|
"Quadratisch. Praktisch. Gut."
Teil 2 der Schokoladen-Seite Stuttgarts:
Ritter-Sport
trifft den Geschmack -
Drei von fünf
Stuttgarter Fabriken im Neckartal
Zart schmilzt die braune Masse auf der Zunge. Schokolade macht glücklich!
Demnach müssten die Stuttgarter früher die glücklichsten Menschen
gewesen sein.
Stuttgart war ein Zentrum der Schokoladenindustrie. Das
größte
hier ansässige Unternehmen der Branche war die Schokoladenfabrik Moser-Roth
in der Räpplenstraße.
Auch die Schweizer Firmen Tobler und Suchard
hatten in Stuttgart ihre deutsche Dependance.
Älteren fallen noch Namen
wie Staengel & Ziller oder "Eszet" ein - gegründet vor 150 Jahren
-, Haller, Schoko-Buck oder der Eiskonfektproduzent Friedel.
Zu den jüngsten
Firmen gehört Ritter. Das Neckartal ist die Schokoladen-Seite Stuttgarts.
Süßen Lesegenuss verspricht unsere Serie, in der wir nach Eszet
aus Untertürkheim nun Ritter aus Cannstatt vorstellen.
Bad Cannstatt - 1.02.2007 - Stuttgarter Wochenblatt - von Tina
Bauer

Foto: Enslin
BAD CANNSTATT/NECKARTAL - "Quadratisch. Praktisch.Gut." so wirbt Ritter-Sport
seit Jahrzehnten. Die Geschichte der Ritter-Sport-Schokolade fängt da
an, wo die meisten Liebesfilme aufhören: bei der Ehe. 1912 heiraten Konditor
Alfred Ritter und Süßwarenladeninhaberin Clara Ritter, geborene
Göttle, in Cannstatt.  Gleich nach der Hochzeit gründen sie die Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik
Alfred Ritter Cannstatt und eröffnen den Betrieb in einem Hinterhaus an
der Moltkestraße auf dem Seelberg, der heutigen Sodener Straße.
Und sie treffen damit den Nerv, besser den Geschmack, der Leute.
Doch der Krieg unterbricht die Erfolgsgeschichte. Gleich nach Beginn des
Ersten Weltkriegs wird Ritter eingezogen, kommt aber bald zurück - und
gießt fortan Blockschokolade, die zur Steigerung der Kampfeskraft in
Feldpostpäckchen gepackt wird. Dies sind die Anfänge der quadratischen
Ritter-Sport-Tafeln.
Schon 1919 macht steigender Umsatz einen Umzug in die Wilhelmstraße
16, Ecke Liebenzeller Straße nötig. Im selben Jahr bringt
die Familie Ritter eine erste eigene Schokoladenmarke auf den Markt: "Alrika" -
abgeleitet aus Alfred Ritter Kannstatt. "Damals war es Mode, Cannstatt
mit K zu schreiben",
erläutert Eberhardt Hahn, Vorsitzender des Bürgervereins
Untertürkheim. "Eine
Zeitlang wurde Cannstatt auch als Cannstadt geschrieben." 1926
arbeiten bereits 80 Mitarbeiter für Ritter.
Die Schwelle vom handwerklichen
zum industriellen Betrieb wird überschritten - und der erste
Firmenlastwagen wird angeschafft. 1930, als der Platz in Cannstatt
nicht mehr ausreicht, verlagert Ritter den Betrieb nach Waldenbuch
- wo er bis heute ist.
Damals
werden die engagierten und eingearbeiteten Mitarbeiter täglich
mit dem Bus von Cannstatt nach Waldenbuch und zurück kutschiert. In Waldenbuch
ist Clara Ritter 1932 auf die Idee gekommen sein, die Tafelschokolade in Quadratform
zu produzieren: Im Waldenbucher Stadion hatte sie beobachtet, dass die Fußballfans
am liebsten Schokolade mitbrachten. Gleichzeitig stellt sie fest, dass die
Langtafeln in der Jackentasche leicht zerbrechen. "Machen wir doch eine Schokolade,
die in jede Sportjackentasche passt, ohne dass sie bricht, und das gleiche
Gewicht hat wie die normale Langtafel", argumentiert sie.
 Glücklicher Nebeneffekt: Weil die 100-Gramm-Tafel bei unverändertem
Gewicht und geringerer Fläche dicker wird, finden nun auch ganze Nüsse
Platz. Das Schokoladequadrat bekommt den Namen "Ritter"s Sportschokolade".
Seit 1970 heißt die Marke einfach "Ritter Sport".
Erneut unterbricht der Krieg die Erfolgsgeschichte des Unternehmens. Mit
Kriegseinbruch muss die Schokoladenproduktion reduziert, ab 1940 ganz eingestellt
werden. Erst 1946 beginnt Alfred Ritter wieder mit der Herstellung verschiedener
Süßigkeiten - zunächst ohne Kakao. Denn Kakao steht erst 1950
wieder ohne Beschränkung zur Verfügung. Die Schokoladen-Herstellung
bei Ritter geht weiter. Nur zwei Jahre später stirbt Firmengründer
Alfred Ritter mit 66 Jahren. Sein Sohn Alfred Otto Ritter übernimmt die
Geschäftsleitung - und bringt den Betrieb voran. 1954 arbeiten bereits über
100 Beschäftigte dort. In diesem Jahr wird auch ein Produktionsrekord
gefeiert: Vier Tonnen Tafelschokolade werden an einem Tag produziert. "Quadratisch.
Praktisch.Gut. "tb
|