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Das Stuttgarter Weinbaumuseum in Uhlbach

Die Trinkgefäße aus zwei Jahrtausenden sind nur zum Anschauen da

Stuttgarter Zeitung vom 25.08.2003

Ferientrips zu Musen und Museen (25): Nach dem Rundgang durch das Uhlbacher Weinbaumuseum können sich die Besucher bei einem guten Tropfen dann zuprosten


Ob nun aus Politfrust, Sparsamkeit oder Heimatliebe: viele Bürger der Region Stuttgart tun es dem Kanzler gleich und urlauben zu Hause. Damit es dabei nicht langweilig wird, bieten wir eine Serie voller hübscher Attraktionen - lauter kleine Museen mit großem Angebot.
Uhlbach
Vorbei an Traubenpressen, Holzfässern und Butten: in dem Uhlbacher Museum im Ortskern
wandern die Besucher durch viele Jahrhunderte Weinbaugeschichte          Fotos (3): Michael Steinert
Von Claudia Krüger

Wohl kaum jemand widme sich "mit so vieler Ausdauer und Hingebung dem edlen Weinstocke als der Württemberger", stellte der Apotheker, Weingutbesitzer und Ökonomierat Bronner schon anno 1837 fest. In der Tat hat der Weinbau hier zu Lande eine lange Tradition. Beispielhaft dafür ist der dörfliche Stuttgarter Stadtteil Uhlbach, der inzwischen zum Anziehungspunkt für Kenner und Liebhaber edler Tropfen geworden ist. Auf eine über 750 Jahre alte Weinbautradition blicken die Uhlbacher stolz zurück. In der ehemaligen Ortskelter eröffnete die Stadt Stuttgart vor 24 Jahren ein Weinbaumuseum, das sich zu einem beliebten Ausflugsziel für Wanderer und Bustouristen entwickelt hat.

UhlbachIn dem Fachwerkgebäude in der Uhlbacher Dorfmitte finden die Besucher einen Überblick über die Weinbaukultur von der Römerzeit bis heute. Der ehemalige Stuttgarter Stadtdirektor Werner Sautter hat die Ausstellung konzipiert, in zwölf Sachgruppen werden Interessierte in die Geheimnisse der Wengerter eingeweiht. Ob ein historischer Abriss über die Geschichte des Weinbaus oder konkrete Einblicke in die Arbeit der Winzer, das Themenspektrum ist weit gefächert. Es gibt Wissenswertes zur Schädlingsbekämpfung genauso wie zu Ernte und Küferei. Die Informationstafeln sind übersichtlich gestaltet, das Verhältnis zwischen schriftlichen Erläuterungen und historischen Ausstellungsstücken ist ausgewogen. Somit kann der Museumsbesuch auch für Kinder zu einem spannenden Ausflug in die Weinbaugeschichte werden.

Schon 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung war der Weinbau in Ägypten bekannt. Vermutet wird, dass die Römer die Kunst des Weinanbaus schließlich in hiesigen Regionen einführten. Nicht zuletzt das Vokabular lässt darauf schließen: vinum - Wein, mustum - Most oder vinitor - Winzer sind Beispiele dafür. Auch viele Ausgrabungsfunde zeugen vom hohen Stand der römischen Kultur. So umfasst die Ausstellung in Uhlbach denn auch Trinkgefäße und Weinbehälter aus zwei Jahrtausenden. Ton, Steinzeug, Glas und Zinn waren die Materialien, die - angefangen bei den Römern über das späte Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein - für die Gefäße verwendet worden sind.

Die Arbeit im Weinberg jedoch hat sich in all den Jahren nur wenig verändert. Ob beim Schneiden oder Biegen der Reben, beim Lockern und Düngen des Bodens oder schließlich beim Herbsten, also beim Ernten der Trauben, immer ist Handarbeit angesagt. Hauen und Spaten ebenso wie die Rebschere gehören nach wie vor zum Handwerkszeug eines jeden Winzers. Bei der Verarbeitung der süßen Früchte dagegen hat die Technik schon lange Einzug gehalten.

UhlbachMächtige Kelterbäume, auch Torkel genannt, dienten bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als Weinpressen. Nach und nach wurden sie durch hydraulische Pressen ersetzt, nur wenige Exemplare der imposanten Weinpressen sind heute noch vorhanden - eine davon steht im Uhlbacher Museum. Aufschlussreich ist auch der Blick in die vollständig eingerichtete Küferwerkstatt, die ausschließlich Werkzeuge zeigt, die im 18. und 19. Jahrhundert in Gebrauch waren. Das Küferhandwerk entstand übrigens erst in der Zeit Karls des Großen. Bis ins achte Jahrhundert hinein wurde der Wein in Deutschland noch in ledernen Schläuchen oder Bütten gelagert.

Erst mit der Einführung der Holzfässer erlebte das Küferhandwerk seine Blüte, mit kunstvollen Schnitzereien verzierten Küfer die Holzbehälter. Der Schutzpatron der Wengerter ist übrigens der heilige Urban. Er geht auf Papst Urban I. zurück, der angeblich in der Kirche auf der Altenburg in Cannstatt den Gläubigen gelehrt hat, die Weinstöcke zu pflegen und die Trauben zu keltern - so jedenfalls ist die Sage überliefert. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde der Todestag Urbans, der 25. Mai, in vielen Weinbaugemeinden als Feiertag begangen. Im Uhlbacher Museum darf der Schutzpatron natürlich nicht fehlen, die kunstvoll geschnitzte Figur stammt aus Franken und ist Ende des 16. Jahrhunderts geschaffen worden.

Damit der Rundgang durch die ehemalige Gemeindekelter auch wirklich zum vollen Genuss wird, stehen für die Besucher im Weinstüble des Museums 16 Weine zum Probieren bereit - versteht sich von selbst, dass die Trauben allesamt auf Stuttgarter Weinbergen gewachsen sind.

Zum Luftschnappen in die Weinberge

Stuttgarter Zeitung vom 25.08.2003


Uhlbach erreicht man von der Stuttgarter Innenstadt aus mit dem Auto in nur wenigen Minuten über die B10 in Richtung Esslingen, Ausfahrt Hedelfingen, von dort aus in Richtung Obertürkheim und dann weiter nach Uhlbach. Dort ist das Museum nicht zu verfehlen, es liegt direkt am Uhlbacher Platz in der Dorfmitte.

Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Weinbaumuseum gut zu erreichen:
Mit den Stadtbahnlinien 9 und 13 fährt man bis zur Endstation Hedelfingen oder mit der
S-Bahnlinie S1 bis zum Bahnhof Obertürkheim.
Die Buslinie 62 bringt die Besucher schließlich bis zur Endstation Uhlbach.

MuseumDas Weinbaumuseum der Stadt Stuttgart ist von 1. März bis 1. November an den Wochenenden geöffnet:
samstags von 14 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.
Besuchergruppen, die das Museum außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten besuchen möchten, können sich über Telefon 07 11/ 2 22 82 24 anmelden.

Direkt am Museum führt der Württembergische Weinwanderweg vorbei.
Vom Uhlbacher Platz aus führen Wege hinauf zum Kernerturm (vier Kilometer) oder zur Katharinenlinde (drei Kilometer).

Auch der Rotenberg mit der Grabkapelle ist per pedes problemlos zu erreichen.

Die Wege hinauf in die Weinberge bieten nicht nur eine tolle Aussicht, sondern geben noch einmal Einblick in das Wengerterleben. Im Herbst machen die Wanderer auf den Höhenwegen in Richtung Esslingen oder in die andere Richtung hinüber nach Fellbach gerne Halt an den verschiedenen Weinlauben, in denen die Winzer zur Weinprobe einladen.

Wer jedoch nach dem Museumsbesuch erst einmal genug hat vom Stehen und Gehen, der kann in eines der vielen schwäbischen Lokale im Dorf einkehren. Ob Traube, Löwe, Ochsen, Krone oder Hasen - das gastronomische Angebot ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl enorm. Und selbstverständlich gibt es auch dort Stuttgarter Weine zum Probieren.
krü

Aus der Stuttgarter Zeitung vom 9.08.2002

Stolze Bürger, ein trauernder König und im Museum ein heimlicher Schatz

Die schönsten Seiten der Region (12):
Im Weinbaumuseum Uhlbach sind Weine zu kosten -
Für die Grablege seiner Katharina knauserte König Wilhelm auf hohem Niveau

Ein Spaziergang von Uhlbach zum Rotenberg.

Postkarte mit St. AndreaskircheVon Dorothee Haßkamp

Kerner heißt das Kind, und es soll von "rassiger Nervigkeit" sein. Doch Mutter Riesling und Vater Trollinger stehen unge- rührt daneben. Solche familiären Details lernt, wer von der malerischen Weinbau- gemeinde Uhlbach über den Götzenberg hinauf zur Grabkapelle schlendert.

Doch vorher gibt es in Uhlbach noch viel zu sehen. Sonntagnachmittags bietet sich ein Schlenker zur Pfarrkirche St. Andreas an. Ihr markanter achteckiger Turm mit bunt lasierten Ziegeln prägt das Dorfbild. Heinrich Dolmetsch setzte ihn 1895 auf den alten wehrhaften Turm auf. Auch den mittel- alterlichen Kirchenraum hat der damalige Stuttgarter Stararchitekt neu gestaltet. Den Liebhabern des Mittelalters droht der Architekturführer ein historistisches Gesamtkunstwerk samt flächendeckender Holzverkleidung an. Aber auch Skeptiker sollten einen Blick in den überzeugend harmonischen Saal werfen.

Rathaus www.Stuttgart.deAm Rathaus führt anschließend kein Weg vorbei. Besucher aus Esslingen heimelt es an: Ihr Altes Rathaus diente den Uhlbachern 200 Jahre später als Vorbild. Das stolze schwäbisch-alemannische Fachwerkhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert, als die Uhlbacher Weine schon weit über die Region hinaus bekannt waren.

Zwischen Kirche und Rathaus erhebt sich die gewaltige Gemeindekelter. Sie wurde in den 70er Jahren modernisiert, um dem geplanten Weinbaumuseum einen angemessenen Rahmen zu geben. Zwischen kühlen Terrakottafliesen und den dunklen Balken des Steildachs stehen Eichenfässer, Kelterpressen und eine alte Küferwerkstatt. Von der Antike bis zur Gegenwart, von der Rodung bis zum Trunk spannt die Ausstellung einen weiten Bogen. Doch um wirklich zu verstehen, wie die Traube zum Viertele wird, sollten unkundige Besucher Geduld oder einen Experten mitbringen. Denn Führungen müssen angemeldet werden und sind teuer, und die Tafeln sind zwar um Verständlichkeit bemüht, aber nicht immer erfolgreich. Sei's drum. Wem sich das Geheimnis der Küfer nicht enthüllt, freut sich am rustikalen Charme der Exponate, kostet die Stuttgarter Weine im Probierstüble und entdeckt den heimlichen Schatz des Museums, den Wortschatz der Wengerter. Pexel, Krebe und Daube entzücken durch ihre bloße Existenz und könnten beim nächsten Scrabble spielentscheidend sein.

Nach einer kleinen Stärkung - die Wahl fällt leicht, weil in der zweiten Augusthälfte nur der Löwen geöffnet hat - führt der Weg über den Götzenberg hinauf zur Grabkapelle auf dem Rotenberg.

Der Gang durch die geometrisch gesetzten Weinstöcke wird aufgelockert durch einige Lehrtafeln, die vom Stammbaum und Charakter der Götzenberger Rebsorten erzählen. Der dort wohnhafte Hase wurde zuletzt beim Gewürztraminer ("rar und delikat") gesichtet, womit er zweifellos Kennerschaft bewiesen hat.

GrabkapelleAuf dem Rotenberg thront die klassizistische Grabkapelle für die 1819 gestorbene Katharina. Dafür riss der trauernde Witwer Wilhelm I. kurzerhand den Stammsitz der Familie ab, übrigens trotz Protesten seiner Untertanen. Zwar waren Württembergs schon vor Jahrhunderten dort ausgezogen, aber die Burg war noch gut erhalten. Noch das schlichte Miniaturmodell mit Wehrtürmen und doppeltem Mauerring weckt die Lust auf abenteuerliche Ritterspiele. Doch von diesem Kindertraum ist nur der Weihestein von 1083 geblieben. Wilhelm II. versuchte den historischen Flurschaden per Dekret zu mindern: 1907 ließ er den Rotenberg offiziell in Württemberg umbenennen.

Teutsch sollte das Monument für die Zarentochter sein, an die Stelle der mittelalterlichen Burg wollte der König ein mittelalterliches Zitat setzen. Hofbaumeister Giovanni Salucci überzeugte den Monarchen, dass ein antikes Pantheon die schickere und würdigere Lösung sei, und das Ergebnis gibt ihm Recht. In der Frage, was Kunst kostet, lagen der schwäbische Bauherr und der florentinische Baumeister schon wegen Schloss Rosenstein dauernd miteinander im Clinch. (Als dort 1839 Hausschwamm entdeckt wurde, feuerte Wilhelm den Baumeister, der verarmt in Florenz starb.) Im Gegensatz zum Bibelspruch über den ionischen Säulen vor dem Eingang der Grabkapelle hörte die Liebe sehr wohl auf, und zwar beim Geld. Wilhelm strich dem Architekten einen spürbaren Teil seines Budgets. Angesichts des Schmuckstücks auf der Bergkuppe wird man ihm aber zugestehen müssen: Er knauserte auf hohem Niveau.

Uhlbach www.stuttgart.deVom Rotenberg aus bietet sich abschließend ein schöner Blick auf das idyllische Uhlbach zwischen den Weinhängen. Im Westen aber lagert ein Bataillon Öltanks am Hafen, am anderen Ufer thront der Gaskessel, dazwischen ragen die Schornsteine des Kraftwerks auf. Über dem Stadion schwingt, kühn und elegant, der weiße Stahlbogen. Jetzt schnell bergab, am Mönchberg vorbei, ein paar Schritte noch durch die gezirkelte Tristesse der Monokultur - und dann raus aus der grünen Hölle, heim in die Großstadt.

Bergauf oder bergab

Nur am Wochenende haben alle Sehenswürdigkeiten geöffnet, und auch dann sollten die Mittagspausen eingeplant werden. Der Spaziergang bietet sich bergauf, bergab oder als Rundweg an.

Nach Uhlbach fährt die Buslinie 62, in die man am S-Bahnhof Obertürkheim und an der Endstation Hedelfingen der Straßenbahnen U9 und U13 umsteigen kann.

Zur Grabkapelle fährt der 61er Bus ab dem S-Bahnhof Untertürkheim.

Von Uhlbach nach Rotenberg führen mehrere gewundene asphaltierte Wege (die, je nach Laune und Gangart, etwa eine Dreiviertelstunde dauern). Schneller geht es über das Burggässle.

Das Weinbaumuseum am Uhlbacher Platz 4 ist nur von 1. März bis 1.November an Wochenenden geöffnet (samstags 14 bis 18 Uhr; sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr). Führungen können (auch außerhalb der Öffnungszeiten) über Telefon 2 22 82 24 gebucht werden.

Die Kirche St. Andreas ist in der Ferienzeit sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

Die Grabkapelle kann sonn- und feiertags von 10 bis 12 und 13 bis 18 Uhr besichtigt werden, freitags und samstags von 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr und mittwochs von 10 bis 12 Uhr.

In Uhlbach hat der Löwen auch im August durchgehend geöffnet.

In Rotenberg, gegenüber der Bushaltestelle, bietet das Weingärtle zum Essen noch den Blick von der Terrasse auf die Weinberge (montags geschlossen).
Gleich dahinter stehen Bänke, auf denen ein mitgebrachtes Vesper bei schöner Aussicht schmeckt.

TEIL 2: Weinbaumuseum in Uhlbach

Weitere Infos:

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