine Glasperlenkette. Jene Kiste beschreibt auch der Braunschweiger Schriftsteller Wilhelm Raabe in seinem Roman „Abu Telfan, oder die Heimkehr vom Mondgebirge", dessen Held Leonhard Hagebucher kein anderer ist als Ilse Walther-Dulks Urgroßvater, Albert Benno Dulk.

Jetzt ist die emeritierte Stuttgarter Romanistikprofessorin Ilse Walther-Dulk 90 Jahre alt. Ein Leben lang hat sie den Nachlass Albert Dulks aufbewahrt. Es gibt Menschen, die bestehen nur aus Kraft und Leidenschaft. Schon seine Mutter hatte dieses Feuer: Sie wollte eigentlich Alberts Onkel heiraten, nur war dieser in Weil sie aber nur einen Dulk und sonst gar keinen haben wollte, ging sie zu dessen Bruder Friedrich, der im Krankenbett mit dem Tode rang und machte ihm einen Heiratsantrag. Worauf Friedrich befand, es habe noch Zeit mit dem Sterben, mit Emilie fünf Kinder zeugte und als Chemieprofessor fortan in Königsberg eine Apotheke betrieb. Sein Sohn Albert Benno, geboren 1819, war ebenfalls promovierter Chemiker, aber noch mehr war er Dramatiker und Revolutionär.

1845 hielt Albert Dulk eine flammende Rede am Grab der erschossenen Studenten des Leipziger Volkskrawalls und sollte verhaftet werden. Eine Liebschaft, die Großbürgerstochter Pauline „Ini" Butter, versteckte seine revolutionären Schriften im Kleiderschrank und rettete ihn. Maßgeblich war Dulk an den Aufständen 1848 in Königsberg beteiligt, denn die Zeit war reif für mehr Demokratie, nur hatten es die Mächtigen nicht gemerkt. Als es zu spät war, erstickten die Fürsten die Revolution in Blut. Der Boden wurde Dulk in Deutschland zu heiß, er packte seine Kiste und floh. In der Mitte des 19. Jahrhunderts griffen die Kolonialmächte nach Ägypten, das damals noch Teil des osmanischen Reiches war. Frankreich und England begannen, sich den Nahen Osten aufzuteilen. Dulk wollte sich in Ägypten als Französischlehrer niederlassen. Er verließ 1849 seine mit dem zweiten Kind schwangere Königsberger Frau Hannchen Dulk.

In Italien besuchte er noch einmal Ini, die inzwischen Gouvernante in Triest geworden war, und stand ihr bei der Geburt seines unehelichen dritten Sohnes bei. Dulk war eben kein Mann, der halbe Sachen machte. Es gab noch mehr stürmische Nächte auf dieser Reise. Seinen perlenbestickten Tagebüchern in der schwarzen Kiste hat er auch jenen Abend mit der berühmtesten Hure Mittelägyptens anvertraut, Kuchuk Hanem, eine Damaszener Christin. Sie hat etlichen Orientreisenden den Kopf verdreht, aber es ist Dulk, der nun ihr den Kopf verdreht. Nachdem er ihren Nackttanz und noch mehr genossen hat, will die Christin mit ihm nach Kairo und Assuan fliehen. Dulk jedoch hat anderes zu tun und reist ab.

Drei Tage später am 3. März 1850 ist ein schmächtiger Franzose bei Kuchuk Hanem. Gustave Flaubert nimmt ebenfalls ihre Liebesdienste in Anspruch und beschreibt ausführlich ihre anatomischen Vorzüge: „Ihre Möse berührte mich mit Samtpolstern", vertraut er seinem Tagebuch an. Bis heute wäre diese Stelle aus Flauberts Tagebuch unentdeckt geblieben, wenn nicht Ilse-Walther Dulk eine Kopie seiner Tagebücher aus Paris angefordert hätte und auch das übersetzte, was schamhaftere Forscher bisher weggelassen haben. In Alexandria muss Dulk seinen Plan, Französischlehrer zu werden, aufgeben, weil er sich sofort mit der europäischen Hautevolee zerstreitet. In Karnak trifft er am 6. März 1850 einen Lord Stanhope, vermutlich Philip Henry Stanhope, dessen Familienname zu der Zeit eine gewisse Berühmtheit aufweist, denn seine Tante war die legendäre Queen of the East, Lady Hes-ter Stanhope, die im Libanon ein altes Christenkloster wiederaufgebaut hatte und dort Anführerin der Räuberbanden geworden war: Sie lebte allein mit 24 Katzen, für jedes Tierkreiszeichen zwei und starb mittellos, die nackte Leiche wurde verlassen in einem Zimmer voller Unrat gefunden. Bis zur letzten Stunde bot die Lady der auch schon damals nicht zimperlichen englischen Skandalpresse reichlich Futter.

Stanhope erklärt Dulk ein rätselhaftes Zeichen, das man damals den „Nilschlüssel" nannte und heute das „Ank", eine Hieroglyphe, die in der Jugendkultur als silbernes Amulett das Dekollete von vielen schwarz gewandeten Gothic-Fans schmückt. Die Ägyptologie weiß, dass es eine stilisierte Sandale ist, die später zum Lebenszeichen erklärt wurde und als koptisches Kreuz in das orientalische Christentum drang, aber Stanhope und Dulk war damals klar: der runde Kreis oben ist die Vagina und der Stil das männliche Glied, aus dem Dulk in einigen Darstellungen den „kräftig hervorspringenden Lebenssaft" zu erkennen glaubt.

Der Tempel von Karnak beeindruckt den 30-jährigen Dulk schwer: Die hohen Säulen sind ihm „ein Wald von aufgerichteten männlichen Ruten", die das Allerheiligste einschließen. Hier in Ägypten fühlt Albert Dulk seine männliche Kraft am tiefsten. In einer lebensgefährlichen Stafette turnt er auf das Dach des Tempels von Dendera, im Pyramidenfeld von Daschur dringt Dulk in die Grabkammern ein, Ströme von Fledermäusen kommen ihm entgegen, er zwängt sich durch die Spalten, gelangt in eine große Kammer und inmitten der im wahrsten Sinne des Wortes ägyptischen Finsternis übermannt ihn die Muse: Er schreit Worte und Verse gegen die Steine, die er später als Epos niederschreibt. Vier Wochen später zieht im Morgengrauen eine kleine Karawane durch die Wüste Sinai. Der Beduine Imbarak vorneweg, er hat gerade einen durchgeknallten Deutschen zurückgelassen, der in der Nacht per pedes zum roten Meer aufgebrochen war, weil er baden wollte. Die Gelegenheit ist günstig, um zu stehlen, was der Deutsche hat, denkt Imbarak, soll der verrückte Ausländer doch verrecken. Imbarak weiß nicht, dass ihm sein Verfolger schon auf den Fersen ist. Albert Dulk rennt anderthalb Stunden über das Gebirge hinter der Karawane her, mit eisernem Willen quält der Zweimetermann seinen Körper, der seit fünf Stunden ohne einen Schluck Wasser ausgekommen ist, durch die Wüste. Er springt den abtrünnigen Beduinen von der Seite an und wirft ihn nieder. Doch den tödlichen Genickstoß, zu dem Dulk mit dem Gewehr schon ausgeholt hat, den versagt er sich im letzten Augenblick aus Menschenliebe. Neun Stunden nördlich des Katharinenklosters ist eine öde sonnendurchglühte Felswüste. Auf einem Ange-birge Richtung Osten thront, wie der Sitz der Götter, ein großer Granitblock, in der Höhle darunter wohnt Albert Dulk, schlägt sich mit Skorpionen und Schlangen herum. Und wenn ihm die dauernden Besuche der Beduinen und die Schikanen der türkischen Behörden Zeit lassen, dann schreibt er. Eines Tages, als es ihm langweilig ist, turnt er wieder in den Felsen herum und erfindet das Freeclimbing. Er nennt es „spazieren klettern". In diesen Monaten, nur den gestirnten Himmel über sich und die Wüste um sich, beginnt Albert Dulk seine erste moralphilosophische Schrift. Er ist jetzt 30 Jahre alt und hat mehr erlebt, als je ein Königsberger zuvor. Die Kinder fehlen ihm und seine zwei Frauen.

Ilse Walther-Dulk weiß, dass es Maison Rouge hieß, jenes einsame Weinberghäuschen in Chaulin am Genfer See, in das Dulk mit seiner Frau zog, nachdem er im Juli 1850 Ägypten verlassen hatte. Ilse Walther-Dulk hat es durch Zufall ausfindig gemacht und besichtigt. Albert Dulk schenkt seiner Frau Hannchen sein ganzes Vermögen, weil er als Revolutionär arm sein will. Hannchen holt Ini, die Geliebte ihres Mannes, und deren Söhnchen ins Haus, um Geld zu sparen. Albert Dulk nutzt die Gelegenheit und zeugt mit Ini das zweite Kind und holt die dritte Frau ins Haus, seine Partnerin Else Bußler. Doch wird das Geld immer knapper, und so geht die Familie 1858 nach Stuttgart. Dort ist es billiger, dort gibt es Verleger, und dort wohnt ein Königsberger, der am Stuttgarter Staatstheater vielleicht ein Drama Albert Dulks aufführen will, es ist die „Lea": Das erste Stück in der Literaturgeschichte, das den Justizmord des württembergischen Königs an Joseph „ Jud" Süß Oppenheimer kritisiert. In den Stuttgarter Literaturzirkeln trifft Dulk auch Wilhelm Raabe. Nebenbei macht er Schlagzeilen, als er als erster Mensch den Bodensee an seiner breitesten Stelle durchschwimmt. Im Bohnenviertel gründet die Familie die erste Kommune Deutschlands. Eine Frau kümmert sich eine Woche um die Kinder und den Haushalt, die beiden anderen Frauen dürfen schreiben, danach wird abgewechselt. Nach außen herrscht in dem polygamen Haushalt in der Rosenstraße eitel Sonnenschein, aber nach innen hin, wie die Briefe belegen, die Ilse Walther-Dulk gesammelt hat, sind die Frauen eifersüchtig. Dennoch macht die Triade Eindruck: „Dulk konnte diese dreifache Ehe in Stuttgart ganz öffentlich und unangefochten durchführen, denn es wohnte damals in dem kleinen Schwabenland die weitherzigste Romantik Tür an Tür mit dem beschränktesten Spießertum", schrieb die Schriftstellerin Isolde Kurz. Die Kommune scheitert. Dulk zieht 1871 mit nur zwei Frauen nach Untertürkheim in die Jakobsstraße 1. Jetzt ist er 52 Jahre alt. Arm ist er geworden, und beim großen Börsenkrach 1873 zerrinnt das letzte Vermögen.

In den Neckarvorstädten wohnt das Industrieproletariat; und wenn sechzig Jahre später Männer aus den roten Neckarvororten das Kabelattentat auf Hitler verübten, ist das Sozialisten wie Dulk zu verdanken, die Generationen geprägt haben. In den Sommermonaten lebt Dulk in einem alten Waldarbeiterhaus in Esslingen, das heute Dulkhäusle genannt wird, um zu schreiben. Er ist ein unermüdlicher Kämpfer für die Sozialdemokratie und bereitet ihre Wahlerfolge vor. Immer ist er der Justiz ein Dorn im Äuge. Kurz vor dem Verbot der SPD-Vorläufer 1878 kommt Dulk für 14 Monate ins Gefängnis wegen Volksverhetzung. Doch er, der bereits so vieles überstanden hat, lässt sich nicht brechen und arbeitet aus der Gefängniszelle heraus weiter.

Ein Leben wie dieses fordert auch vom Körper eines Hünen seinen Zoll. 1884 ist Albert Dulk 62 Jahre alt. Es ist ein Oktobertag in Stuttgart und Dulk auf der Heimfahrt nach Untertürkheim. Ein Schlaganfall lässt ihn am Bahnhof zusammenbrechen. Er ist sofort tot. Seine Beerdigung gerät zur größten Demonstration der Sozialdemokratie, die Württemberg bis dahin gesehen hatte. Ilse Walther-Dulk hat sie im Geiste ihres großen Vorbildes Marcel Proust als „materialisierte Zeit" bezeichnet, diese schwarze Kiste, die ihre Mutter aus dem brennenden Berlin des Zweiten Weltkriegs rettete. Im Alter von 85 Jahren vermachte Ilse Walther-Dulk den schwarzen Kasten, die Tabakspfeife und die Erinnerungen an die berühmteste Hure Ägyptens dem Literaturarchiv in Marbach, ebenso die Briefe mit dem Entwurf des Flugapparates, den Albert Dulk en passant erfunden hatte. Wenn Ilse Walther-Dulk über ihren Urgroßvater spricht, dann spürt man in ihr die Dulk'sche Leidenschaft, die nicht nachgelassen hat, auch nach 90 Lebensjahren nicht.

Das morsche Dulkhäusle wird von Grund auf erneuert

Siehe dazu auch Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 16.2.2011 zu Albert Dulk:
"Der Mann vom Mondgebirge" > hier <

Artikel aus der Filder-Zeitung vom 17.02.2011

Esslingen:
Ohne den Rechnungsblock zu bemühen, restaurieren Handwerker demnächst das Literaturdenkmal.

Von Ulrich Stolte
Zuletzt hat es nur noch ein Lastwagengurt zusammengehalten. Die Dachkonstruktion des Dulkhäusles beim Esslinger Jägerhaus war zusammengefault, und Handwerker haben den Gebäude-Torso in Plastikfolie eingepackt. Jetzt hat die SGE, die Städtische Gebäude Esslingen, den Startschuss für die Sanierung des Häusles angekündigt. Am 21. Februar wird sich eine Gruppe Esslinger Handwerker der Ruine annehmen und sie ehrenamtlich wieder aufbauen. Wie die Gesellschaft mitteilt, werden eine Woche lang der Aufbau aus Holzbauteilen und Mauerwerk abgetragen und entsorgt. Während dieser Arbeiten müssen Autofahrer auf der Römerstraße mit Behinderungen rechnen. Anschließend sichern Steinmetze den Gebäudesockel. Auf diesem Fundament werden Zimmerleute, Klempner, Dachdecker sowie Fenster- und Türenbauer das Häusle wieder originalgetreu herrichten. Im Sommer soll es fertig sein. Ungewiss ist jedoch noch dessen Nutzung, die Stadt ist für Vorschläge dankbar. Ursprünglich hätte das Häusle für 79 000 Euro saniert werden sollen. Nachdem das Geld aber in den letzten Sparhaushalten nicht mehr vorhanden gewesen war, haben sich Esslinger Handwerker und der Bürgerausschuss St. Bernhardt zusammengetan, um das Literaturdenkmal im Schurwald zu erhalten. Die Esslinger Bürger haben knapp 10 000 Euro an Spenden beigesteuert, ebenfalls gesponsort ist die Restauration der Dulkbüste, die in der Südseite des Gebäudes eingelassen war.

Albert Dulk hatte das ehemalige Waldarbeiterhaus die letzen Jahre seines Lebens als Sommerklause genutzt, um zu schreiben. Gewohnt hat er mit seinen zwei Frauen in Untertürkheim, eine dritte Liebschaft soll ihn ab und zu im Häusle besucht haben. Es geht die Sage, dass die Esslinger dem Sozialrevolutionär auch deswegen ein freundliches Asyl gewährt haben, um den württembergischen König zu ärgern, auf den sie nach dem Verlust ihrer städtischen Freiheit nicht gut zu sprechen waren. Inzwischen haben verschiedene kulturelle Kreise den Schriftsteller wieder entdeckt.

  • Der Kulturtreff Untertürkheim kündigt für den 18. März 2011 einen Vortrag zum Leben Albert Dulks an. Er beginnt um 20 Uhr in der Stadtteilbücherei Untertürkheim in der Strümpfelbacher Straße 45 .
  • Das Kaffeehaus-Sonne am Blarerplatz in Esslingen lädt für Sonntag, 27. Februar, 11 bis 13 Uhr zu einer satirischen Matinee zum Thema Dulk ein. Verschiedene Kaffeehausliteraten wie Andreas Roos, Regine Haug und Markus Schmitt wollen sich Gedanken über die Zukunft des Dulkhäusles machen.
  • www.Kaffeehaus-Sonne.de in Esslingen am Neckar

Ilse Walther-Dulk hilft Albert Dulk
UNTERTüRKHEiMER ZEITUNG vom 15.3.2011

(dob) – Die 90-jährige Romanistik-Professorin Ilse Walther-Dulk hat 1000 Euro für das Andenken ihres Urahnen Albert Dulk gespendet.

Der Esslinger Kulturbürgermeister Markus Raab nahm dieser Tage beim Dulkhäusle die Spende entgegen. „Ich fühlte mich einfach verpflichtet, hier zu helfen“, sagte die 90-Jährige emeritierte Stuttgarter Professorin, „als ich erfuhr, in welchem beklagenswerten Zustand das Dulkhäusle ist“. Ein Leben lang hat Walther-Dulk als Nachlassverwalterin Gegenstände und Dokumente des preußisch-schwäbischen Dramatikers, Philosophen, Revolutionärs und Abenteurers Albert Benno Dulk (1819 bis 1884) gesammelt.

Albert Dulk hat das Häuschen in seinen letzten Lebensjahren genutzt. nach einem mehr als turbulenten Leben hatte er in Stuttgart die erste Kommune Deutschlands gegründet und wohnte dort mit seinen drei Frauen und sechs Kindern im Bohnenviertel.

1871 war er dann nach Untertürkheim gezogen, um für die Rechte der Arbeiter in den Stuttgarter Neckarvorstädten zu kämpfen. Iim Sommer genoss er in der alten Waldarbeiterunterkunft beim Esslinger Jägerhaus die Ruhe und widmete sich dort seinen philosophischen Studien. nach seinem plötzlichen Tod im Jahre 1884 im Alter von 65 Jahren wurde das Dulkhäusle ein Wallfahrtsort für Sozialdemokraten und Arbeiterführer. Das leer stehende Dulkhäusle war in den vergangenen Jahren immer mehr verfallen. Jetzt ist es abgerissen worden. eine Initiative von Esslinger Handwerkern baut es zurzeit wieder auf. Sie verzichten auf ihren Stundenlohn, um die ehemalige Waldarbeiterhütte wieder instand zu setzen.

Die Neueröffnung ist zum Tag des Denkmals im September 2011 geplant.

Dulk-Urenkelin spendet fürs Dulkhäusle

Zwiebel Anzeigenblatt Esslingen 16.03.2011 Seite 8

(r) Die 90-jährige Romanistik-Professorin Ilse Walther-Dulk spendete 1000 Euro für das Andenken ihres großen Urahnen Albert Dulk. „Ich fühlte mich einfach verpflichtet, hier zu helfen", sagt die 90-jährige Urenkelin und emeritierte Stuttgarter Professorin, „als ich erfuhr, in welchem beklagenswerten Zustand das Dulkhäusle ist".

Leider konnte die Tochter von Dulks 2. Frau Inis Sohn Benno wegen einer Bronchitis die Spende am Aschermittwoch dann doch nicht selbst überreichen, sondern schickte eine Freundin und bekennende Verehrerin des Albert Dulk. „Ich wäre auch Dulks sechste Frau geworden!" schwärmt die Kunsthistorikerin und Autorin Regine Haug aus Stuttgart. Der Esslinger Kulturbürgermeister Dr. Markus Raab nahm beim inzwischen bis auf das Natursteinfundament abgerissene Dulkhäusle die Spende entgegen und bedankte sich herzlich für das spontane Engagement.
Raab - Haug

Ein Leben lang hat Ilse Walther-Dulk als Nachlassverwalterin Gegenstände und Dokumente des preußisch/schwäbischen Dramatikers, Philosophen, Revolutionärs und Abenteurers Albert Benno Dulk (1819 bis 1884) gesammelt. Sie besitzt ein Gemälde seines letzten Untertürkheimer Arbeits- zimmers, sie hat Stiche aus allen Lebensstationen des Revolutionärs von Königsberg über Ägypten bis Stuttgart, sowie eine umfangreiche Fotosammlung. Der Hauptteil ist bereits im Literaturarchiv Marbach, doch noch immer bemüht sich die Wissenschaftlerin, weitere Gegenstände aus Albert Dulks Hinterlassenschaft zu bekommen. Albert Dulk hat das romantische Häuschen in seinen letzten Lebensjahren genutzt.

Dr. Markus Raab nahm die Spende der Dulk-Urenkelin aus den Händen der Kunstkritikerin Regine Haug entgegen.

Nach einem mehr als turbulenten Leben hatte er in Stuttgart die erste Kommune Deutschlands gegründet und wohnte dort mit seinen drei Frauen und sechs Kindern im Bohnenviertel. Er wollte ein Drama gegen den Justizmord an Joseph Süß Oppenheimer auf die Bühne bringen und wurde dabei selbst zur Romanfigur. Wilhelm Raabe verewigte ihn in seinem „Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge." 1871 war er nach Untertürkheim gezogen, um für die Rechte der Arbeiter in den Stuttgarter Neckarvorstädten zu kämpfen. Im Sommer genoss er in der alten Waldarbeiterunterkunft beim Esslinger Jägerhaus die Ruhe und widmete sich dort seinen philosophischen Studien. Nach seinem plötzlichen Tod im Jahre 1884 im Alter von 65 Jahren wurde das Dulkhäusle ein Wallfahrtsort für Sozialdemokraten und Arbeiterführer.

„Dulk ist ohne Frage, eine Figur, die mehr Aufmerksamkeit verdient," erklärte er. „Er war eine schillernde Persönlichkeit, heute könnte man sagen, er war „Hollywood-reif". Der Freidenker führte ein eigenständiges Leben, orientierte sich nicht an irgendwelchen Normen und fiel dadurch aus seiner Zeit. Er würde wahrscheinlich auch heute aus seiner Zeit fallen!" Markus Raab erhofft sich von der Wiedererrichtung des Dulk-häusles, dass die Person Dulk in Esslingen neu entdeckt wird. Das leerstehende Dulkhäusle war in den letzten Jahren immer mehr verfallen. Nachdem Experten die Kosten einer Sanierung auf 79 000 Euro geschätzt hatten, blieb das Schicksal des Häusles ungewiss.

Einer Initiative von Esslinger Handwerkern ist es zu verdanken, dass Bewegung in die Sache kam. Sie verzichteten auf ihren Stundenlohn, um die ehemalige Waldarbeiterhütte wieder instand zu setzen. Dennoch gibt es weiteren Finanzbedarf. Der Bürgerausschuss St.-Bernhardt-Kennenburg- Wiflingshausen hat für die Restaurierung ein Spendenkonto eingerichtet: Spendenkonto „Dulkhäusle" Volksbank Esslingen Konto 244212007 BLZ 611 901 10.

Albert Dulk - ein Leben wie ein Roman

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 21.3.2011:
In einer szenischen Lesung berichten Regine Haug und Eberhard Hahn über den Freidenker

(mk) - Nicht nur wegen seiner Körpergröße, sondern auch wegen seines Denkens und Handelns war Albert Dulk im 19. Jahrhundert eine auffallende Persönlichkeit. Der Rebell, Freidenker und Frauenheld, der seine letzten 13 Jahre in Untertürkheim verbrachte, polarisierte.

Er provozierte und fasziniert offenbar noch heute. In einer szenischen Lesung brachten Regine Haug und Eberhard Hahn Dulks Leben authentisch nahe.

Haug: „Sein Leben war wie ein Roman.“ Zugegeben, es waren nicht Tausende wie beim Trauerzug zu Ehren des verstorbenen Freidenkers im Jahr 1884. Dennoch fasziniert Dulk auch 127 Jahre später noch so stark, dass der Kulturhausverein am Freitagabend die Lesung über das Leben des Freiheitsdenkers vom Kulturtreff in die Stadtbücherei verlegte. „Dulk ist eine schillernde Persönlichkeit, die man schwer einsortieren kann“, begrüßte Kulturhaus-Chef Rainer Deiss die Zuhörer. Hahn und Haug versuchten die Person auf besondere Art nahezukommen: im Dialog. Haug als Frau und Kulturverständige, der der athletische Abenteurer und Künstler imponiert.

Hahn Haug
Eberhard Hahn und Regine Haug bem Dulk-Abend - Foto: Enslin

Ortschronist Hahn beschrieb den Zuhörern die Lebenswirklichkeit und das Denken der Untertürkheimer im ausgehenden 19. Jahrhundert. „Meine Großeltern haben nur 500 Meter von dem Haus gewohnt, in dem Dulk von 1871 bis zu seinem Tod 1884 lebte.“ Im damals pietistisch geprägten Untertürkheim blieb den Nachbarn eines besonders in Erinnerung. „Des ist der, der mit drei Frauen gelebt hat“, erfuhr Hahn immer wieder, als er über den Freidenker recherchiert. Geboren wurde der Apothekerssohn 1819 in Königsberg. Seine Karriere war vorprogrammiert. Gymnasium, Studium, Übernahme der väterlichen Apotheke. Der Querdenker schloss sich den aufständischen Demokraten der Revolution von 1848 an. Nach dem Scheitern musste er fliehen. Seine Flucht führte ihn in den Orient. Zurück in Europa ließ er sich bei Genf nieder, bevor der Schriftsteller sich 1858 in Literaturhochburg Stuttgart niederließ.

Er wurde Mitglied des literarischen Zirkels, betätigte sich als Kritiker, verfasste kirchenkritische Texte, bezog 1871 mit seinen „drei Frauen“ das Haus an der Ecke der heutigen Schlotterbeck-/Augsburger Straße, wurde 1875 Gründungsmitglied der SPD, war ein gefragter Redner und gründete 1882 die erste Freidenkergemeinde in Stuttgart. Nicht nur in der Politik ging er besondere Wege. „Er war ein Suchender, den die ungelösten Rätsel der Welt interessierten“, so Haug. Reisen führten ihn nach Ägypten, Lappland und nach Afrika. Er war der erste Mensch, der in 6,5 Stunden den Bodensee in seiner längsten Ausbreitung durchschwamm, umso unvorstellbarer war sein plötzlicher Tod: Der Super-Athlet erlag einem Herzinfarkt im Hauptbahnhof - sein letzter Auftritt. Der Trauerzug durch Stuttgart wurde zur Massendemonstration mit bis zu 25 000 Menschen. Nachdem die Nazis 1933 eine nach ihm benannte Straße im Lindenschulviertel umbenannt hatten, bekam er 2003 eine neue: Sie zweigt vom Bruckwiesenweg ab „und ist eigentlich zu unbedeutend für solch einen großen Menschen“, meint Haug.

Stadt sucht Mieter für das Dulkhäusle

Untertürkheimer Zeitung vom 20.8.2011
Esslingen/Untertürkheim: Am 25. September 2011 gibt es einen Festakt mit einer Lesung

(dob) –Nur Fenster, Treppe und Geländer fehlen noch am neuen Dulkhäusle an der Römerstraße. Bis in zwei, drei Wochen soll es fertig sein. Ehrenamtliche Arbeit und Spenden haben den Wiederaufbau möglich gemacht. Am 25. September wird es mit einer Lesung und einem kleinen Festakt offiziell vorgestellt. Noch sucht die Stadt nach einem Mieter oder Ideen, wie man die Hütte sinnvoll nutzen könnte.

Außer dem kleinen Häuschen am Waldrand gibt es keine Stätte, die an den 1848er-Revolutionär Albert Benno Dulk (1819-1884) erinnert. Das lange Jahre in Untertürkheim lebende Multitalent setzte sich mutig für die Arbeiterbewegung ein. Fast schon vergessen war der Literat, von dem in Stuttgart und Esslingen viele nur wissen, dass er sich den gesellschaftlichen Normen verweigerte und mit drei Frauen gleichzeitig verheiratet war. erst die Diskussion um das halb verfallene Häuschen an der Römerstraße hat in den vergangenen drei Jahren bei vielen das Interesse an Dulk geweckt.

In seinen letzten Lebensjahren war er oft von Untertürkheim zu dem kleinen Forsthaus hinaufgestiegen, um zu schreiben. Als Handwerker vor einem Jahr den Dachstuhl erneuern wollten, stürzten die Mauern ein. Bei einer näheren Untersuchung der völlig verwurmten Hütte stellte sich heraus, dass kaum noch ein Holzsplitter aus Dulks Zeiten stammte. Das Häuschen war in den 50er-Jahren neu errichtet worden. Der Denkmalschutz stand einem Abriss und Neubau jetzt nicht mehr im Wege. viele Esslinger zweifelten dennoch an einem Wiederaufbau.

Denn mehr als ein halbes Jahr lang stand die Ruine unberührt und eingezäunt an der Römerstraße. Doch zahlreiche Spenden, die ehrenamtliche Arbeit örtlicher Handwerker und der engagierte Einsatz des Bürgerausschusses St. Bernhardt, Kennenburg, Wiflingshausen, ließen das Häuschen wieder erstehen. Die Schlussabrechnung steht noch aus. „Ohne diese Freiwilligkeitsleistungen hätte uns der Wiederaufbau 80 000 bis 90 000 Euro gekostet“, sagt Wendelin Karg, technischer Leiter des Eigenbetriebs Städtische Gebäude.

Eine Summe, die der städtische Haushalt nicht hergibt. Wie viel die Stadt noch selbst beisteuern muss, ist nicht ganz klar, die Schlussabrechnung steht noch aus. „Aber ich träume davon, dass es bei 10 000 Euro bleibt“, sagt Karg. Am Sonntag, 25. September, wird das Dulkhäusle im Rahmen einer Lesung der Öffentlichkeit vorgestellt. Dann kann man sich auch die restaurierte Büste anschauen, die dann wieder an der Außenwand hängen soll. Der Musikverein Liebersbronn sei gleich bereit gewesen, sein Gelände gegenüber dem Dulkhäusle für die Veranstaltung zur Verfügung zu stellen, sagt Stefanie Bayer vom Kulturreferat der Stadt Esslingen. Der Verein sorgt auch für Bewirtung und Musik.

Der Schauspieler Sebastian Kowski vom Staatstheater Stuttgart liest Texte von und über Dulk. Wer mag, kann auch einen Blick in die Schreibstube werfen. Stelltafeln außerhalb der Hütte sollen für vorübergehende einen kleinen Einblick in das Leben und Werk des Albert Dulk geben. Wann sie aufgestellt werden, kann Bayer nicht sagen: „Sie sind Teil eines Gesamtkonzepts.“ Was man mit dem Häuschen mit seinen 28 Quadratmetern, ohne Toilette und ohne Heizung in Zukunft anfangen könnte, weiß keiner so recht. „Wir wünschen uns eine fortwährende Nutzung“, sagt Karg. ein Journalist aus Tübingen würde das Dulkhäusle gerne mieten und im Sommer als Schreibstube nutzen. Denkbar wäre auch, dass der Musikverein Liebersbronn in dem Häuschen wieder Bierbänke und Sonnenschirme lagert. ganz glücklich ist Kkarg mit keiner der beiden Varianten.

Gedenktafel des Bürgervereins Untertürkheim für Albert Friedrich Benno Dulk

Enthüllung am Freitag, den 2.9.2011 um 17 Uhr in Untertürkheim an der
Ecke Schlotterbeckstraße/Augsburger Straße.

Wohnhaus Dulk
Untertürkheimer Wohnhaus Albert Dulks -Schlotterbeckstraße1 / Ecke Augsburger Straße (abgerissen)

Albert Friedrich Benno Dulk  wohnte von 1871 bis 1884 in Untertürkheim in der damaligen Jakobstraße 1, heute Schlotterbeckstraße.

Als Freidenker, Dramatiker, Sozialdemokrat, Revolutionär, Athlet, Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Frauenliebling gehörte er zu den außergewöhnlichen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts.

Albert Dulk wurde am 17. Juni 1819 in Königsberg geboren, er starb am 29. Oktober 1884 im Stuttgarter Hauptbahnhof an Herzversagen. Der Trauerzug durch Stuttgart am 2. November 1884 war mit geschätzten 5.000 bis 10.000 Teilnehmern die größte Massendemonstration während des Sozialistengesetzes. Die Feuerbestattung erfolgte in Gotha.

QR-Code-DulkAlle 30 Gedenktafeln des Bürgervereins Untertürkheim wurden ohne Unterstützung der Stadt Stuttgart aus eigenen Mittel finanziert. Zukünftig wird für Interessierte auf jeder Tafel  ein sogenannter QR-Code aufgedruckt (siehe rechts). Damit können mit jedem Fotohandy und installiertem QR-Reader weiterführende Informationen abgerufen werden – hier ist es ein Link zur Seite von Albert  Dulk auf Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Dulk) .
PS.: Am So 25.9.2011 wird in Esslingen das sogenannte Dulkhäusle wiedereröffnet. Dort wird ab 15 Uhr das neue Dulkhäusle mit einer Lesung  von Schauspieler Sebastian Kowski und einem Fest auf dem Gelände des Musikvereins Liebersbronn der Öffentlichkeit vorgestellt.

Eine Tafel erinnert an einen Tausendsassa

Stuttgarter Zeitung - "Bad Cannstatt und Neckarvororte", vom 02.09.2011

Untertürkheim Der Bürgerverein erweitert seinen baugeschichtlichen Wegweiser um ein Schild am Haus von Albert Dulk.

Von Annina Baur

Er war der erste Mensch, der den Bodensee an seiner breitesten Stelle durchschwamm, er erfand ein wasserstoffgefülltes Luftschiff und er gründete 1858 mit seinen drei Frauen und sechs Kindern im Stuttgarter Bohnenviertel die erste Kommune Deutschlands. Allein diese drei Beispiele zeigen, dass es kaum etwas gibt, das Albert Friedrich Benno Dulk nicht konnte. "Er war eine der wichtigsten Personen, die jemals in Untertürkheim gewohnt haben", sagt Klaus Enslin, der Vorsitzende des Bürgervereins Untertürkheim.

DulkUm an den Freidenker, Dramatiker, Sozialdemokrat, Revolutionär, Athlet, Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Frauenliebling zu erinnern, hat der Bürgerverein eine Gedenktafel anfertigen lassen und an der Ecke Schlotterbeckstraße/Augsburger Straße angebracht. In der damaligen Jakobstraße 1 hatte Dulk von 1871 bis zu seinem Tod 1884 gelebt.

Neben Dramen und Opernlibretti verfasste er während dieser Zeit in Untertürkheim - und in den Sommermonaten in einem Forsthäuschen oberhalb von Esslingen - kirchenkritische Texte, insbesondere "Der Irrgang des Lebens Jesu".

Nach der Reichseinigung unter Preußens Führung schloss sich Dulk der Arbeiterbewegung an und vertrat von 1875 an als Stuttgarter Delegierter auf dem Vereinigungskongress der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands in Gotha 1875 den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Am 2. April 1882 gründete Albert Dulk in Stuttgart die erste Freidenkergemeinde innerhalb des seit 1881 bestehenden Deutschen Freidenkerbundes.

"Dulk war ein mit niemandem vergleichbares Multitalent", sagt Enslin über den berühmten Bürger Untertürkheims. Die Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnort ist die nunmehr 30. im baugeschichtlichen Wegweiser des Bürgervereins, der kostenlos im Bezirksrathaus erhältlich ist. Darin werden wichtige Personen und Gebäude beschrieben sowie ein Rundweg aufgezeigt, der zu den wichtigsten, historischen Stationen im Stadtbezirk führt.

Termin: Die offizielle Enthüllung der Tafel ist heute um 17 Uhr an der Ecke Schlotterbeckstraße/Augsburger Straße. Regine Haug wird einige Dulksche Gedichte vortragen.

Gedenktafel für einen Vordenker

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 5.9.2011: Bürgerverein bringt Hinweisschild zu Ehren von Albert Dulk an

(mk) - Nicht nur wegen seiner Körpergröße, sondern auch wegen seines Denkens und Handelns war Albert Dulk im 19. Jahrhundert eine auffallende Persönlichkeit. Der Rebell, Freidenker und Frauenheld, der seine letzten 13 Jahre in Untertürkheim verbrachte, polarisierte. Am Freitag brachte Bürgervereinsvorsitzender Klaus Enslin am Haus gegenüber des einstigen Dulkschen Wohnorts eine Gedenktafel an, die an den berühmten Untertürkheimer erinnert.

Dulk Enslin
Klaus Enslin, der Vorsitzende des Bürgervereins, an der Gedenktafel für Albert Dulk.
Es hängt am Haus gegenüber seines einstigen Wohnorts. Foto: Kuhn

Zwar nicht Tausende wie beim Trauerzug zu Ehren des verstorbenen Freidenkers im Jahr 1884, aber immerhin zwei Dutzend Bewunderer von Albert Friedrich Benno Dulk kamen am Freitagnachmittag zur offiziellen Enthüllung der jüngsten Gedenktafel des Bürgervereins. Bereits 29 dieser Hinweisschilder machen die Besucher des Stadtbezirks auf historisch interessante Gebäude und Orte aufmerksam. An den „berühmtesten Untertürkheimer“, wie ihn Autorin Regine Haug tituliert, erinnert nun die 30. Silbertafel. Am Haus an der Ecke Augsburger Straße/ Schlotterbeckstraße weist sie auf den einstigen Wohnort des imposanten Mannes hin. „Er lebte von 1871 bis zu seinem Tod im Jahr 1884 im Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, das jedoch vor wenigen Jahren abgerissen wurde und einem Neubau Platz machte“, erklärt Enslin.

Den meisten von Dulks Zeitgenossen war das Gebäude damals sicherlich suspekt. Schließlich wohnte und lebte er mit drei Frauen zusammen. „Er gründete die erste Kommune in Deutschland“, meinte Enslin. Dulk jedoch nur auf seine stattliche Erscheinung und seine Polygamie zu reduzieren, wäre ungerecht. Der Apothekersohn war „Multitalent“. Geboren wurde er 1819 in Königsberg. Seine Karriere war eigentlich programmiert. Gymnasium, Studium, Übernahme der väterlichen Apotheke. Doch der Querdenker schloss sich den aufständischen Demokraten der Revolution von 1848 an. Nach dem Scheitern musste er fliehen. Seine Flucht führte ihn nach Ägypten. Haug trug einige Passagen aus dem Kairoer Tagebuch von Dulk vor.

Zurück in Europa ließ er sich zunächst bei Genf nieder, bevor der Schriftsteller sich 1858 in der Literaturhochburg Stuttgart niederließ. Er wurde Mitglied des literarischen Zirkels, betätigte sich als Kritiker, verfasste kirchenkritische Denkschriften, wurde 1875 Gründungsmitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, dem Vorläufer der SPD. Er war ein gefragter Redner und gründete 1882 die erste Freidenkergemeinde in Stuttgart. Doch nicht nur in der Politik ging er besondere Wege. Er war der erste Mensch, der in 6,5 Stunden den Bodensee in seiner längsten Ausbreitung durchschwamm, umso unvorstellbarer war sein plötzlicher Tod: Der Athlet erlag einem Herzinfarkt im Hauptbahnhof - sein letzter Auftritt.

Der Trauerzug durch Stuttgart wurde zur Massendemonstration mit bis zu 25 000 Menschen. Nachdem die Nazis 1933 eine nach ihm benannte Straße im Lindenschulviertel umbenannt hatten, bekam er 2003 eine neue: Sie zweigt vom Bruckwiesenweg ab. „Jetzt hat er wenigstens noch ein Hinweisschild an seinem einstigen Wohnort“, dankte Haug dem Bürgerverein. Die historische Tafel hängt genau unter dem Straßenschild, das an weitere politische Kämpfer erinnert - an Friedrich Schlotterbeck und die Mitglieder seiner von den Nazis ermordeten Widerstandsgruppe.

Berühmter Untertürkheimer erhält Gedenktafel

Stuttgarter Wochenblatt 15.9.2011
Bürgerverein enthüllt Infotafel für Albert Friedrich Benno Dulk

Eigentlich ist sie nicht ganz korrekt angebracht, denn Dulk wohnte von 1871 bis 1884 im Haus gegenüber in der heutigen Schlotterbeckstraße. Dort hat sich allerdings der Vermieter gegen das Anbringen einer Gedenktafel ausgesprochen. So verweist die neu angebrachte Tafel den interessierten Leser auf das Haus in seinem Rücken.

Dulk
Klaus Enslin (links) vom Bürgerverein Untertürkheim sowie Regine und Roland Haug bei der
Enthüllung der Gedenktafel für Albert Dulk in der Schlotterbeckstraße Foto: Miedaner

UNTERTÜRKHEIM - Thomas Miedaner

Freidenker, Dramatiker, Sozialdemokrat, Schriftsteller, Athlet, Naturwissenschaftler und Frauenliebling: Die Liste für die Beschreibung des berühmten Bewohner Untertürkheims ist lang. Entsprechend groß ist die Freude beim Bürgerverein, Dulk nun endlich mit einer Gedenktafel zu ehren. "Er war ein Mitbegründer der Sozialdemokratie in Stuttgart", so Klaus Enslin vom Bürgerverein, "und ist einer der berühmtesten Bewohner Untertürkheims." Ein Multitalent, das bis heute wohl mit niemanden vergleichbar sei, so Enslin.
Nachdem 2002 bereits eine Straße nach Dulk in Untertürkheim benannt wurde, erhält nun auch die Gedenktafel bei seinem Wohnhaus. Darüber freut sich auch Regine Haug. Die Untertürkheimerin ist mit der Urenkelin Dulks, Professorin Ilse Walther-Dulk befreundet und hat die Nachforschungen über Dulk vorangetrieben.

Was die Straßen-Benennung angeht ist Haug allerdings nicht zufrieden: "Die heutige Dulkstraße, versteckt im Industriegebiet, ist kein Vergleich zu der Straße, die ehemals bereits nach ihm genannt würde und Albert Dulk eigentlich nicht würdig."

Bereits von 1920 bis 1933 war die heutige Türkenstraße nach Albert Dulk benannt. Dies wurde allerdings 1933 von den Nazis geändert. Erst 2002 erhielt Dulk dann wieder eine Straße in Untertürkheim. Auch außerhalb Untertürkheims wird dem Sozialdemokraten neu erinnert.

Am Sonntag, 25. September, wird in Esslingen das sogenannte Dulkhäusle wieder eröffnet. Dort hat Dulk während seiner Zeit in Untertürkheim gearbeitet. Den Weg zwischen Untertürkheim und Esslingen legte er jeweils morgens und abends zu Fuß zurück. Regine Haug erinnerte bei der Präsentation der neuen Schautafel vor allem auch an die schriftstellerischen Tätigkeiten Dulks. Sie verlas Auszüge aus seinen Tagebüchern, die er während verschiedenen Reisen, unter anderem nach Ägypten geschrieben hat.
Wem die Informationen an der neuen Gedenktafel nicht ausreichen kann auf eine noch sehr neue Erfindung zurückgreifen, die allerdings nicht aus der Hand des Multitalents stammt. Auf der Tafel ist ein sogenannter QR-Code aufgedruckt. Damit können mit jedem Fotohandy und installiertem QR-Reader weiterführende Informationen abgerufen werden - hier ist es ein Link zur Seite von Albert Dulk auf Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Dulk) .

Neues Dulkhäusle wird am Sonntag eingeweiht

Eßlinger Zeitung vom 20.09.2011

Esslingen (bes) - Das wieder aufgebaute Dulkhäuschen an der Römerstraße wird am Sonntag, 25. September 2011, offiziell eröffnet, und zwar um 15 Uhr von Oberbürgermeister Jürgen Zieger. Der Schauspieler Sebastian Kowski wird Texte Albert Dulks vorlesen, der als genialer Sonderling seiner Zeit gilt. Musikalisch umrahmt der Kooperationspartner und Musikverein Liebersbronn diese Veranstaltung, die auf seinem Vereinsgelände gegenüber des Dulkhäusles stattfindet. Das kleine Gebäude, nach dem Dichter Albert Friedrich Benno Dulk (1819-1884) benannt, steht seit mehr als 100 Jahren an derselben Stelle. Zunächst als Jagdhütte errichtet, war der in Untertürkheim lebende Literat von der Lage des auf einem Steinsockel errichteten Bauwerks so begeistert, dass er die Hütte als Rückzugsort und Schreibstube nutzte.

Er war einer der wenigen Männer, die die 1848er-Revolution aktiv mitgestaltet hatten und ihr mutiges Engagement in der Arbeiterbewegung fortsetzten. Seine Mitwirkung bei dieser ersten Demokratie-Bewegung in Deutschland hatten Dulk Jahre des Exils eingebracht, sein Engagement für die Arbeiterbewegung machte ihn zum ersten Opfer der Bismarckschen Sozialistengesetze im damaligen Königreich Württemberg.
Dulkhaus
Neues Dulkhäusle 2011 mit renovierter Bronze-Büste - Fotos:Enslin

Anfang des Jahres war mit dem Abbruch des Dulkhäusles begonnen worden. Der bestehende Sandsteinsockel wurde wieder in statisch und optisch korrekter Form von einem Steinmetzmeister aufgebaut. Die ehemaligen Holz- beziehungsweise Ziegelstützen entlang der heute viel befahrenen Römerstraße wurden durch eine Sichtbeton-Stützenkonstruktion ersetzt. Den wesentlichen Aufbau, nämlich die Fachwerkkonstruktion der Außenwände, das Dachtragwerk und die Holzverschalung, leistete ein Esslinger Zimmermann. Auch zahlreiche andere Handwerker beteiligten sich ehrenamtlich am Wiederaufbau. Sogar eine Alarmanlage ist mittlerweile installiert. Ein Blick in die nachgebaute historische Schreibstube Dulks ist am Sonntag möglich bei der Veranstaltung, zu der das Kulturreferat und die Städtischen Gebäude Esslingen einladen.

„Bürgerschaftliche Gesamtleistung“

ESSLINGER ZEITUNG 26.9.2011: Mehr als 200 Besucher feiern Einweihung des neuen Dulkhäusles

Es ist eine Identifikationsstätte für die Bewohner der Stadtteile an der Römerstraße und so sind zur Einweihung des neu gebauten Dulkhäusles mehr als 200 Besucher gekommen - die den Schatten suchen.

DulkDank der Unterstützung von Esslinger Handwerkern und dank Spenden gelang es, das Dulkhäusle an seinem historischen Platz neu zu errichten. Oberbürgermeister Jürgen Zieger weihte gestern das wieder aufgebaute Sommerdomizil des Dichters Albert Dulk (1819-1884) ein. Die Feier, zu der mehr als 200 Besucher kamen, gestalteten Martina Müller vom Kulturreferat, der Schauspieler Sebastian Kowski und der Musikverein Liebersbronn.

Von Sylvia Schulze

Ziegers Dank galt den Helfern, die den Wiederaufbau des Dulkhäusles ermöglicht haben. „Ohne die Initiative der Bürger wäre der Neubau nicht denkbar gewesen. Das ist eine Gesamtleistung durch bürgerschaftliches Engagement“, betonte der OB, der sich wie die meisten Besucher das Häuschen interessiert von innen und außen anschaute. Neben privaten Spendern haben sich beim Wiederaufbau vor allem Handwerker engagiert. Denn nachdem die verwitterte Hütte mit Zustimmung des Landesamts für Denkmalpflege aus der Denkmalliste gestrichen worden war, musste sie im Januar abgerissen werden - die Bausubstanz war nicht mehr zu erhalten.

Lediglich der Sandsteinsockel blieb noch original stehen und wurde von Steinmetz Constantin Baki gerichtet. Das Fachwerk, das Dachtragwerk und die Holzverschalung baute die Zimmerei Sindlinger. Die Handwerker vom Bodtländer Dach deckten das Dach und erledigten zudem noch die Flaschnerarbeiten.Die Fachleute haben das Holzhäuschen an der Römerstraße innerhalb von sechs Monaten weitgehend originalgetreu und vor allem kostenlos in ihrer Freizeit wieder aufgebaut. Während der Fertigstellung arbeiteten weitere örtliche Malerbetriebe, Fensterbauer und Schreinereien ohne Honorar. Der Bürgerausschuss St. Bernhardt, Kennenburg, Wiflingshausen bezahlte das Material und kümmerte sich um die Elektroinstallationen. 1000 Euro spendete Ilse Walther-Dulk für das Andenken ihres Urgroßvaters. Das 28 Quadratmeter kleine Häuschen hat weder eine Heizung noch eine Toilette. Dennoch gibt es eine Reihe von Bewerbern, die an einer Nutzung interessiert sind. „Wenn es Mieteinnahmen gibt, würde die Stadt vielleicht noch etwas Geld für den Ausbau in die Hand nehmen“, erklärte Peter Geier, der Abteilungsleiter des Technischen Gebäudemanagements. „Wir sammeln noch Vorschläge“, so Geier.

DulkErinnerung an den Namensgeber

In einer Lesung gedachte der Schauspieler Sebastian Kowski des Dichters und Revolutionärs Albert Dulk. Die Texte hatte Martina Müller ausgewählt und zusammengestellt. Der Literat hatte die 1848er-Revolution aktiv mitgestaltet und sich in der Arbeiterbewegung engagiert.

Seine gesellschaftspolitische Haltung brachte den Freidenker mehrfach ins Gefängnis und erschwerte seine Dichterlaufbahn. Das kleine Forsthaus, das damals noch innerhalb der Waldfläche lag, nutzte Dulk in den 1870er-Jahren vier Sommer lang als Schreibstube, um dem Stadtleben Stuttgarts den Rücken zu kehren und in Ruhe schreiben zu können.

Mehr als 400 Besucher kamen zur Eröffnung des Dulkhäusles in die Römerstraße bei herrlichem Sommerwetter

Fotos:Enslin

  • Sonntag 23.10.2011 um 12 Uhr
    Politischer Frühschoppen im Waldheim Gaisburg

    Obere Neue Halde 1 - 70186 Stuttgart
    www.waldheim-gaisburg.de
    mit dem Deutschen Freidenker-Verband
    Vortrag und Diskussion mit Heiner Jestrabek: Thema Albert Dulk

Esslinger Dulk-Fans werden ungeduldig

EZ -7.12.2012 - ESSLINGEN:
Noch immer ist unklar, wie das Dichterdomizil an der Römerstraße künftig genutzt werden soll

Dulkhäusle
Tafeln am Treppenaufgang des Dulkhäusles informieren neuerdings über Leben und Werk des Schriftstellers und Revolutionärs Albert Benno Dulk. Doch das ist manchem seiner Verehrer zu wenig. Foto: Bulgrin

Vor zwei Jahren haben Esslinger Handwerker das verfallene Dulkhäusle an der Römerstraße größtenteils ohne Bezahlung wieder neu aufgebaut. Doch die Frage, wie das ehemalige Sommerdomizil des Schriftstellers Albert Benno Dulk künftig genutzt werden soll, ist bis heute nicht beantwortet. Immerhin hat die Stadt inzwischen Infotafeln installiert, die Auskunft über Leben und Werk des Dramatikers geben.

Von Kornelius Fritz

Schon zu Lebzeiten muss von Albert Benno Dulk (1819-1884) eine besondere Faszination ausgegangen sein: Immerhin lebte der Mann, der nicht nur wegen seiner Körpergröße von fast zwei Metern eine auffällige Erscheinung war, mit gleich drei Frauen zusammen. Ein Teil dieser Faszination hat sich bis zum heutigen Tag erhalten, denn noch immer gibt es in Esslingen etliche Menschen, die das Andenken an den Schriftsteller hochhalten. So wie Rosemarie Greiner-Nagel: Die pensionierte Lehrerin, die im Wiflingshausener Dulkweg wohnt, ist eine glühende Verehrerin des Literaten und hat vor drei Jahren auch den Anstoß für die Rekonstruktion des stark heruntergekommenen Holzhäuschens gegeben, in das sich Dulk seinerzeit im Sommer zum Schreiben zurückzog.

Was anschließend passiert ist, gefällt Dulk-Fans wie ihr weniger. Denn noch immer ist unklar, wie die Jagdhütte künftig genutzt werden soll. Greiner-Nagel befürchtet deshalb bereits, „dass die Stadt das Ding wieder vergammeln lassen will.“ Doch dieser Vermutung widerspricht Helmut Rausch, der zurzeit kommissarisch das städtische Kulturreferat leitet, entschieden: „Wir wollten das Thema schon lange angehen, haben es aber leider nicht geschafft“, sagt er. Ein Grund sei der überraschende Abgang der neuen Kulturreferentin Barbara Maria Schierl gewesen, hinzu kam der hohe Aufwand für die Organisation des Tobias-Mayer-Jahrs und des Festivals „Stadt im Fluss“. „Da sind wir personell an Grenzen gestoßen“, sagt Rausch, der selbst nicht glücklich mit der Hängepartie am Dulkhäusle ist: „Es passiert da in der Tat zu wenig.“ Zumindest einen kleinen Fortschritt gibt es aber zu vermelden: Seit September hängen am Treppenaufgang zum Dulkhäusle vier Infotafeln, die einen Überblick über Leben und Werk von Albert Dulk geben und zudem die Sponsoren würdigen, die zum Erhalt des Dulkhäusles beigetragen haben.

Hütte taugt nicht zum Museum

Unumstritten sind allerdings auch diese Tafeln nicht: „Viel zu viel Text“, findet Rosemarie Greiner-Nagel. Statt ausführlicher Schrifttafeln vor dem Eingang hätte sie lieber eine richtige Dulk-Ausstellung im Innern des Häuschens. Doch daraus wird wohl nichts: Zum Museum tauge die Holzhütte schon aus rein praktischen Gründen nicht, meint Martin Beutels­pacher, Leiter der Städtischen Museen. Denn der 28 Quadratmeter große Innenraum lässt sich nicht heizen, es gibt keine Toiletten und das Häuschen ist wegen seiner abgeschiedenen Lage kaum zu beaufsichtigen. Dort Exponate von Wert, etwa Handschriften von Albert Dulk, auszustellen, würde ihm Bauchschmerzen bereiten, sagt Beutelspacher. Abgesehen davon hält er den Schriftsteller, der zwar in Esslingen schrieb, aber in Untertürkheim lebte, auch nicht für so bedeutend, dass man ihm mit großem Aufwand ein eigenes Museum errichten müsste: „Er war kein Fontane“, stellt der Museumsleiter klar.

Aus seiner Sicht ist das Dulkhäusle „ein Denkmal, das man eher von außen betrachtet“. Trotzdem will man bei der Stadt im kommenden Jahr noch einmal intensiv über die Nutzung des Innenraums nachdenken. Auf keinen Fall solle das Dulkhäusle wieder wie früher als Lager für Bierbänke und Sonnenschirme herhalten, verspricht Helmut Rausch: „Wir möchten schon eine kulturelle Nutzung.“ Allerdings denkt er weniger an eine Dauerausstellung als an einzelne Veranstaltungen, die das Dulkhäusle vielleicht vier oder fünf Mal im Jahr mit Leben füllen. Dabei hofft er auch auf die Ideen und Anregungen der Esslinger Dulk-Fans: „Wir sind für alles offen.“

Was mit dem Dulkhäusle passiert, verfolgt übrigens auch Albert Dulks in Stuttgart lebende Urenkelin Ilse Walther-Dulk aufmerksam. Die 92-jährige emeritierte Romanistik-Professorin studiert bis heute die Schriften ihres Urgroßvaters und freut sich, dass dieser in Esslingen noch immer viele Freunde hat. Wenn es ein Konzept für die Nutzung des Häuschens gebe, sei sie bereit, die Umsetzung auch finanziell zu unterstützen, lässt die alte Dame wissen.

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